Nro. 17.
25. April 18'i9.
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Unter dem Mutterherzeu keimt des Kindes Leben, amrm Muttterherzen und aus ihm heraus soll es erblühen.
Mutterherzen eulwickclr es sich.
Die Entsagenden.
(Fortsetzung.)
Der Ton, in dem Angelika diese Worte sprach, rührte den jungen Mann fast biszu Thränen.
„Sei es denn," erwiderte er, „ich will den Kampf aufnehmen mit Leidenschaft und
Pflicht. Wie schwer er mir wird, davon ist diese Stunde Zeuge. Mit festen Vorsätzen,
mit wohlklingenden Phrasen betrat ich diesen Ort, ich dünkte mich ein Titan an Tugendund Entsagungskraft; ach, und jetzt, da ich Dich wieder gesehen, Angelika, da sank ichzum Pygmäen herab, dessen Willenskraft dahin schwankt, wie das herrenlose Boot aufden Wogen des Oceans. Aber wenn jene Stunde kommt, wo der Mensch, der Sterb-liche mit seinen Fehlern und Schwächen in mir erwacht, wo mein Geist — ermattet inseinem ungleichen Kampfe, da versprich nur, daß Du dann mich hören willst, ehe es zuspät ist; daß Du auch dann mein Führer bleiben und entscheiden willst, was ich rhun,was ich lassen soll!"
„O möge dieser Tag, ewig, — ewig fern bleiben!" rief Angelika; „aber sei rS
darum," fuhr sie fort, „wer sagt mir, ob nicht auch für mich früher oder später, ob
nicht auch mein Herz erliegt in diesem unseligen Zwiespalt? Vertrauen und Entsagungheiße fortan unsere Devise; und so lasten Sie uns scheiden."
„Vertrauen und Entsagung!" — wiederholte Rndolph, die dargebotene Rechte deSMädchens erfassend, und sie heftig in der seinen Pressend.
Aber mit rascher Bewegung zog sie Angelika zurück und wies auf das Haus, dasder helle Strahl des Mondes beleuchtete. „Sehen Sie dort!" flüsterte sie, „Angclüa,wacht, großer Gott, wenn sie uns entdeckte!"
Der Baron blickte in der bezeichneten Richtung hin. Ein matter Lichtschein drauqaus tiiem der Fenster, das bis jetzt völlig dunkel gewesen war, er wußte, daß diesesZimmer seiner Braut gehörte.
„Fliehen Sie von diesem Orte," fuhr Angelika fort, „ehe es zu spät, möge Gott mir beistehcn, unbemerkt meine Kammer zu erreichen."
Ein flüchtiger Druck der Hand und die Beiden trennten sich. Angelika sah demjungen Manne nach, bis seine Gestalt im Schatten der Bäume verschwand, — und derletzte Tritt verhallt war. Dann aber löste sich die Miene der Zurückhaltung, die siebisher künstlich zur Schau getragen hatte, und ein Strom heißer Thränen raun wie einerquickender Born über ihre Wangen. Ein einziger Blick zum Stcrnenhimmel kündeteden Schmerz, den diese Stunde über sie gebracht hatte.
Langsam, mit unhvrbarcn Schritten, schlich sie in's Haus zurück. Alles war tiefstille und säst glaubte sie, daß ihre Cousine erwacht sei, sich getäuscht zu haben, als sieAngelika's Zimmerthür sich öffnen und dieselbe — eine Kerze in der Hand — auf demCorridor erscheinen sah.
Ihr Herz klopfte fast hörbar unter dem ernsten, fast vorwurfsvollen Blicke desMädchens, ihr war eS, als ob sie eine Sünde begangen habe, und stumm, keines WortesMächtig, stand sie da.
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