Ausgabe 
29 (25.4.1869) 17
 
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trat.Ich soll Ihnen eine freudige Kunde bringen, beauftragt mich der Oheim. Amnächsten Mittwoch findet Ihre Trauung statt."

Sie hatte diese Worie mühsam zu Ende gebracht, aber jetzt, noch ehe Nudolphder wie ein Trunkener schwankte eine Silbe erwidern konnte, fuhr sie mit lauterStimme fort:

Und jetzt ein fröhliches Licdchen nach dieser traurigen Kunde. Hören Sie doch,Herr Baron, was ich diesen Morgen von der Handlung gesandt erhalten habe. Es istvom Licblings-Componistcn der ganzen Residenz."

(Fortsetzung folgt.)

Humanität Pius des Neunten

Im vergangenen Jahre durchwanderte Papst Pius der Neunte einmal ganz alleindie Zimmer und Säle des VaticanS, um sich, nach dem Gebote seines Arztes, etwasBewegung zu machen, was er, ungünstigen Wetters halber, im Freien nicht ausführenkonnte.

In einem der Säle bemerkte er einen sehr jungen Mann, der in stummer Betrach-tung, oder vielmehr Verzückung, vor einem bewunderungswürdigen Fresko-Gemälde desgöttlichen Raphael," wie ihn seine Landslcute nennen, dastand.

Stillschweigend wollte der Papst vorüberschreiten, um den Kunst-Enthusiasten nichtzu stören; aber dieser hörte dennoch leichtes Geräusch und wandte das Haupt, woraufer sich tief verbeugte, als er den Greis in seinem weißen Gewände vor sich stehen sah,der ihn mit freundlichem und klugem Lächeln betrachtete.

Pins hatte eine Künstlcrseele in dem jungen Menschen errathen, und fragte den-selben wohlwollend:Sind Sie ein Maler, mein Sohn?"

Ja, heiliger Vater, ich möchte wenigstens einer werden."

Wahrscheinlich sind Sie Ihrer Studien halber nach Rom gekommen?"

So ist es, heiliger Vater."

Ohne Zweifel sind Sie ein Schüler der hiesigen Maler-Akademie?"

Ach nein, leider nicht."

So haben Sie irgend einen besondern Lehrer?"

Nein, auch das nicht, ich bin zu arm dazu. Ich muß meine Studien ganz alleinmachen und habe mir Raphael zum Lehrer und Meister auserkoren."

Nun, mein Sohn, es wäre doch vielleicht bester für Sie, wenn Sie in die Akademieeinträten. Thun Sie es so bald als möglich; wenn es Ihnen recht ist, werde ich dieKosten übernehmen."

O, heiliger Vater, wie kann ich "

Still, danken Sie mir nicht."

Aber Eure Heiligkeit misten nicht, daß ich"

Sprechen Sie, mein Sohn, was haben Sie auf dem Herzen?" sagte PiuS gütig.

Ich bin Protestant."

Oh," erwiederte lachend der Papst,was geht das die Akademie an?"

Seit dieser Zeit studirt Georg Johnston auf Kosten des Papstes auf der römischenMaler-Akademie, und gedenkt seinem Gönner alle Ehre zu machen.

(Warum hat PinS IX. seine Primiz in einem Waiscnhause-gefeiert?) Ein junger Geistlicher, erzählt Abbs Dumax in dem interessantenBüchlein:Charakteristische Züge aus dem Leben Pius IX." (Mainz bei Kirchhcim,dritte Auflage), hatte die Ehre, einige Tage nach seiner Ordination zum Priester vomheiligen Vater in besonderer Audienz empfangen zu werden.Mein theuerer Sohn,"