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Trost wäre ihm noch übrig geblieben, der einzige nachhaltige. Es hätte ihm Jemandsagen müssen: Siehst du, Freund, das hat so kommen müssen, damit du von deinemGcldhunger kurirt wirst, die Arznei ist zwar stark und bitter, aber sie ist gut und siekann dir heilsam werden. Indeß, einmal war jetzt Niemand da, ihm eine solche Buß-Predigt zu thun — der Schulmeister hatte wohl so was im Sinn, aber er meinte, essei noch zu früh damit, ihm den Standpunkt klar zu machen, — dann zweitens, hättediese Predigt jetzt wirklich schwerlich verfangen. Denn noch viel banger als über derbösen Zahl ward dem armen Käufer vor seiner — Frau. Wär' er nur erst einmalüber die hinüber gewesen! Dann hätt' er im Nothfall wirklich sein bischen Hab' undGut verkauft um den Habich zu bezahlen, hätte Stroh und Disteln gegessen, und'Wasserdazu getrunken. Aber die Frau, die Frau! Sie hatte ihn sogleich nach seiner Heim-kunft so grimmig angeleuchtet, und da hatte sie doch vom Betrag der Kaufsumme selbstnoch nichts gemußt. Er sah es kommen, — was für Ehrenbogen sie ihm mit Besen,Ofengabcln und andern nützlichen Gewächsen bauen, wie er vor ihr stehen würde, stumm,gegen ihre wohlverdienten Scheltworts
Was ist also zu thun? Der gute Schulmeister kann's doch nicht auf sein Gewissennehmen, daß der arme Gemeindepfleger von seiner Lebensgefährtin zu Pulver oder Breizusammengestoßen wird. So erklärt er sich denn bereit, — an seiner Stelle das ersteGewitter zu bestehen, den Blitzableiter vorzustellen. — Kommst leider schon zu spät, dumitleidige Schulmcisterseele! Ein Paar naseweise Nachbarsöhne haben der Hättichin dasExempel und die Summe schon vorgelegt. Sie fährt in ihrer Stube bereits herumwie ein wahnsinniger Kehrbesen, wehe dem, der jetzt in ihre Mache kommt! Der Schul-meister ist kaum zu ihr hineingetreten, und hat etwas vom Zweck seines späten Zuspruchslaut werden lassen, so ist er auch schon mit einer Sturmfluth von Verwünschungenübergössen. Es wär' vor'm ganzen Landgericht Weisenstadt und Wurzenbach nicht zuverantworten, Frau und Kinder an so 'neu Lumpen wie der Habich zu verhandeln, siehätt' es „ihrem" schon hundert Mal vorgezeigt, er wär' der größte Oelgötz' von derWelt, — aber geglaubt hätt' er's nicht, bis er's nun mit Händen greifen müsse. DerSchulmeister könnt' auch was Besseres thun, als über solch' einen liederlichen Hausvaternoch die Hände halten, er solle lieber seine ungezogenen Schulbuben ausprügcln, damitwär' doch was genützt in der Welt; sie aber wollte mit „ihrem" schon allein fertigwerden, da ließe sie sich von Niemand drein reden, und wenn der Pfarrer selbst käme!
Sie hat noch lange fortgezankt — und es hat dabei einen Hagel von bitterbösenRedensarten abgesetzt. Wer will auch den Faden abschneiden, den eine böse Frau imZorn zu spinnen angefangen. Der Schulmeister versucht bald von der einen, bald vonder andern Seite etwas zu ihrer Beruhigung zu sagen. Wie er aber sieht, daß er damitnur Oel in's Feuer gießt, so greift er endlich nach der Thür und gibt „gute Nacht."Dem Hättich braucht er nicht lange Bericht abzustatten, denn der hat Alles — Wort fürWort — mit angehört, er weiß, wie viel die Uhr geschlagen hat. Wo warst du dennwährend des Unwetters, armer Gemeindepflcger? Ach, du hast ganz demüthig draußengestanden der Hausthür gegenüber, am Scheunenthor, und deine Kniee und Waden habengeschlottert. Es ist dabei stockfinster geworden und am Himmel wettcrleuchtct's Sothut denn der Schulmeister noch einmal Barmherzigkeit an der leidenden Menschheit: er-bietet dem Hättich für diese Nacht ein Bett an in seiner obern Stube. Der Hättich trägtjedoch Bedenken, die Gefälligkeit anzunehmen, das hätte ein neues Ungewitter bei scinerFrau geben können. So dankt er noch einmal für alle geleistete Gefälligkeit, geht ganzsachte auf den Heuboden, und tröstet sich, da er nicht schlafen kann, einstweilen mit denMäusen da oben, die vor der Katze mcht sicher sind. Das Heu ist weich, aber Schlafwill nicht in seine Augen kommen. Denn bald muß er zürnen über den Habich, baldärgert er sich über sich selbst, bald sorgt er sich wegen der Zukunft ab, bald bangt ihmvor den bösen Dürrenseer Zungen, und wie er des Handels wegen von aller Welt L>polt