Ausgabe 
29 (20.6.1869) 25
 
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^ hatte ohne seinenPcschek" (der Mann hat zur Zeit ein berühmtes Rechenbuch geschrieben)

' keine Ncchenstunde halten können, wenn man ihm gleich das Reich Arabien versprochen

hätte.

Zu so einem Kapitalnarren wie sein berühmter Urururgroßvater der Hans Dampfhat es der Habich wohl nicht gebracht. Aber ein O>iginal zu deutsch ein Ausbund vonNarrheit ist er doch gewesen. In einer und derselbe» Person steckte in ihm ein Grobian«st erster Größe und ein, Kriecher zweiter Größe. Stolz und Niedertracht, Dummheit und

t Verschmitztheit, ja sogar Emsigkeit und Lässigkeit vertrugen sich bei ihm mit einander in

einer und derselben Haut. Was nämlich das letztere anlangt, so war keiner hurtiger» als er beim Essen und keiner ging später an seine Arbeit und hatte sie doch eher wieder1 s°tt.

Er hat seine Sache so toll und närrisch angefangen wie sonst einer in der Welt.Er wollte gern im Trockenen sitzen, und ließ doch Regen Schnee und Wind zu denLöchern auf dem Dach herein, denn er war zu bequem statt einer zerbrochenen Ziegeleine neue einzuziehen. Er wollte gern gute Frucht auf seinen Feldern bauen, und dochmachte er große Augen, wenn von dem Aesterich den er ausgestreut, nicht so schöners reicher Same auf seinen Aeckern stand wie auf denen seiner Nachbarn. Seine Kühe

sollten berühmte Milchkühe werden, und doch excrzirte er sie Winter und Sommer aufdie Enthaltsamkeit. Seine Nachbarn sollten gute Freundschaft mit ihm halten, und dochschimpfte er auf ihre Kinder und warf mit Steinen nach ihren Hühnern und jungenGänsen. Er wollte gern gute Pflege haben, und nahm doch keine Frau weil ihm jemandgesagt hatte: wer eine Frau nimmt, hat nnr halb Brod zu essen. Ging er über Feld,

! so war ihm Angst, die Spitzbuben möchten seine Groschen mit sich gehen heißen, und

r doch ließ er dem Geld keine Ruhe in seiner eigenen Tasche. Denn es war von seinen

» schwachen Seiten der allerschwächsten eine, daß er wohl gern Geld einnahm, es aber noch

b lieber ausgab und am allerliebsten für Nichtsnutzigkeiten.

L Warum er Hab ich geheißen hat, das weiß ich eigentlich nicht zu sagen. Die

s Dürrensecr sagten, man sollt' ihn lieber den Wüßtrch heißen. Denn das war sein

j Hehler: er wußte nicht wie viel er hatte. Er hatte von seinem Vater freilich nur ein

' klein Gütlein überkommen und brav Schulden auch dazu. Auf ein Paar Kühe hatte er

>' zu bauen, mehr nicht, und unter den einund wanzig Grundstücken bei denen im Flurbuch

! sein Name stand, waren nicht wenige Krautgürten und Wiesenstückchcn von so geringem

! Umfang, daß sie einer bei Nacht mit etlichen Paar Pferden hätte über alle Berge fahren

i können. Aber es war dabei auch größeres Feld: das größte nannte er scherzweisedas

l Rittergut" und in ganz Dürrcnsce hieß es darum nicht anders; darauf hätte er sein

- Brod gebaut und eine Frau und Kinder davon auch ernähren können, wenn er nurnicht zu faul und zu liederlich gewesen wäre. Es ist eben ein alter Schaden daß somanch Bäucrlcin nicht glauben will was für Reichthümer in seinem Boden stecken, wenner sie nnr heben möchte; wenn jeder Habich in der Welt auch ein Wüßlich wäre, sosollten bald ein Paartausend Armen- und Narrenhäuser entbehrlich werden.

Der Habich in Dürrcnsce hätte eigentlich einen guten Lehrmeister abgegeben, fürdie Kunst nämlich wie man kein Geld übrig hat und doch immer welches zum Fensterhinauswirft. Hatte er einmal Geld gelöst, so juckte cS ihn dermaßen in der Taschedaß es noch ein Wunder war wenn er einen rothen Heller davon brachte. Und er hattes ein seltsames Scheine sein Geld zu einfältigen Streichen zu verwenden über die man

x lachen mußte, weiter nichts. Einmal hat er auf dem Wciscnstadtcr Jahrmarkt ein Dutzend

E Rostbratwürste gelaust, eine davon gegessen und die andern unter die Gassenbpbcn auS-

! geworfen, es war ihm ein Hauptspaß, wie sich die darum so lange rissen und prügelte«,

i bis endlich die Hundcpolizei das meiste confiSzirt hatte. Ein andermal hatte der Wirth

> in Dürrcnsce geschlachtet, da wettete er, er wolle in fünf Minuten mit sechs Bratwürsten

' und drei Semmeln fertig sein, und der Herbsladtcr Schulz der ihm das nicht glaube»