Ausgabe 
29 (11.7.1869) 28
 
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Nro. 28.

11. Juli 1869.

Der Mensch ist nie so schön, als wenn er Verzeihung erbittet oder selbst verzeiht.

Jean Paul .

Der Habich und der Hätlich als Geschäftsfreunde.

Viertes Kapitel.

Gan) Dürrensce rechnet, über die Sumine aber muß einer aus dem Heuboden

übernachten.

Die Sonne ist eben untergegangen, als die Beiden in Dürrensce anlangen, einerzu Fuß, der andere mit Extrapost. Bald geht's wie ein Lauffeuer von Mund zuMund: der Habich hat seine Feldgüter an den Hättich verkauft, auf die und die Art,der Hättich aber weiß es noch nicht einmal, wie viel die Kaufsunime beträgt! Trom-peten, Pauken und Schubladen, was macht das nun für Aufsehen im ganzen Ort!>Ganz Dürrensce wird rebellisch, kein Mann kann zu Haus bleiben. Alles läuft in'sWirthshaus, die Weiber machen sich eine Ursach, um mit der Nachbarin anzubinden, dieMägde bleiben dicßmal noch länger als gewöhnlich am Brunnen, selbst die Kühe imStall stecken die Köpfe zusammen, und die Katzen vergessen die Mäuscjagd.

Im Wirthshaus aber bilden sich nun auch sogleich verschiedene Parteien. Die einenzanken über den Habich: solch' einen dummen Streich hätte dieunnütze Gräte" dochnoch nicht gemacht, jetzt könnt' es ein Blinder sehen, daß der ohne Vormund in derWelt nicht gut thäte; um ein Paar lumpige Gulden, denn mehr könnte doch nichtherauskommen, seine sämmtlichen Besitzungen an den hungrigen Hättich zu verkaufenund das Rittergut noch drcinzugeben! Es wäre keine Gerechtigkeit im Land, wenn derHabich nicht fünfundzwanzig baar aufgezählt bekäme und am besten wär' er auf Lebens-zeit im Korrektionshaus aufgehoben! Andere sagten: Hört, ihr Nachbarn, das Dinghat euch einen Haken, der Habich versteht sich aus's Rechnen bester, als wir Alle, undseit ein Paar Wochen schon hat er ein Gesicht gemacht, wie der Fuchs, wenn der Jäger's Fangeisen am Bein hat! Der Hätlich hat sich gewiß auf eine Art anführen lassen,dem Habich ist Alles zuzutrauen. Und auf seine eigenen Kosten hat er sich mit Extra-Post gewiß nicht nach Haus fahren lasten. Die Meisten freilich wußten nicht, was siesagen sollten, sie saßen da wie Leute, die eine Suppe auScsten sollen, und haben dochkeinen Löffel dazu. Etliche aber forderten vom Wirth Kreide, das Ding müßte sich jadoch ausrechnen lassen!

Während sie nun da auf der langen Wirthstafel rechnen und rechnen, sind nochlange nicht beim zwanzigsten Grundstück angelangt, und haben doch schon mehr als tau-send Gulden, und es geht ihnen ein Licht auf, wo es mit der Summe noch hinaus will,der Wirth aber ist gescheiter, als die Rechner, und schreit unter sie hinein, sie verstündendas Rechnen nicht, solche Summe könnt' unmöglich zutreffen! Während besten hatder Hättich nun seiner Frau Eröffnungen über seine heutigen Unternehmungen und Er-folge gemacht. Und zwar mit nicht geringen Hoffnungen und Erwartungen. Er hatnicht gezweifelt, seine Frau Eheliebste wird ihm mit Thränen der Rührung um denHals fallen und wird zu den Kindern sagen: Da Kinder, da seht eucrn Vater undWohlthäter vor euch, dem küßt die Hand, dem habt ihr's zu danken, daß einmal Jedes