näherten, erhob sich eine ungeheure Schlange in demselben, die ihre Kiefer aufriß undzuklappte, und ein unheimliches Gezische ausstieß, als habe sie jene fremden Gestalten,welche ihre Einsamkeit störten, erschrecken wollen. Doch immer vorwärts ging es mituns. Shermanu setzte seinen siegreichen Marsch bis zum Meere unaufhaltsam fort, undweder Wald noch Sumpf, noch Fluß noch Ebene oder Berge vermochten ihn zu hemmen.
Gegen die Neige jenes Tages, von dem ich vorhin redete, blieben mehrere unseresCorps zurück. Auch ich gehörte zu denselben. Ich war nicht im Stande, mich weiterfortzuschleppen, und als die Nacht hereingebrochen, war unser Gros uns schon eine biszwei Meilen voraus. Da ich den Ueberfall irgend eines wilden Thieres fürchtete, wennich auf der Erde einschlafen sollte, suchte ich ein ziemlich nahe gelegenes Gehölz zu er-reichen, nahm einen Schluck Brandy aus meiner Feldflasche und erkletterte einen ziemlichhohen Baum, der am Wege stand, nicht weit von einem Sumpfe entfernt, in dem eineMenge Schilfbüschel und Köcher staguircnden Wassers sich abwechselten. Ich machte mirAeste und Zweige zurecht, und nachdem ich die nöthigen Vorsichtsmaßregeln getroffen,einen Fall zu verhindern, bereitete ich mich zum Schlafe. Doch ich vermochte Anfangsnicht einzuschlafen. Aümählig beruhigten sich meine Nerven, meine Augenlider senktensich und unbewußt hielt mich bald ein erquickender Schlummer umfangen. — Ich mochteeinige Stunden geschlafen haben, —- als ein bitteres Jammergeschrei vom Fuße meinesBaumes mich aufschreckte. Ich sah hinab und war Zeuge einer furchtbaren Scene, dieich in meinem Leben nie vergessen werde, und deren Erinnerung mich noch zittern macht.Einer meiner Kameraden wurde bei lebendigem Leibe von den Schlangen verzehrt. —Er mußte auch den Versuch gemacht haben, auf den Baum zu steigen, aber erschöpftzurückgefallen sein. Welch' ein Schauspiel! Der Mond schien in voller Klarheit undbeleuchtete den Sumpf, der von Uugethümen zu wimmeln schien. In dichter Reihe vonallen Farben kamen sie heran und näherten sich ihrer Beute, und ihre Schwänze schlugenauf und nieder — und glänzten schwarz, grün, gefleckt und kupferfarben. Mein armerKamerad, der so vielen Kämpfen Trotz geboten und so manche Meile durchschritten hatte,wurde nun das Opfer dieser Bestien. Ein halbes Dutzend kleinerer, lang und rund wieein Arm, mit breiten Kiefern, verzehrten seinen Kopf, Augen und Ohren waren schonverschwunden, und er wand sich unter seinem letzten Lebenshauchc. Eine größere dunkle,von der Länge eines Mannes, hatte sich durch die Kleider in den Unterkörper eingebohrt,und ungefähr ein Dutzend anderer derselben Art begannen ihr scheußliches Mahl anFüßen, Beinen und wo immer sie ankommen konnten. Man glaubte eine Schaar krie-chender Geier zu sehen, die den Körper des Unglücklichen bedeckten, — sich drehten undwandten und zischten. Ein abscheulicher Anblick, der bei Weitem größeres Entsetzen ein-flößte, wie ein gewöhnlich in Verwesung begriffener Leichnam mit seinen Myriaden vonWürmern. Ich versuchte mich zu rühren und einen Schrei auszustoßen; aber der Schreckenhatte mich fast gelähmt. Krampfhaft griff ich nach meiner Büchse und feuerte in dieMasse hinein. Eine gewaltige Schlange wand sich tödtlich getroffen hin und her. ImNu stürzte eine Menge anderer über dieselbe, ohne Zweifel angelockt durch den Geruchdes Fleisches, womit sie sich gemästet hatte, und begann hier eine neue Mahlzeit. Eskam mir vor, als habe die Menge der aus dem Sumpfe und dem Gehölze herbeieilendenSchlangen kein Ende. Von allen Seiten vernahm ich Gezisch, Geräusch und Geklapper.Ich lud wieder und feuerte zum zweiten Male, um wenigstens meinen Kameraden zurächen, so viel es in meiner Macht stand. Wieder wurde ein Ungeheuer gctödtet unddas furchtbare Bankett fand neue Nahrung und wurde fortgesetzt. Selbst die Blutlachenmeines Kameraden wurden aufgesogen, um den letzten Tropfen Blut kämpften die Bestien,so lange auch noch ein Fetzen Fleisch zu verzehren war, bissen sie sich nach allen Seiten,bis zuletzt die im Kampfe Erlegencn der Gegenstand ihrer Gier wurden. Ich konntemeine Augen von dieser Scene nicht abwenden und wollte den Ausgang sehen. IhrGezische, ihre raschen Bewegungen, die wogenden Linien, welche ihre glatten und ge-