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mit welchen Ihre Kirche Sie in Anerkennung Ihrer außerordentlichen Verdienste bekleidet."
So war dieses Fest ein Freudenfest, nicht bloß für die Katholiken, sondern für die ^gesammte Bürgerschaft von Milwaukee. Auch die nicht katholischen Zeitungen der Stadt !brachten umständliche Berichte über die Festfeier, — und wetteiferten in Ausdrücken derAnerkennung und Bewunderung für den edlen Charakter und das unermüdliche Wirken !unseres Oberhirten. Möge Ihn Gott noch lange Jahre seiner treu ergebenen Diözeseerhalten! Joseph Rainer. ^
Die Kindersterblichkeit in Bayern .
Der Vertrag des Stiftsprobst Dr. v. D ö l l i n g e r in der Reichsraths-Kammer am20. v. M. hat in der Aufführung der statistischen Thatsachen über die große Kinder-sterblichkeit in Bayern für Viele Ueberraschung und Beunruhigung gebracht, und dieseexemplln Thatsachen scheinen vorwurfsvoll für die Staatsregierung und für die Bevöl-kerung. Daß in Bayern große Kinderstcrblichkeit herrscht, ist richtig, diese Thatsache stehtaber nicht allein und unaufgeklärt da, sondern sie hat ihre ebenso statistisch nachweisbarewie physiologisch begründete Erklärung. Die Aufklärung wird gegeben in den excinptentopographischen Verhältnissen Bayerns in Folge seiner Höhelage gegenüber den verglichenenanderen Ländern und Staaten. Die bayerische Hochebene südlich der Donau ist nach derkastilischen Hochebene Spaniens die höchst gelegene und ausgedehnteste Europa's , undMittelfrankcn bildet die höchstgelegene Terasse Deutschlands nördlich der Donau , und dieWasserscheide zwischen Rhein und Donau . Im ärztlichen Jntclligenzblatte, Jahrgang 1860,S. 729, welches im Besitze jedes Bezirksarztes ist, ist eine Zusammenstellung von derSterblichkeit der Kinder im ersten Lebensjahre in Bayern während der 22 Jahre von1835/36 bis mit 1856 57 nach einzelnen Jahrgängen und Kreisen, über 3,310,278lebend geborener Kinder, gegeben. Die Zahl der Todtgeborcnen wechselt nach den Con-fessionen der Bevölkerung vom Einfachen bis zum Dreifachen. Bei katholischer Bevöl-kerung ist die Nothtaufe nach der Beendigung der Geburt zulässig und geschieht deßhalbmeist bei schwierigen Geburten, wenn nach der Meinung der Hebamme das Kind lebt.Wird das Kind todtgeborcn, so wird es, weil getauft, als lebendig geboren registrirt.In Mittelfranken mit einer katholischen Bevölkerung von nur 21 Procent kommen nach25jährigem Durchschnitte auf je 10,000 Geburten 430 Todtgcburten, in Niedcrbaycrnmit 99 Procent katholischer Bevölkerung nur je 166 Todtgeburten. Nach der im ärzt-lichen Jntelligenzblatte mitgetheilten Zusammenstellung sind von den in den 22 Jahren1835/57 in Bayern lebend geborenen 3,310,278 Kindern im ersten Lebensjahr 996,005oder 30 Procent gestorben. Nach einzelnen Regierungs-Bezirken hat sich übereinstimmendfür jedes einzelne Jahr und für jedes der vier Quinquennien die durchschnittliche Sterb-lichkeit berechnet in der Reihenfolge der Häufigkeit in Schwaben 40,2 Procent von hundertLebendgeborenen, in Oberbayern 39,5 Proc., Niedcrbaycrn 34,0 Proc., Oberpfalz 31,6 Proc., Mittelfranken 30,1 Proc., Unterfranken 23,5 Proc., Obcrfranken 21,0 Proc,Pfalz 18,4 Proc. Diese Reihenfolge wurde in keinem der 22 Jahre gestört oder ge-wechselt, und Dieses zeigt auf eine territorial zwingende Ursache. Eine Parallele findetsich nur für diese Unterschiede in den Elevations-Verhältnissen der einzelnen Regierungs-Bezirke je n»ch der Erhebung des Bodens über der Meeresoberfläche. Die einzelnenRegierungs-Bezirke bilden für diese summarische Betrachtung ganz allgemeine Unterschiede,verschieden hohe Terafsen, angezeigt durch den Lauf der Flüsse. Vom Regierungs-Bezirke Schwaben fließen, als von der höchsten Terasse, alle Wasser ab und bespülenhierauf die Regierungs-Bezirke Obcrbayern und Niedcrbaycrn; von der Oberpfalz fließenalle Flüsse ab nach Niedcrbaycrn, von Mittelfrankcn fallen die Wasser ab nach der Donau oder dem Rhein, es ist höher gelegen als die Kreise Ober- und Unterfranken , und diesewieder höher als die Pfalz , wohin die Flüsse Frankens abfließen. Diese Parallele ent«