Ausgabe 
29 (27.6.1869) 26
 
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* In Regentstrcet, London , ist gegenwärtig eine höchst kuriose Ausstellung z«sehe». In einem geschmackvoll dccorirten Zimmer zeigt ein junger Engländer einenMarstall darstellender Flöhe, oder wie er sich in seinen Annoncen ausdrücktabgerichteterApterouS Insekten." Viele Mühe, Zeit und Ausdauer muß eS dem Aussteller gekostethaben, die Darstellungen dieser Thierchen zu der Vollkommenheit zu bringen, die siegegenwärtig an den Tag legen. Die Insekten ziehen Wagen, nehmen Schiffe in'SSchlepptau, feuern eine Kanone ab, produciren sich auf dem Seil, springen, tanzenund führen auf einem weißen glatten Tische verschiedene andere Evolutionen aus. DasWunder der Ausstellung liegt aber weniger in dem Genie der Flöhe, als in der b«-wundernswerthen Construction und Nettigkeit der ganzen Maschinerie. Nach Jahrelanger, mühevoller Arbeit hat der Besitzer der Floh-Menagerie nach eigenen Ideen undmit eigener Hand eine Anzahl von Liliput-Artikeln zu seinen Darstellungen fabricirt, diejedem Zuschauer ei» »»geheucheltes Erstaunen abnöthigen. Während der Productione»seiner Jnsektchen gibt der Aussteller seinen Besuchern höchst belehrende Auskunft überdiesen speciellen Zweig der Naturgeschichte. Dieenglischen Flöhe" bezeichnet er als diegelehrigste» Schüler, obwohl die russischen, belgischen und deutschen ihnen an Talent undGelehrigkeit nicht viel nachstehen sollen. Einige derliliputanischcn Darsteller" wurdenalssehr alte Herren" bezeichnet, sie zählten der Monate nenn, und waren nun, denNaturgesetzen zufolge, dem Ende ihrer Tage nahe. Drei oder vier Monate gilt bei denFlöhen als ein sehr schönes Alter. Mit rührender Zuneigung und als Äcquivalentdafür, daß die Productionen der Flöhe seine» Lebensunterhalt ausmachen, gestattet derManager" seinen Acteurs von seinem eigenen Blute zu leben. Nach beendeter Dar-stellung versammelt sich die kleine Hecrde auf der Rückseite seiner Hand zum Dinerund dann wird die ganze Schaar, nachdem zuvor jeder Floh vorsichtig zwischen zweiMiniaturdecken gelegt worden, in eine Schachtel placirt, wo sie nach gethaner Arbeitsicher schlummert und keinen Schaden anrichtet. Der ungezähmte Vorrath au Flöhen2 bis 300 wird in einer mit Wolle angefüllten, wohl verstopften Flasche aufbewahrt.

Aus Anlaß der Erwähnung einer seltenen Uhr in Nro. 24 desSonntagSbl.",die in Frankreich gefertigt worden, und alle seitherigen Leistungen derUhrmacherkunst"übertreffen soll, wird zur Ehre der deutschen Uhrmacherkunst darauf aufmerksam gemacht,daß sich i» Kloster Ebrach ein deutsches Kunstwerk befindet, welches jenem französischen würdig zur Seite gestellt werden dürfte. Es ist dies eine von Johann Christian Schustergefertigte astronomische Uhr, welche eine Erd- und eine Himmelskugel in Bewegung setzt.Dieselbe zeigt außer dem Gewöhnlichen die Wochentage, Monate, den Datum, denMondwechsel, Sonne- und Mondslauf in ihrem gehörigen Auf- und Untergang, des-gleichen das Eintreten der Zeichen des Thicrkreiscs, und dadurch die Jahreszeiten undalle vier Jahre den Schalttag, den Stand der Sonne, Mond und Gestirne zur Erde injeder Stunde des Tages und der Nacht, desgleichen die Stunde, welche jedes Land derErde hat, wann in jedem die Sonne auf- und untergeht u. s. w. Dabei ist das ganzeUhrwerk auffallend einfach, und leistet Alles mit erstaunlichwenig Räderwerk." DieUhr wird alle acht Tage aufgezogen. Was die Größe betrifft, so nimmt sie den Raumauf einem Pfeilertische oder einer Commode in Anspruch. Wer sich für dieses Kunstwerkintcrcssirt, dem wird solches zu jeder Zeit Herr Daniel Barcnöfeld in Kloster Ebrach mit Vergnügen vorzeigen.

(Der schöne Titel.) Du, Frau,, jetzt han i au an Titel, den i scho langg'möcht hält'. Der Herr Landrichter h«t g'sagt, i wär' an Damnifikat. Wie moinst,daß sich'- «nsnimmt, wenn i mi jetzt nnterschreib: Hesekicl Schäufcrle, Damnifikat?!

Druck, Verlag und Redaction des Literarischen Instituts von l)r. M. Huttler.