194
>
in der Welt herumträgt! Sie sagen, das wäre etwas von dem Unkraut das der Teufelunter den Walzen gesäet hätte, Rippach sei ein guter Ort und hätte mit dem HansDampf nichts zu schaffen, vielleicht wär's eine Verwechselung, den Rippach und Dippachliegen bekanntlich nur einen guten Büchsenschuß auseinander oder zwei. Wahr ist: esmuß schon lange her sein daß der Hans Dampf gelebt und geblüht hat, denn in ganzRippach und Dippach kann sich weder jemand seiner Person erinnern, noch ist sein Namein den Kirchenbüchern geschrieben.
Ein gutmüthiger Alter daselbst hat aber einmal zu mir gesagt, die Rippacherdürften die Eyre wenigstens nicht allein für sich haben. Der Hans Dampf hättein der Welt eine wcitausgcbreitetc unzählbare Vcttcrnschaft, und wenn einmal eineraus dieser Freundschaft seinen Narrcnzopf dem vermachte, der desselben am würdigstenwäre, so gäbe das einen selten Prozeß wie die Advokaten noch keinen unter'n Händengehabt.
So ein Zweiglein vom Hans Dampf von Rippach muß vor Alters auch nachDürrcnsee hinuntergekommcn sein und dort Nachkommenschaft hinterlassen haben. Dahaben noch vor zwanzig Jahren ihrer zwei gelebt, die haben vom Blut des Hans Dampfohne Zweifel etwas in sich gehabt, wenn gleich in verschiedenem Maß und wenn sie auchin so enger Freundschaft zu einander gestanden sind wie Hund und Katze. Ob sie nocham Leben sind, darüber kann ich keine Auskunft geben, da ich seitdem nicht wieder'injene Gegend gekommen bin. Auch kann ich ihren früheren Lebenslaus nicht erzählen,denn ich bin gerade zu der Zeit aus der Gegend hinwcggezogcn da sie sich durch dienachfolgende Geschichte berühmt gemacht haben Diese Geschichte selbst aber will ich er-zählen, und nichts verschweigen, sie ist des Gedächtnisses werth für gegenwärtige undzukünftige Zeiten.
Die beiden Leute sind der Habich und der Hättich, ich kann nichts dazu daß sie sogeheißen haben und nicht anders.
*
§
t
Zweites Kapitel.
Enthüll die Personalbeschreibung der Helden dieser Geschichte.
Und zwar zunächst die des Habich. Von dem ist auch mehr zu sagen als vondem Hättich. Mit dem ordinären Maß gemessen, ist allerdings auch seine Abstammungvon dem Hans Dampf von Rippach bei weitem sicherer als die des Hättich. Die Leutein einem Ort über die nicht viel gesprochen wird, sind in der Regel nicht die schlechtesten,und der Hättich war von den stillen einer, nur daß es eben heißt: stille Wasser sindtief. Dom Habich dagegen gab es in Dürrcnsee immer etwas anderes zu erzählen'undnie etwas gescheites.
Der ganz Habich sah vom Kopf bis zu den Füßen merkwürdig närrisch aus, sobaß man Mühe hatte in seiner Nahe ernsthaft zu bleiben, man wußte eigentlich nichtwarum. War's weil Kopf, Hände und Füße zu groß an ihm waren gegen das übrigeGestell? war's weil er zweierlei Augen hatte die noch dazn schief standen, ein grauesund ein grünes? Er legte es übrigens darauf an lächerlich zu erscheinen und hatte sichz. B. ein Brillengestell von Horn machen lassen: auf der rechten Seite war's weiß undauf der linken schwarz, es war eine Kunst ernsthaft zu bleiben, wenn er das Möbel ausder Nase trug.
Sein Kopf ist wie gesagt zu groß gewesen. Ein besonderer Ucberfluß von Gc-scheitigkeit aber war nicht schuld daran. Er hatte in der Schule etwas gelernt, abernicht viel. Nur im Rechnen war er so übel nicht gewesen, und wer weiß wie weit erüber die vier Spezies hinausgekommen wäre, wenn nicht sein Schulmeister selbst in diesenRegionen unrettbar in die Brüche gekommen wäre. Der alte Dürrenseer Schulmeister
0