Ausgabe 
29 (20.6.1869) 25
 
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unbrauchbar scin als er will von einem Erdbeben zusammenfallt Ein Lied welche»leider in vielen Dörfern zu singen ist, es geht aber nach einer kläglichen Melodie. ImRechnen also war der Hältich kein Hexenmeister, die undankbare Welt hat ihn weder zumPräsidenten einer Ncchnungskammer noch zum Finanzministcr gemacht. Wenn er rechnenwollte, so ging's nicht ohne Ziffern, und mit den gewöhnlichen wusste er nichts auzu-fangen, er mußte römische dazu nehmen, kein Mensch hat herausgcbrachi warum es ihmda leichter von der Hand ging. Wollte er Geld zählen, so brauchte er seine Frau dazu.Ueber nichts konnte er sich mehr ärgern als daß es preußische Thaler gibt. Denn erkonnte es nicht merken, ob vier Thaler sieben Gulden oder sieben Gulden vier Thaleroder gar vier Gulden sieben Thaler ausmachen. Daß man auf vier Kronthalcr zwölfKreuzer zählen muß wenn ein Karolin daraus werden soll, und nicht vier Kreuzerauf zwölf Kronthalcr, das hatte er bei langer Uebung endlich begriffen. Seine Frauaber war in allen Angelegenheiten, zu welchen Kopf, Papier Tinte und Feder gehörenseine rechte Hand, daher es ihm nie geheuer Aar wenn er ohne sie im Haus seinmußte.

Aber wer kann die Tiefen der menschlichen Natur ermessen. Auch, im Hüttich warenWidersprüche die nur mühselig zusammenzureimen sind. So ein schlechter Rechenmeisterer gewesen, so viel Freude hatte er am Rechnen. Besonders solche Exempel warenseine Liebhaberei, bei denen viel herauskam. Eigentlich war der ganze Mensch ein lebendigesRechcnexcmpcl; er mochte gehen und stehen wo er wollte, da ging der Gedanke mit ihmwie er doch am schnellsten zunehmen und der reichste Mann in Dürrensec werden möchte.In dem Stück paßte er denn auch herrlich zu seiner Frau, denn in ganz Dürrenscekonnte kein Mensch sagen, ob er das Scharren und sie das Geizen besser verstünde, odersie besser das Scharren und er das Geizen Davon wußten z. B. ihre Hauslcutc zu er-zählen die von ihren zwei Häusern das untere als Mierhtsleutc bewohnten. DaS Hausbedurfte der Reparatur innen und außen, unten und oben, vorn und hinten und eswar eigentlich schon eine Kunst über die zerfallene Treppe ohne Beinbruch bis zur Hausthürzu gelangen, eine »och größere Kunst freilich, ohne HimmelScinstur; inwendig einen Tagauszukommen. Gleichwohl wurden die Reparaturen von einem Jahr zum andern aufge-schoben. Wollte der Hüttich einen neuen Schlot bauen lassen, so meinte die Hättichinsie wollten lieber über's Jahr den Fußboden neu dielen lassen; und wollte der Schreinerdiese Arbeit bald anfangen, so hatte sich auf einmal ein Liebhaber zu den Bretterngefunden, so daß wohl noch heute Alles beim Alken geblieben sein wird.

Bei dieser Einrichtung kamen die beiden Leute nun mit ihrem Vermögen freilichvorwärts. Es war nur schade daß es nicht lieber per Dampf ging. Der Hättich hattedarüber so seine Gedanken. Z. B. meinte er, wenn er einen steinreichen Vetter in Ost-indien oder Amerika hätte, und mit dem reichen Vetter käm's nun zum Sterben, da würdeder Hättich in Dürrensec freilich auf einmal besser vom Fleck kommen als er's mit allerArbeit Entbehrung und Vorsicht in fünfzig Jahren zwingen könnte.

Diese schwache Seite des Hättich nun seines Freundes und besonderen Gönners,kannte der Habich und von dieser Seite aus gedachte er ihm längst bciznkommcn, erwußte nur nicht wie, und die Gelegenheit wollte sich nicht finden. Endlich aber ist'«gewesen wie wenn ein Spinnlcin im Fenstereck auf kleine -^liegen lauert und aus einmaleine große Mücke in ihrem Netz hängen bleibt. Der tölpische Gast ist mit Fäden um-sponnen ehe er nur weiß wie er daran ist, und das Spinnlcin denkt: dn bist mir justrecht zum Abcndbrod.

(Fortsetzung folgt.)