Die allgemeine» hygienischen Verhältnisse, Wohnung, Nahrung, Kleidung, haben sich indiesen Zeitpcrioden überall gebessert, und die Sonne der Cultur und Civilisation ver-breitet ihr Licht und Wärme auf Arme und Reiche, auf Stadt und Land, hier sind dieUrsachen nicht zu suchen. Wenn nicht eine Minderung der Qualität der Eltern undEhen angenommen werden will, was in dieser Allgemeinheit nicht denkbar ist, wäre eineandere Parallele zu suchen, welche solche Wirkung erklären kann. Es ist Dieses ein-gehender Betrachtung werth zuerst vom statistischen Bureau zur Feststellung der Thatsache ,dann von den Aerzten und Bcrwaltungs - Beamten zur Aufklärung der Ursache. EinWeg zur Verfolgung wurde schon in der Neichsraths-Kammcr angedeutet, der Unterricht,die Qualität und Wirksamkeit der Hebammen. Daneben ist die Abnahme erfahrenerärztlicher Hilfe auf dem Lande in Betracht zu ziehen, wo die Aerzte und Wundärzte immerseltener werden, und die Kindcr-Praxis kaum geübt und gepflegt wird. (Südd. T.)
Zwei Beispiele von Nächstenliebe.
Das „Hildeshcimcr Sonntagsblatt" schreibt: „In der ersten französischen Revo-lution verfolgten zwei republikanische Dragoner Aurain, den Pfarrer von Figrai. Diesererreichte auf der Flucht das Feld und durchschwamm einen kleinen Fluß. Ein Dragonerstürzt ihm nach, sinkt unter und schreit um Hilfe. Der Priester einer Religion, welcheFeindcsliebe lehrt, kann nicht taub bleiben gegen die Stimme eines um Hilfe rufenden !Feindes. Rasch wendet er sich um, wirft sich neuerdings in die Fluthcn und bringt denhalbtodten Soldaten an'S User. Als dieser wieder zu sich gekommen war, erkennt er denPfarrer von Figrai. „Wie!" ruft er aus, „Sie sind es, der mich gerettet hat? Sie,den ich verfolgte, dein ich den Tod geschworen hatte? Man hat uns also hintergangcn,da man uns immer iu die Ohren schrie, die Priester dürsteten nur nach Rache!"
Ja wohl hat man euch hintcrgangen, ihr Leute! j
Wir fügen ein Beispiel bei, das wir anderwärts einmal gelesen haben. ^
In Paris kam ein Mann zum Sterben, und er konnte nicht sterben. Sein Anblick ^
war grauenerregend, denn schrecklich gcbcrdelc er sich, schrie, heulte, zuckte zusammen, — ?
warf sich ächzend auf seinem Lager hin und her. Seine Frau konnte nicht länger Zeugedieser Verzweiflung sein. Sie ging, um einen Priester zu suchen; aber die Priester 'waren gemordet und verjagt, und die nicht gemordet und verjagt waren, die hielten sich !!
verborgen. Aber durch gute Leute erfragte die gcängstigtc Frau doch einen, und dieser !j
ging mit ihr in das Haus des Schreckens. Als er vor dem Kranken stand, kam dieserzu sich. Er konnte seinen Augen nicht trauen, er rieb sie, er stützte die Hände auf das !,Bett und raffte sich mit verzweifelter Kraft auf, und schaute dem Priester in's lächelnde §
Angesicht. Ja, es war ein Priester, er konnte sich nicht täuschen, der Engel der Ver-zweiflung malte ihm kein Schattenbild vor. Kraftlos sank er in die Kiffen zurück und s
stöhnte: „Wie, Sie, ein Priester bei mir? Sie wissen nicht, daß ich einer von den z
September-Mördern bin? Ich habe, o wie viele Priester erschlagen, ich habe ihr Blnt ^
getrunken..." — „Seien Sie froh," sagte der Priester, „daß Sie noch einen übriggelassen haben, der jetzt da ist, um Sie mu Gott zu versöhnen." ^
In Wien gab'S eine großartige Beleuchtung, als Kaiser Franz nach Beendigung !
deS französischen Krieges wieder einzog. Da fand sich an einem geringen Hause ei» s
Transparent, auf welchem ein Franziskaner abgebildet war, über seinem Haupte das !
Wörtkcin: „liebern." Jedermann, auch die kaiserlichen Herrschaften, zerbrach sich denKopf wegen des Sinnes. Da rief ein Schuster-Junge aus der Menge: „Schauen'-!
Doas sagt ja ganz deutli: Ueber'n Franz is' Kaner."
Drnck, Aerlag und Redaction des »lterarischen Justitnt« »on Dr. M. Huttler. )