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Sache durch die Berechnung rückgängig zu machen fürchtete. Der Notar endlich sah auSdem seltsamen Handel einen lustigen Prozeß erwachsen und schwieg gleichfalls.
Und jetzt macht denn der Hättich schnell seine übrigen Besorgungen ab, nimmtseiner Frau ein Paar Wiener Würstchen mit vom halben Mond, daß sie sich, nachdemder Mann so gute Geschäfte gemacht, auch einmal etwas zu gut thun kaun, und schnellenSchritts gcht's nach Dürrensce zu. Es ist ein heißer Abend, — aber was fragt so eintapferer „Käufer" nach Hitze oder Kälte. Er kommt sich ja doch vor, wie der Hase imKohlgarten. Was für einen frohen Abend wird's bei seiner Heimkunft geben, — seineFrau wird aus lauter Freude Pfannkuchen backen, wer wollte nicht so seltenen Glückesfroh werden!
Schon ist der Hättich droben auf der Höhe, — wo der Wegweiser nach Bcrnheim,Ober- und Untcrauernheim steht, da raffelt etwas hinter ihm her. Es muß eine Extra-Post sein, denn der Postillon vorndraus bläst das Lied:
Mein Schatz, was fehlet dir,
Daß du nicht gehst mit mir?
Wie aber das Geschirr näher kommt und der Hättich voll Ehrfurcht bei Seite trittund so eben seinen Hut vor dem vornehmen Herrn in der Extrapost abnehmen will, —o Wunder, da glotzt der Habich heraus, und macht dem Hättich eine lange Nase, hqtauch seine zwiefarbige Brille aufgesetzt. Was da der Hättich für Augen gemacht, un!^wie er den Habich im Herzen verachtet hat! Erst Hab' und Gut verschleudert, nachhernoch mit Extrapost von Wcisenstadt nach Dürrensce gefahren, und Gesichter dazu ge-schnitten! — Die Dürrensecr aber fahren mit den Köpfen zu Fenstern und Thürenheraus und wissen nicht, was der Habich' mit der Extrapost zu bedeuten haben soll. —Er fährt übrigens durch's Dorf ganz langsam, so daß der Hättich hinterher gehen muß.Denn so muß es Einem gehen, der durchaus auf der Extrapost in den Reichthum hinein-kutschiren will: die Extrapost fährt vor ihm her und er ist am Ende noch froh, wenn ernicht auf der Straße liegen bleibt. Hättich, wie wird dieser Tag endigen!
(Fortsetzung folgt.)
Der Svessartwald.
Jeden Freund des Waldes muß es mit Freuden erfüllen, wenn er hört, daß beider leider immer mehr um sich greifenden Zerstörung der Wälder, es im deutschen Vater-land noch Forste gibt, die mustergiltig sind. Ein solcher ist der „Speffart," von demin einem Bericht über den Aschaffenburgcr Forstvereinstag folgendes zu lesen ist: „DerSpeffart oder Speßhardt, im Nibelungenliede Spechteshardt, Spcchtswald (silvn picsria)genannt, voreinst zum Saume des hercynischen Waldes gehörig, und nach der Geographiedes Mittelalters bis an den Steiger- und Thüringerwald , ja, bis zu den böhmischenWäldern sich erstreckend, füllt in seiner heutigen Ausdehnung nur den südlich gewandtenBogen des MainS, von Gemeinden über Millenberg nach Aschaffenburg und Hanau . —Seine nördlichen Ausläufer werden von der Einzig, die nordöstlichen von der Sinn be-grenzt. Der Speffart im engeren Begriff, dessen Höhe in der Hauptwafferscheide unge-fähr 1500 Fuß über der Nordsee beträgt, in einzelnen Gipfeln aber 1800 bis 1900 Fußerreicht, ist von ununterbrochenen Forsten bedeckt, die ein Areal von etwa 165,000 bahr.Tagwerk oder 218,000 Preußischen Morgen (über 20 Quadratmcilcn) einnehmen. Esist begreiflich, daß, wo an hoch und günstig gelegenen Stellen, die Gelegenheit zu einerFernsicht nach allen Züchtungen weit hinaus über die Rücken und Kuppen des Berg-landes und in seine tief eingefchnitteuen Thäler geboten ist, das Auge überall buchstäblichnichts wie Himmel und Wald erblickt. Aber weit mehr noch wie diese enorme Aus-dehnung ist die Beschaffenheit des WaldcS einzig in ihrer Art, und diese Beschaffenheitist es, welche, sowohl nach dem Urtheile der Fachmänner wie der Laien, den „Speffart"