Ausgabe 
29 (27.6.1869) 26
 
Einzelbild herunterladen

206

> 4

l

kr übergab ihr die erwähnten tausend Gulden.Jetzt kannst Dn hcirathen! ArmesMädchen, Du wartest schon lange darauf! Und auch für Dich, Jsserl, habe ich waöeingekauft, und für Dich, klkele, treue Freundin, und für Euch Alle, Ihr tteinenSpitzbuben, die Ihr mich gehöhnt." Und er beschenkte uns Alle.

Drei Tage wäre» verflossen, da hüllte sich Kalme Schmclke in seinen neuen Wolfs-pelz und ging, das heiß ersehnte Paraplui unter dem Arme, nach dem Lotto-Amte, umsein vieles Geld zu holen. Doch. welche Enttäuschung harrte dort seiner. Der Beamteerklärte ihm rundweg, daß das Gericht auf die gewonnene Summe Beschlag gelegt under unter Kuratel gesetzt sei.

Warum das?" fragte Kalme Schmclke wie vom Blitz getroffen.

Der Beamte zögerte mit der Antwort.

Weil ich ein Narr bin?" fuhr Kalme Schmclke fort.

Der Beamte nickte bejahend.

Jetzt wurde Kalme Schmclke rasend, er rief auS:Ich ein Narr? Durch meinGewinnen habe ich aller Welt bewiesen, daß ich nicht verrückt bin. Warum bin ich einNarr? Ich habe bewiesen, daß meine Träume in Erfüllung gingen. Wen habe ichjemals beleidigt? Wen habe ich gekränkt? Wem bin ich zur Last gefallen? MeineSchwester ist reich, habe ich sie angebettelt? Bin ich ihr nicht jedes Mal aus dem Wegegegangen, wenn ich ihr begegnete, weil ich fürchtete, daß sie sich meiner schäme? ThutdaS ein Narr? Das hast Du mir gethan, Schwester Röcheln, Dein Mann, der Nosch-hakol (Bürgermeister) ist groß und mächtig in der Gemeinde, der Obcramtmann, derJustitiär und der Amtsschreiber sind Purim (Fasching) bei ihm geladen. Dein Mannkann Alles, waS er will. Ich muß schweigen, darf mich nicht auflehnen, sonst sperrtman mich ein."

All' sein Toben half nichts, Kälme Schmclke wurde unter Sequestration gestellt.Er blieb als Pensionär bei Jsserl, erhielt einen neuen Nock, eine Sammtmütze undwöchentlich einige Kreuzer für Schnupftabak und andere kleine Bedürfnisse.

Die Schenkung au Breindl wurde nicht angefochten.

Der Frohsinn war für immer von ihm gewichen, er rechnete nicht mehr, scherzte»icht »lehr mit den Kindern, spazierte nicht mehr in den Straßen umher, saß Stundenlang vor sich im Zimmer, ohne ein Wort zu sprechen, selbst sein Liebling Breindl konnteden Geist der Schwcrmulh nicht von ihm bannen.

»Laß mich gehen," sagte er öfters dem um ihn bekümmerten Mädchen.Mir istnicht zu helfen, Deinen Hochzeitstag will ich noch erleben, dann gehe ich gerne zu denBätern ein. Weine nicht, süßeS Kind, wir müssen Alle dorthin!"

Und so war eS in der That. Das Mark seines Lebens war verdorrt, er welktehin wie der Baum, dem man jedes Naß entzogen. Breindl's Hochzeit wurde gefeiert.Das alte Ehepaar Jsserl Mclamcd und Elkele, Scholethsetzcrin, tanzten.

In einem Winkel saß der arme Kalme Schmclke. Freude röthete seine sonst fahlenWangen, und Wirte des Segens entströmten seinen matten Lippen. Die eben getrauteFrau Breindl naht sich ihm, drückt die kalte Hand des bewährten Freundes und versuchteihn durch Worte des Trostes zu erheitern.Mir ist ja heute, jetzt sehr wohl, Du bistunter die Haube gekommen, wirst ein braves, treues Weib werden, was will ich niehr?Gelobt und gepriesen sei Jehova! Jetzt aber geh' und laß mich allein."

Die Hochzeitsgäste hatten sich entfernn, und noch saß an der nämlichen Stelle KalmeSchmclke; man mahnte ihn, seine Lagerstätte aufzusuchen und sich zur Ruhe zu begeben.Man weckte ihn vergebens. Unter den Hochzcitsklängcn hatte die gute Seele ausgehaucht.Diese Hochzeit wollte er erleben, er erlebte sie und starb unbeachtet und nur beweintv»u der treuen Familie Jsserl Mclamcd s.