Ausgabe 
29 (30.5.1869) 22
 
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werden, da die Untersuchung seine Unschuld herausstellen werde. Auf das brach RozsaSandor in Thränen aus und antwortete:Ich wünsche mir gar nicht frei zu werden,ich verdiene nicht, daß mich die Sonne bescheint, . . . mögen sie lieber mich au denGalgen hängen."

(Wenn Einer eine Reise thut.) Englische Blätter erzählen nachstehendelustige Geschichte: Vor einem der Londoner Polizcigerichte stand vor einigen Tagen einjunger Franzose, Louis Felix Hardy, welcher zum ersten Male der Hauptstadt desBrittenreiches einen Besuch abstattete, nachdem er wahrscheinlich viel über die dortigeöffentliche Unsicherheit gehört und gelesen hatte. Als er in seinem Hotel zu Bette ge-gangen war, sann er, ohne einschlafen zu können, über seine seltsame Lage nach ganzallein ini fremden Lande, in einem fremden Hotel, das wo möglich an allen Ecken undEnden Fallthüren und Verstecke für kaltblütige Raubmörder biete. Nichtig, sein Arg-wohn war nicht unbegründet; gut, daß er nicht eingeschlafen war, denn an der Thürmachte sich ein sonderbares Geräusch bcmcrklich, gerade als wollte Jemand in seinZimmer einbrechen. Aus dem Bette springen, einen Tisch vor die Thüre schieben, sichankleiden, an der Dachrinne mit äußerster Verzweiflung 15 Fuß hinunterzuklcttern, wardas Werk eines Augenblickes. Hier fand sich Monsieur auf dem Nebcndachc eines an-deren Hauses, auf welches ein erleuchtetes Fenster hinausging. Er klopfte an, da aberdie Insassen, zwei gleich furchtsame Dienstmächen, ihn für einen Dieb halten und lautaufschrieen, setzte er seine gefährliche Reise fort, bis er auf ebener Erde ankam und sichin einer Kehricht-Grube verkroch. Hier fand ihn am nächsten Morgen ein Polizist, wieer bleich und vor Kälte und Furcht zitternd dasaß, und nahm ihn da er ihn füreinen Dieb hielt in Gewahrsam. Dies war die erste Nacht des Franzosen in Lon-don , halb in unsicherer Angst auf weichem Bett, und halb in sicherem Gewahrsam aufharter Pritsche; die zweite Nacht verlief schon angenehmer, da der Irrthum sich vor demRichter bald aufklärte. Das sonderbare Geräusch, welches den jungen Mann zur Ver-zweiflung getrieben, wurde veranlaßt durch die Dicnstmagd dcS Hotels, welche von seinerAnkunft nichts wußte, und vor dem Schlafengehen sehen wollte, ob die Fenster auch allegut verschlossen seien.

AuS neuen statistischen Tabellen geht hervor, daß die eingeborene Bevöl-kerung der am dichtesten bewohnten Theile der Vereinigten Staaten rasch in der Abnahmebegriffen ist. Die Geburtsrate ist geringer, wie selbst in Frankreich . Auf 50 Köpfekommt eine Geburt; in Oesterreich und Preußen schon auf 26 Köpfe. Die Deutschenjedoch in den Vereinigten Staaten haben eine Geburt auf 20 Köpfe, und habe« alsohiedurch, wie durch die mächtige deutsche Auswanderung nach Amerika Aussicht, einst dasüberwiegende Element der Bevölkerung zu bilden.

M l) t? r <; d e.

Ein Kleidungsstück aus alter Zeit,Unförmlich hock, unförmlich breit,

Das um den Hals einst Sitte war,htennt dir mein erstes Siibenpaar.

Mein zweites Paar ist von Metall,

Und im Verkehre überall.

Vor Fälschung hüte dich! Das GanzeDient zur Arznei und wächst als Pflanze.

Druck, Verlag und Redaction des viterarisLen Instituts t>on Dr. M. Huttler.