Ausgabe 
29 (11.4.1869) 15
 
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Russischer Kannibalismus gegen katholische Nonnen.

Makrina Mieszyslawska war, wie bekannt, Acbtisfin des Klosters derBasiliauerinnen in Minsk , als Czar Nikolaus die gewaltsame Bekehrung der Nonnenzum Schisma anbefahl. Es widerstrebt der Feder, alle die gräulichen Mißhandlungenzu beschreiben, denen sie und ihre treuen Töchter, 37 an der Zahl, ausgesetzt waren, umsie zum Abfall von ihrem Glauben zu nöthigen. Es geschah das in den Jahren 1838 40.Die frommen Nonnen wurden nach Witebeck geschleppt, d. h. nach russischer Weise mußtensie mit Ketten beladen, dorthin zu Fuße gehen, und dort in ein Kloster ihres Ordens,das nur von russischen Soldaten - Wittwen und Weibern der ordinärsten Art bewohntward, untergebracht. Sieben Jahre lang schmachteten sie dort, ohne daß ihnen die Fesseln,mit denen sie belastet waren, auch nur auf eine kurze Zeit wären abgenommen worden,in einem dumpfen Raume, in dem sich noch dreizehn Schwestern befanden, die aus derZahl der früheren Bewohnerinnen des Klosters übrig und zu den üiedrigsten Dienstenfür die erwähnten Weiber verurtheilt waren. Die neuen Ankömmlinge mußten nun dieseihre Arbeiten mit ihnen theilen, fortwährend in Fesseln und unter den härtesten Schlägen,der elendesten Nahrung, im Winter in Rußland ohne Heizung. Zweimalwöchentlich wurden sie außerdem auf Befehl des apostasirtcn Bischofs Siemaszko, desHenkers von Hunderten armer Nonnen und Mönche, auf das entsetzlichste gegeißelt. Einevon den Schwestern, Colomba Gorska, die gleich den übrigen unmittelbar nach einersolchen Geißelung an den Karren geschleppt ward, an welchem angekettet sie Bausteinefahren mußte, fiel todt nieder, eine andere, Baptista Downar, wurde in einem großenOfen lebendig verbrannt, eine dritte, Nepomuccna Grvtkowska, starb in Folge einesSchlages, den ihr die Vorsteherin deS Hauses mit einem Holzscheit auf den Kopf versetzthatte; zwei andere Schwestern, Suzanna Rypinska und Coleta Siclawa, starben unterden Geißelungen. Ende 1840 wurden die noch übrigen Nonnen zwei und zwei zusammen-gcfcssclt, nach Plock geschleppt und ebenfalls in ein Kloster ihres Ordens gebracht, wovon den fünfundzwanzig Schwestern bereits fünfzehn in Folge der Mißhandlungen um-gekommen waren, von den übrigen zehn waren zwei aus derselben Ursache geisteskrankgeworden. Trotzdem wurden sie wie die andern an den Karren gefesselt. Äuch diesestarben unter den Händen ihrer Peiniger. Im Jahre 1841 kamen fünf der Schwesternin einer Lehmgrube um, sie wurden unter den einstürzenden Erdmassen begraben, undbald darauf stürzten neun andere Schwestern von einem Maucrgerüste herab, auf demsie Handlanger-Dienste verrichten mußten, und blieben auf der Stelle todt. Unter diesenletzten neun Schwestern befand sich eine geborene Fürstin Mednnicka. Nur kurze Zeitspäter wurden zwei Schwestern zu Tod gegeißelt, und diese Scenen wiederholten sich inden Jahren 1841 42; eine alte Nonne von 73 Jahren, Scraphina Sczcrbinska, dieauf Befehl Siemaszkos fünfzig Geißelschläge erhalten sollte, starb bei dem dreißigsten,die Leiche empfing die übrigen zwanzig; zwei andere, Stanislawa Dawgial und NathaliaNarbut starben einige Stunden nach der Geißelung, während Justina Tur und LibertaKormin buchstäblich unter den Fußtritten ihrer Henker ihren Geist aufgaben. DaS Allesgeschah nicht ohne Wissen deS Kaisers, an den die unglücklichen Nonnen geschriebenhatten. Aber seinen Zweck, die Apostasie der schwachen und doch heldenmüthigcn Frauenerreichte er nicht. Von den 245 Nonnen, die den Gcsammtstand der Brasilianerinnenbildeten, und die sämmtlich auf gleiche Weise behandelt wurden, ist auch nicht eine ihremGölte untreu geworden. Der größere Theil erlag den Mißhandlungen, glorreiche Mar-tyrinnen, die übrigen wurden, die General-Oberin, Fürstin Euphrosine Gcdamin an derSpitze, zu zwei und zwei aneinander gefesselt, zu Fuß nach Sibirien geschleppt. Die

Historische Reminiscenz nach dem Schlcs. Kbl. an die Jahre t838 bis 42 ausAnlaß des unlängst gemeldeten, in Rom erfolgten Ablebens der 86jährigen Brasilianer-NonneMakrina Mieszyslawska.