tti-o. 29
18. Juli 1869.
Angsbnrger
Sonnta
Wo Du den Weg nicht weißt, folg' einem sichrer Du;Doch, ob der Führer auch den Weg weiß, siehe zu!
Der Habich und der Hättich als Geschäftsfreunde
Viertes Kapitel.
(Schluß)
Weil er nun sein Glück doch auch selber gern mit Zahlen hätte ausdrücken mögen,so geht er also noch an demselben Abend in's Schulhaus, und bittet den Herrn Schul-meister um die Bemühung, ihm die Summe so ein wenig auszurechnen. Und daß eSkeinen Irrthum geben kann, legt er ihm auch das Protokoll vor, das aus Respekt vorseiner Frau sammt den Wiener Würstchen noch in der Scitentasche stecken geblieben ist.Der Schulmeister muß anfänglich lachen: das wäre allerdings ein gespaßiger Handel,und gescheiter wär's wohl gewesen, Verkäufer und Käufer wären über eine bestimmteSumme miteinander eins geworden, vom Herrn Notar wär's unbegreiflich, daß er zumAbschluß solchen Geschäfts die Hand geboten hätte, — indeß der Nachtheil würde dochschwerlich auf des Hättich'S Seite sein. — Wie er aber ein Weilchen gerechnet hat, hälter auf einmal innc und spricht: Freund Hättich, um ein Paar hundert Gulden habtIhr wahrscheinlich zu theuer gekauft, und ich fürchte, um ein Paar tausend; ich hätteselbst nicht gedacht, daß aus den Kreuzern durch die Verdoppelung solche Zahlen heraus-kommen sollten! — Und je länger er rechnet, desto nachdenklicher schüttelt er mit demKopf, so daß dem Hättich das Hcrzwasser zusammenlaufen und die Unkraft zugehen will.Er muß sich von der Frau Schulmeistern: einen Stuhl auskitten, und sitzt nun da —nicht anders als ein Delinquent, der sich das Todcsurtheil vorlesen lassen soll.
Der Schulmeister schüttelt wieder mit dem Kopf — herüber und hinüber. Freund,spricht er endlich, und es wird ihm selbst beinahe flau dabei, entweder — ich habe michverrechnet, oder ihr seid ein geschlagener Mann; laßt mich noch einmal von vorn anrechnen, ich will doch sicher gehen! — Er rechnet und rechnet, und schüttelt wieder; —eine lange Viertelstunde vergeht. Endlich steht er mit seinem Papier vom Tisch auf, —nimmt den Hättich bei der Hand und spricht: Freund Hättich, ihr dauert mich — undhelf' euch Gott, daß euch der Schlag nicht rührt! Das Rittergut kommt euch theuer zustehen, wißt ihr, wie theuer ihr das zwanzigste Grundstück bezahlen müßt? Um —um — — — 8738 st. 8 kr., und das ganze Gütchen kostet euch demnach die Kleinig-keit von — 17,476 st. 5 kr., mit Worten — sieb zehntausend vierhundert sechsundsicbzigGulden fünf Kreuzer, — keinen Pfennig mehr und keinen weniger. Wenn der Habichauf dem Handel besteht, und das Landgericht schafft euch keine Hülfe, so sitzt ihr in einerPatsche, aus der man euch mit allem Dürrenseer Vorspann nicht herausziehen kann. —Was seid ihr aber auch so unbedacht gewesen, und habt euch den Betrag nicht vorherausrechnen lasten: „Vorgethan und nachbedacht, hat Manchen in groß Leid gebracht."
Im Anfang hat dem Hättich immer noch ein Hoffnungslicht geschienen, ein schwacheswenigstens. Der Schulmeister hat sich eben doch verrechnet: es sind nicht sicbenzehn-tausend Gulden, sondern siebentausend — oder nein, nicht siebentausend, sondern ebenso-viel hundert, — wie sollen auch aus den erbärmlichen Kreuzern so viel tausend Guldenwerden können! So thut ihm denn. der Schulmeister den Gefallen, nimmt die ganze