Ausgabe 
29 (4.7.1869) 27
 
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mit den Hypothekenschulden sollte gehalten werden, die auf dem Grundbesitz hafteten.

Und da sagt denn der Habich, die Schulden that' er vom Kaufgeld bezahlen, und dieNotariats - Gebühren auch, nur sechs Batzen Trinkgeld wollt' er sich ausmachen. Dasaber kann der Hättich wieder nicht begreifen. Es ruhten doch mehr als 1500 fl. Schuldauf dem Habich scheu Grundbesitz, da mußten ja die Gläubiger zu kurz kommen; oder

der Habich trieb eben doch in der ganzen Sache seinen Spott mit ihm. Jetzt fällt

ihm aber wieder ein, was der Schreiber gesagt hat, und der Fremde hat ja auch gemeint,die Sache wär' an sich so übel nicht.

Also, noch ist Poleu nicht verloren, auf die sechs Batzen Trinkgeld sollt's ihm auch

nicht ankommen, wer nichts wagt, gewinnt nichts. So erklärt denn der Hättich dem

Habich, er wäre ein Liebhaber zu seinen Gütern auf die gestellten Verkaufsbedingungen,und wenn's ihm just gelegen wär', so könnte die Sache ja sogleich richtig gemachtwerden beim Herrn Notar . Der Herr Notar aber wohnte dazumal dem halben Mondin Weisenstadt schräg gegenüber (jetzt hat er sich ein eigenes Haus gebaut vor'm Herb-stadter Thor), rauchte so eben aus seinem braunen Meerschaumkopf zum Fenster hinausund hatte sonach Zeit, einem Täublein für schweres Geld auf Verlangen die Federnrupfen zu helfen.

Es dauert nunmehr nicht lange, so haben die zwei ihre Zeche bezahlt beim Mond-wirth, oder vielmehr der Hättich hat bezahlt für sich und den Habich denn in soeinem Fall muß doch auch ein Hättich sich als Mann von Geld ausweisen, die sechsBatzen Trinkgeld sind auch berichtigt, und wieder ein Paar Minuten später stehen sieschon in des Notars Geschäftszimmer. Was beliebt? Die Antwort wollte eigent-lich der Hättich geben, er brachte die Sache aber nicht recht zusammen, und der Habichmußte ihm den Vortrag abnehmen.

Da wußte jetzt der Hättich eigentlich wieder nicht, wie er daran war, war er ver-rathen oder verkauft? Was kommt denn dem Notar in den Kopf, daß er sich, wie derHabich eben erst ein wenig in den Zug kommt, herumdreht, durch'S Fenster in denGarten hinunter sieht, nachher sich sein Schnupftuch vor den Mund hält und wie ver-sessen darauf herumbcißt? Was hat das zu bedeuten? Warum lach: der Mann sograusam? Findet er den Handel so spaßig und denkt: einer von euch Beiden ist einEsel, ich sag's aber nicht welcher? Und der Habich hat doch seine schwarz-weiße Brillenicht aufgesetzt!

Es ist aber nicht lange Zeit, sich darüber zu besinnen. Denn der Herr Notar hatsich allmählig doch beruhigt, seinen Schnauzbart g.'strichen und thut bereits allerlei Fragenan den Verkäufer wie an den Käufer, um den geschäftlichen Abschluß der Sache vorzu-bereiten. Und wie das fertig ist, streicht er seinen Schnauzbart wieder, kritzelt dann ersteine Weile auf einem Papicrfetzen herum, sieht bald den Habich, bald den Hättich anmit einem Gesicht, wie der Hättich noch keines gesehen hat, und darauf wird denn dasProtokoll ausgesetzt, der Herr Notar diktirt es bloß, der Schreiber muß es auf einengroßen Papierbogen schreiben. Jetzt wird die Niederschrift vorgelesen, von beiden Seitenunterzeichnet, endlich auch noch das große NotariatSsiegel aufgedrückt, als Zeichen, daßder Handel rcchtsgiltig vollzogen ist, der Staat selbst im Namen des RechtsJa" dazugesagt hat. Auf besonderes Ansuchen des Käufers wird auch sogleich eine Abschrift zuseinem Gebrauch angefertigt, er setzt sich während dessen auf einem Siuhl nieder, willdoch sein Glück schwarz auf weiß am Abend nach Dürrensee hinaustragen. Die Kosten-Bercchuung soll später nachfolgen; denn der Verkäufer hat wie bemerkt, neben denSchulden, auch die gerichtlichen Kosten aus sich genommen.

Nun, im Protokoll hat's doch gestanden, wie hoch sich die Kaufsumme belaufenhat? Nein, und das war eben das Merkwürdigste an der ganzen Geschichte. Dennder Habich wußte, wie er daran war, für ihn brauchte der mündlich abgeschlossene Handelnur einer vorsichtigen schriftlichen Abfassung. Der Hättich aber schwieg, weil er die