Ausgabe 
29 (11.7.1869) 28
 
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rinter euch eine reichliche Versorgung haben wird. Die Frau aber hat zu den Kindern .gar nichts gesagt, und die Kinder haben ganz dumm da gestanden, als wollten siesagen: ein Linsengericht jetzt wär' uns lieber, als alle zukünftigen Weltvcrbesserungen.Dagegen sind der Frau über dem Handel mit dem Habich alle Haare zu Berg gestan-den, sie ist bald roth geworden, wie ein gesottener Krebs, bald wieder blaß, wie eine s

getünchte Wand, und ein Gesicht hat sie gemacht, als ob sie am liebste» den Habich !

beim Kragen nehmen und den Hättich mit dem Habich durchprügeln möchte. Endlich hat ^

sie dann auch Worte der Anerkennung gefunden. Ob er denn sein Bischen Verstand i

nicht einmal von Dürrensee bis Weisenstadt tragen könnte, und warum er sich nicht erst j

cuu Thor einen Vormund ausgebcten hätte, eine Weiseustadter Katz' wär' gescheidtcr, alser, »nd doch wollte er der gescheiteste Mann in der Gegend sein. Es wär' ihr aber j

nicht zu viel, sie nähm' die Ofengabel oder 'n Dreschflegel, und arbeitet ihm auf dem !

Fell herum, bis er noch einmal hineinliefe und brächte es ihr schriftlich, daß der Habich !

seine Güter behielte und das Rittergut auch. Das war die kurze Summe ihrer Erör- !

terungen, obwohl sie eigentlich noch gar nicht wußte, was bei dem Exempel herauskam,

«S ging ihr nur so etwas davon als Ahnung vor. ?

Natürlich steht ihr Hättich in seiner Unschuld da, der geduldige Ehekrüppel, wie i

einer der gerade den Verdienst-Ordeu bekommen soll, und dafür zum Zeitvertreib vonder »»dankbaren Welt mit Erdklößen beworfen wird. Aber er bleibt gelassen und hatordentlich Mitleiden mit seiner Frau: sie vcrstcht's halt nicht bester, und wenn sie ihrGlück erst einmal in Zahlen ausdrücken kann, so wird das Wetter bei ihr desto freund-licher und beständiger werden, das versteht sich.

(Fortsetzung folgt.)

Ein verfehltes Leben.

(Schluh)

Die alte Frau gewahrte mein ehrfurchtsvolles Benehmen, und statt, davon >geschmeichelt, nun nach ihren Aufträgen zu fragen, für die sie meine Bewunderung ein-ernten mußte, wich sie diesem Gespräche sichtlich aus, und lenkte meine Aufmerksamkeit ^

ouf andere Sachen. Plötzlich stieß die in ihrem Käsig hausende Eule ihr abscheuliches ^

Geschrei aus. Die Kranke rief ihr begütigend freundlich zu und ich frug offen,warumsie gerade ein so häßliches Thier sich zu ihrer Unterhaltung ausgesucht habe, ein solichtscheues?" Sie zuckte zusammen, ihre Augen schienen sich zu umflorcn.

Warum? ..." preßte sie langsam hervor, dann folgte ein tiefer Seufzer, undsie senkte den Kopf wie erschöpft auf die Brust und versank in Schweigen.

Mein Gott !" rief ich erschrocken,ich habe wohl damit irgend eine Saite i

Ihres Herzens unangenehm berührt?" «

Nein, nein," entgegnetc sie,ich habe zu Ihnen ein eigenes Vertrauen gefaßt, !vielleicht ist's gut, daß ich endlich Jemand meine Vergangenheit erzähle und Wunden 'berühre, die trotz der Länge der Zeit nicht heilen wollten ..."

Ich blickte erwartungsvoll in ihr sehr bleiches Gesicht und sie begann: -Wie Sie mich so sehen, alt, krank und häßlich, muß es Ihnen freilich sonderbar !

vorkommen, wenn ich Ihnen von Tagen erzähle, wo ich jung war und wo die schönstenMänner mir huldigten und mir ihr Herz zu Füßen legten." !

Ich wollte ihr entgegnen:Auch jetzt noch, durch den dichten Schleier des Alters ^gewahrt man, daß Sie einstmals schön gewesen sind." s

Sie mochte aber meine Gedanken errathen haben, und fuhr rasch fort:Man !

feierte meine Schönheit, und jetzt, da ich eine Ruine geworden, kann ich wohl ohne Eitel-keit davon erzählen; aber ich war jung und reich, zu früh in die große Welt getreten, s

«nd die zahlreiche Bewunderung der Männerwelt verrückte mir das kleine, damals leere ^

!