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„Nudolph!" begann sie feierlich, „möge denn in dieser heilige» Nacht, «o Niemand»uS ficht. Niemand uns richtet, als der Ewige allein, dessen Sterne seinem Strahlcnaugegleich auf uns hcrniedcrschauen, jede Maske der Verstellung von uns fallen. Hätte ichgewußt, daß Sie der Mann sind, dem Angelika ihre Hand reichen soll, nie — niemalshalte mein Fuß dieses Haus betreten. Denn, lassen Sie mich es aussprechen, und ichdarf es ahne Errathen, ich liebe Sie, Rudolph, mit wahrer, inniger Liebe."
„Du liebst mich!" wiederholte Rudolph mit seligem Ausdruck, o, noch einmal —ein einziges Mal wiederhole das Wort, das mich entschädigt für alle Leiden, die ich bisdahin erduldete."
Er näherte sich mit ausgebreiteten Armen dem jungen Mädchen, aber ein fast be-fehlender Wink Angelika's hielt ihn zurück.
„Lassen Sie mich ausreden," sagte sie ernst. „Ja, ich liebe Sie, vielleicht mit demgleichen Gefühl, wie Sie meinem Bilde in Ihrem Herzen weihen. Was soll aus unswerden? — Zu welchem Verbrechen könnte uns die nie berechnende Leidenschaft treiben,wenn wir nicht der Stimme der Ehre, der Stimme der Pflicht Gehör geben wollen?Lasten Sie uns einen Bund schließen, der uns stärket vor jeder Versuchung; lasten Sieuns in diesem Augenblicke, wo wir einander gestehen, wie lieb wir einander sind, auchdiese Liebe begraben. Denn wenn die Glut des Herzens die Bande zu sprengen drohte,dann müßte ich fort auf's Neue von dieser gastlichen Stätte, das kein Verrath befleckensoll, fort in die weite, große Welt, wo keine Frcundesbrust meiner harrt, mußte auf'sNeue unter kalte, hartherzige Leute."
(Fortsetzung folgt.)
Ein Bischofs Jubiläum in Amerika .
St. Franzis bei Milwaukee , 21. März 1869.
Am 19. März, als am Feste des heiligen Joseph, war Milwaukee Zeuge einerFestlichkeit, die nicht bloß durch ihre Seltenheit, sondern auch durch die Pracht undGroßartigkeit, mit der sie begangen wurde, noch lange in frischem Andenken verbleibenwird. Unser Hochwürdigster Bischof, Johann Martin Henni, der erste Oberhirte unsererDiözese, feierte nämlich au diesem Tage sein 25jühriges Bischofs-Jubiläum. Schon seitein Paar Monaten zeigte sich in der Bischofsstab! ein reger Eifer, unter Katholikensowohl als Protestanten, um dem allseitig beliebten greisen Obcrhirtcn eine würdige Fcst-Keier zu bereiten.
Am Morgen des 1S. März vernahm man schon zu früher Stunde das festlicheGeläute der Glocken von den Thürmen der sieben Pfarrkirchen der Stadt, und Kanonen-Donner trug die frohe Kunde in die umliegende Landschaft. Vom Dache des städtischenGerichtshauses flatterte lustig das Sternenbanner, zum Beweise, daß auch die nicht katho-lischen Behörden von Milwaukee die Bedeutung des schönen Festes zu würdigen ver-standen. Unterdessen hatten sich in der bischöflichen Wohnung die Priester von allenSeiten eingefunden, ungefähr 90 an der Zahl, von denen manche einen Weg von über100 Meilen gemacht hatten, um der Feierlichkeit beizuwohnen. Ungefähr um 10 Uhrrückten die verschiedenen katholischen Vereine der Sradt mit flatternden Bannern, undunter den rauschenden Klängen der Musik vor die Kathedrale, wo sich bereits eine fastunübersehbare Volksmenge eingefunden hatte. Um 10 Uhr begann die feierliche Prozessionder Priester und Seminaristen durch die Kathedrale zur bischöflichen Wohnung, wo derJubelgreis in Empfang genommen und unter den festlichen Klängen der Musik zur Kirchegeleitet wurde. Beim Einzüge der Prozession in dieselbe sang ein Chor von Seminaristendas Ucnt! suoerckos magnus, das auf die ohnehin von Festfreude erfüllten Gemüthereinen um so größer» Eindruck hervorbrachte. Beim nun folgenden Pontifical - Amte be-merkte man auch im Prcsbytcrium den neuen Bischof von La Crofse, der gekommen war>