Ausgabe 
29 (4.7.1869) 27
 
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zur Krone aller deutschen Waldungen macht. Wenn auch in Bezug auf räumliche Aus-dehnung die Buchcnbestände im Spefsart weitaus vorherrschen, so bleibt es doch die Eiche,die ihm den höchsten Ruhm erwirbt. Nirgendwo sieht man diese Königin der Wälderin solcher Pracht, wie hier; - kerzengerade Stämme, deren Schaft in der Höhe von80 bis 100 Fuß, im beschlagenen Zustande noch einen Durchmesser von 1>/i Fuß ergibt,ragen nicht etwa hier und da, sondern wie ein dichter Wald von Säulen auf. Manwird nicht müde, sie zu bewundern. Noch vor fünfzig Jahren gab es nicht wenig Stellenim Spefsart, welche den Charakter dcS Urwaldes trugen. Große Massen von Eichenholzverfaulten unbenützt. Selbst heute noch fällt manche Eiche dem Verfaulen anheim, ob-wohl im Ausbaue von Abfuhrwegen in den letzten Jahrzehnten überaus viel geschehenist, um die Nutzbarmachung alles Holzes zu ermöglichen. Die in der Zeit von 1850bis 1861 in den Staatswaldungen des Spefsart ausgeführten Wcgebauten erstrecken sichbis aus nahezu 40,000 Ruthen, also auf 20 Meilen. Von dem gesammten Wald-Arealdes Spefsart gehören dem Staate 106,443 Tagwerk, den Gemeinden, Stiftungen undsonstigen Corporativnen 10,515, den Standes - und Gutsherren und anderen Privaten47,629 Tagwerk. Was die Bestände anbelangt, so gibt es gemischte Eichen- und Buchen-Bestände, reine Eichenbeständc, reine Buchenbestände und Nadelholzbestände. Im Innerndes WaldeS sind es zumal die Laubholzbeständc, welche in Erstaunen setzen, ganze Ab-theilungen von 120- bis 140jährigen Buchen, untermischt mit 300- bis 400jährigenEichen, letztere mit einer Schafthöhe von 80 bis 100 Fuß. Derartige Bestände enthaltenpro Tagwerk einen Holzvorrath von mehr als 120 Klaftern. Der Eindruck, welchenman beim Durchstreifen des Spefsart empfängt, ist um so mächtiger, als man halbe Tagewandern kann, ohne eine Ortschaft oder auch nur ein einziges Haus zu erblicken. Nurin den Thälern finden sich spärliche Ansiedlungen. , Die Bevölkerung lebt nur vom Walde vom Holzfällen, Holzzurichten, Holztransport, Kohlenbrennen und Taglöhnerarbeitenbei Forstculturcn und Wcgebantcn. Daß die Forstwirthe auf ihrer Tour oft genug inBewunderung ausbrachen, bedarf keiner Erwähnung. Neben dem großen, herrlichenWalde erregte auch der königliche Wildpark viel Interesse; er umfaßte eine Fläche vonetwa 22,000 preußischen Morgen, und enthält Nothwild und Sauen. Außerhalb desParkes ist der Wildstand, wozu auch der Auerhahn gehört, nicht von großer Bedeutung."

Miseellen.

(Ein heiteres Testament.) Die Kunstgeschichte kennt einen Katzen-Nafael, alsGegenstück dazu hat die Weltgeschichte jetzt einen Katzen-Peabody auszuweisen. In Colum-bus (Ohio ) ist ein vermögender Mann gestorben, welcher seine nächsten Verwandtendadurch an der Nase herumführte, daß er sie sämmtlich enterbte, und seine Hinterlassen-schaft in aller Form Rechtens zur Errichtung eines Asyls für siranke und altersschwacheKatzen bestimmte. Das Columbus-Journal liefert eine genaue Beschreibung des Planes,wie er im Testamente ausgcführlich vorgesehen ist. Dieselbe läßt die aufrichtige Freund-schaft des Erblassers für das Katzengeschlecht und das tiefe Eindringen in dessen Naturnur ahnen, nicht begreifen. So umfaßt der Plan, welcher, von kunstgeübter Handgezeichnet, dem Testamente beiliegt, geräumige Höfe für den süßen Verkehr, der demliebesbedürftigcn Katzenherzcn unentbehrlich ist, sowie auch künstliche Rattenlöcher, welchebeständig mit Rattenkönigen uud Unterthanen zu bevölkern sind. Damit aber das bie-dere Katzcnvölkchen das Waidwerk nicht bald satt bekommt, sind den Ratten durch diegeistreichsten Vorkehrungen zahlreiche Gelegenheiten zum Entschlüpfen geboten, so daß dasVergnügen des Pürschganges nicht gestört wird. Hohe Mauern mit sanft absteigendenDächern sollen gebaut werden für die Mondschein-Promenaden und die anderen nächt-lichen Lustbarkeiten, wie Concerte, Liebes-Abenteur u. dgl. Daß das Katzen-Elysium in