Ausgabe 
29 (18.7.1869) 29
 
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schmeidigen Körper in dieser unentwirrbaren Masse bildeten, sind weder zu beschreiben,noch mit dem Pinsel wieder zu geben.

Ueber eine Stunde sah ich diesem Schlangenkampfe zu, als mir der Gedanke auf-stieg, daß dieselben mich auch entdecken könnten, und was mir dann bevorstehen würde.Mehr als ein stechendes Auge hatte sich schon nach dem Baume gewandt, als ich Feuergab. Und wirklich, ein Angriff auf mich sollte nahe genug heranrücken. Eine mächtigeSchlange hatte einen kleinen Nest meines Kameraden erhäscht, als die anderen ihr den-selben streitig machen wollten. Um ihnen zu entgehen, wirft sie sich auf den Baum zu,schwingt sich um dessen Stamm, und beginnt in raschen Windungen hinauf zu klettern,gefolgt von einer Menge anderer. Sie kam mir näher, bog aber ihren Kopf gegen ihreFeinde zurück; die Windungen ihres glatten Körpers glichen einer Metallkette, welche dieKnoten des Stammes umschlang. Ein Theil ihrer Beute entfiel ihr, so rasch warenihre Drehungen und Bewegungen. Ich glaubte mich verloren. Meinen Säbel riß ichaus meiner Scheide. Der Ast, der meine Hauptstütze bildete, war bereits von ihr erreicht;ein Schlag, und ihr Kopf war von ihrem Rumpfe getrennt. Schwer siel ihre Massezur Erde und riß die andere», die ihr gefolgt, mit hinab. Ich sah ihren häßlichen Kopfnoch über die Erde rollen, und Blut und Geifer aus ihrem Maule fließen. Doch, nunwar ich gerettet, denn die Aufmerksamkeit der übrigen Ungeheuer war von mir abgelenkt.Sie begannen bald, sich nach dem Sumpfe und dem Gehölze zurückzuziehen. Ich hörtemit freudigem Zittern das sich entfernende Geraschel im Laube, und das Geplatsche desWassers der Pfützen des Sumpfes, in welches sie sich hineinstürzten. Alles wurde still;aber hinabzusteigen, ehe es Tag war, wagte ich nicht. Kaum sandte die Sonne ihreersten Strahlen, da machte ich mich, die Büchse zum Schusse geladen, und den bloßenSäbel zwischen meinen Zähnen, hinab zu den Gebeinen meines unglücklichen Kameraden.Ich floh, denn ich konnte diesen Anblick nicht länger ertragen. Bei jedem Schritte, denich machte, glaubte ich eine Legion jener Ungeheuer auf meiner Verfolgung. Ich begeg-nete jedoch bald einer Rciterabthcilung, welche die Nachzügler zusammen suchen sollte,und diese brachte mich in einem furchtbaren Zustande körperlicher und geistiger Erschöpfungin's Lager. Oft habe ich diese furchtbare Episode unseres Marsches meinen Kameradenerzählt, aber ich glaube, die Hölle mit all' ihren Schrecken könnte nicht einen schrecklicheren,tieferen Eindruck auf mich machen, als dieseVernichtung" meines Kameraden an einemSumpfe in Süd-Carolina."

Der Moorrauch.

Ostsriesland, im Juui. Am 5 Mai d. I. hatten wir hier den ersten derTage, die weder dem Aesthetiker nachdem Asthmatiker gefallen; den ersten der Tage, derden blauen Himmel mit einem schmutzig gelben Nebel bedeckt und die Luft bald derartigdamit anfüllt, daß man nur einigermaßen entfernte Gegenstände kaum zu unterscheidenvermag, der die Sonne erst citroncngclb, dann orange und endlich bluthroth erscheinenläßt. Nase und Augen verspüren einen brandigen, scharfen Geruch. Das ist dieErscheinung, die den Naturforschern so lange Zeit eine Nase gedreht hat, daß sie sich inden albernsten Hypothesen ergingen. Daß man . das Kind des eigenen Landes in Ame-rika suchen zu müssen glaubte, war bei dem Streben, Allesweit her" zu holen, nocheinigermaßen zu ent chuldigen. Aber auf der Versammlung der Naturforscher zu Wien im Jahre 1856 sprachen sich noch verschiedene Gelehrte dahin aus, daß dieses Phänomenbislang unerklärlich sei, ja, im Jahre 1858 stellte Alex. Müller in der Akademie derWissenschaften zu Stockholm die Behauptung auf, der Moorrauch (Höherauch, Heerauchrc.) entstehe daraus, daß die Luft durchLufttröpfchen", das sind veränderte Theilchender atmosphärischen Lust, trübe geworden; diese Tröpfchen brächen das Licht anders, als