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genannte General-Oberin, 45 Jahre alt, die ihre großen Reichthümer dem Orden über-geben und sich durch ihre große Liebe zu den Armen ausgezeichnet hatte, starb unter-wegs. 1845 endlich gelang es der Äbtissin Makrina, die neben den eigenen schrecklichenLeiden auch die ihrer Mitschwestern, denen sie eine liebende Mutter war, mitgefühlt hatte,mit drei andern Schwestern, die allein noch die erforderliche Kraft besaßen, (acht andernwaren in Plock bei Gelegenheit einer schrecklichen Mißhandlung die Augen ausgeschlagcnworden, so daß sie gänzlich erblindet waren) ihrem Gefängniß zu entfliehen, und nachRom zu gelangen, wo sie dem heiligen Vater einen treuen Bericht über die traurigenVorgänge in Rußland abstattete. Wie dergleichen Scenen unter Nikolaus Nachfolger,dem als liberal ausgerufenen Kaiser Alexander 11^ sich in fast unaufhörlicher Reihenfolgewiederholt haben, ist bekannt. Und das Alles geschah und geschieht im neunzehntenJahrhundert, dem Jahrhundert der Aufklärung und des Lichtes. Glaubt man nicht indie Zeit eines Caligula, eines Maximin und anderer Tyrannen der Kaiscrzeit versetzt zusein? Wir können nicht glauben, daß die Saat, die die heldcnmüthigcn Märtyrer undMärtyrerinnen des Glauben« gesäct, nicht endlich Früchte tragen sollte.
Miseelleri.
(Das Omen Maria Theresias .) In der Kaisergruft der Kapuziner-Kirchezu Wien ruhen bekanntlich seit deren Stifter, Kaiser Mathias, alle deutschen Kaiser bisauf den letzten, für welchen im Kaisersaal des Frankfurter Römers Raum war. Hierherbegab sich nach dem Tode Franz l. jede Woche dreimal seine Gemahlin, die KaiserinMaria Theresia , um stiller Andacht nachzuhängen. Nicht allein am Tage, sondern auchNachts stieg sie in die kalte Gruft hinab. Allein! Um Niemand zur Beihilfe nöthigzn haben, ließ sie ein Stcigwerk anbringen, mit welchem sie mit eigenen Händen sichhinunterließ und wieder emporwand. Als dieß auch am 2. November 1780 geschah,stockte die Maschinerie dreimal, und Maria Theresia flüsterte ahnungsvoll: „Die Gruftwill mich nicht wieder herauslassen!" Einen Monak später wurde sie todt in ihremSarge in diese Gruft hinabgelassen.
Ein witziger Dichter Frankreichs , Saint-Foix (gest. 1776), war einem Juden1000 LivreS schuldig, die er nicht bezahlen konnlc. Sein Gläubiger traf ihn einst zu-fällig bei einem Barbier, — der ihm so eben den Bart eingeseift hatte. Der Hebräermahnte ihn auf der Stelle. S. aber fragte ihn, ob er nicht wenigstens so lange wartenwolle, bis der Herr da ihm den Bart abgenommen. „O ja!" antwortete der Jude,„recht gerne!" — „Nun, Sie sind Zeuge," sprach der Dichter zu dem Barbier, stand«uf, wusch sich die Seife ab und ging mit ungeschorenem Barte davon.
(Die Ja- und Nein-Maschine) Für gewisse Volksvertretungen, welchendie weise Fürsorge Derer, die sie berufen, alle Mühe, sogar das Ja- oder Nein-Sagenersparen möchte, eignet sich vortrefflich eine zunächst in Albany (Staat New-Dork) einge-führte Maschinerie, bei welcher die Reprcscntantcn weder aufzustehen, noch aufgerufen zuwerden brauchen. Es sind in der Nähe des Schriftführer-Tisches zwei Tafeln vorhanden,auf denen sämmtliche Plätze mit laufenden Nummern bezeichnet stehen und zwar doppelt,einmal für Ja, einmal für Nein. Von diesen Tafeln gehen elektrische Drähte nach denSitzen, an deren jedem sich zwei Drücker für Ja und Nein befinden. Sobald es sichum ciuc Abstimmung handelt, haben die Vertreter nur nöthig, auf den Ja- oder Nein-Griff zu drücken, und binnen fünf bi« zehn Minuten ist Abstimmung und Zühtung derStimmen fertig. Diese Maschine ist auch besonders kostbar für tumultuarifche Sitzungen,wo oft die Äbstimmnngs-Resultatc trotz mehrfacher Controle unsicher sind.
Druck, Bering und Redaction der Litcrarisrden Instituts den t»r. M. Hnrrlcr.