Ausgabe 
29 (18.4.1869) 16
 
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um seinem erlauchten Consecrator seine Glückwünsche darzubringen. Allgemein bedauertmau, daß der Hochwürdigste Erzbischof von Cincinati, der unsern Bischof vor 25 Jahrenconsecrirte, nicht erschienen war, obwohl er seine Ankunft bereits zugesagt hatte.

Die Festpredigt hielt k. Gareschö auS der Gesellschaft Jesu , dessen glänzendesRednerlalent auch bei dieser Gelegenheit allgemeinen Beifall erhielt. Ich kann nicht um-hin, ein Urtheil anzuführen, das der sonst den Katholiken nicht günstig gestimmteEvening Wisconsin" über diese Predigt brachte.Wenn dies," schreibt daS Protestan-tische Blatt,die so berühmten Jesuiten -Prcdigten sind, nnd wenn durch solche Predigtendie Herzen gewonnen, und die Leute zum Katholicismus bewogen werden, wer sollte sichdarüber wundern? Wenn durch diese Predigten dem Christenthum ein größerer Erfolggesichert wird, als durch unsere Tractate und Bibel-Uebersetzungen, was können wirdagegen sagen?"

Nach vollendetem Pontifical-Amte versammelten sich die Priester und andere geladeneGäste im geräumigen Saale des nahen Waisenhauses, wo durch den opferwilligen Sinuder Kathedral-Gcmeinde ein großartiges Diner bereitet war.

Am Ende desselben gab der hochwürdige General-Vikar Kundig, ein Landsmanudes Hochwürdigstcn Bischofs saus Graubünden in der Schweiz ), eine kurze Skizze derGeschichte unserer Diözese, und sprach von den wunderbaren Segnungen des Himmels,während dieser 25 Jahre. Arm und unbekannt war dieser Oberhirle vor 25 Jahrenin das unansehnliche Dorf Milwaukee eingezogen, und fand dort nichts als eine arm-selige Bretterkirche, dazu noch 400 Dollars Schulden, nnd in der ganzen Diöcese fünf

Priester. Und jetzt haben wir eine blühende Diözese mit 150 Priestern, einer herrlichen

Kathedrale, einem Seminar mit 200 Candidaten des Priesterthnms, und einer ansehnlichenZahl von Ordenshäuscrn, wohlthätigen Anstalten und Schulen. Zum Schlüsse über-reichte der Redner dem Hochwürdigstcn Bischof eine Börse mit 2000 Dollars, eine frei-willige Spende der Priester zur Bestreitung seiner diesjährigen Romreije.

Darauf sprach Dr. Johuson, ein Mitglied der Kathedral-Gemeinde, die Gefühle derLiebe und Ergebenheit der Gemeinde und der ganzen Diözese in treffenden Worten aus.Nachdem noch der Maire der Stadt den verehrten Jubilar der Liebe und Zuneigung derganzen Stadt versichert, und im Namen der Bürger Milwaukees seinen Glückwunschdargebracht hatte, erhob sich Hochdcrsclbe mit Thränen der Rührung in den Augen, unddankte in ergreifenden Worten für diese so rührende Theilnahme. Er sprach auch von

der liebevollen Zuneigung, die ihm von den Andersgläubigen immer zu Theil geworden,

und zeigte der Versammlung ein wunderschönes Kreuz von lebenden Blumen, das ihmeine protestantische Dame zum Jubelfeste gespendet hatte. Die Feier schloß mit einemConcerte, das von den Zöglingen dcö Schulschwestern-Hauscs veranstaltet wurde.

Im Laufe des Nachmittags wurde dem Gefeierten von den ältesten EinwohnernMilwaukees , ohne Unterschied der Confession, eine Adresse überreicht, welche folgendebemcrkcnöwerthe Stellen enthält:Heule au Ihrem Ehrentage erinnern wir uns lebhaftdes Empsanges, der Ihnen vor 25 Jahren zu Theil wurde. Wir freuten uns, daß einDeutscher zu einer so hohen Würde in Ihrer Kirche erhoben worden war, und seinenBischofssitz in Milwaukee nahm. Aber wir bewillkommlen auch in Ihnenden Trägerder Civilisation" nach dem Nordwcsten, den Verehrer von Kunst und Wissenschaft, denLiteraten, der auf dem religiösem Gebiete, sowie auch außerhalb sich ausgezeichnet hatte,und von den» wir viel erwarteten für die Ausbreitung der deutschen Sprache, Kunst undWissenschaft, sowie seine Mitwirkung zur materiellen Entwicklung von Wiskonsin. Unserekühnsten Erwartungen sind weit übertroffen worden. Unsere Stadt, welche damals bloß4000 Einwohner zahlte, enthält jetzt nahe an 100,000, und Wiskonsin ist jetzt ein 'blühender Staat von einer Million Einwohner. Uebcrall sieht man die Spureu undResultate Ihres Wirkens . . . Nehmen Sie daher heute auch unsere herzlichen Wünschefür Ihr ferneres, segensreiches Wirken, sowie zu dem Genuß der Ehren und Würden,