Ausgabe 
29 (18.7.1869) 29
 
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die umgebende Luft, wobei er sich auf die scheinbar zitternden Bewegungen beruft, die manwahrnimmt, wenn erwärmte Luft sich bei ihrer Aufsteigung mit kälterer vermischt. Anderefanden die Erscheinung in einem zersetzten Gewitter begründet und noch Andere sahennur abgefallene Komcteuschwänze darin, und ein Bremer hat einmal gesagt, die Moor-brenner seien keine Menschen, sondern Ungeheuer und er sähe keine Nothwendigkeit ein,daß sie existiren müßten. Letztere Frage ist besonders im vorigen Jahre mehrfach erörtert,ohne daß eine Lösung herbeigeführt wäre Diese wird auch so bald noch nicht kommen,denn die Versuche, die das Moorbrennen ersetzen wollen, liegen theils noch in den Win-deln, theils sind sie noch nicht geboren.

Sehen wir uns die Sache etwas genauer an. Eine größere Moorfläche bietet nichtviel Einladendes, vielmehr ist ihr Anblick traurig und öde. Man sieht und hört hiernicht das freudige Schassen und Treiben arbeitsamer Menschen, hört nicht das Wiehernder Pferde, das Brüllen des Rindviehes, den Gesang munterer Vögel, das Jauchzenund Lärmen einer frohen Kinderschaar, nur das Rauschen gelbgrüncr Binsen und leichcn-blasser Riedgräser, so wie das Klagen eines vereinzelten Moorhnhncs unterbricht dietrostlose Ocde. In stundenweiter Umgebung findet man weder Baum noch Strauch,noch weniger eine menschliche Gestalt, nur dürres Haidckraut und graues MooS starrtden einsamen Wanderer an, der diesen trüglichcn Boden betritt.

Dergleichen kleinere und größere Bodcnflächcu haben wir im Nordwcsten Deutsch-lands, sowie in Holland , nicht geringe. Wir unterscheiden die Moore in Hoch- undLeedmoore, letzere sind bereits abgegraben und werden vorzugsweise durch Brennen kul-tivirt, erstere befinden sich noch im jungfräulichen Zustande. Man säet auf die abge-grabenen Moore in den ersten Jahren nur Buchweizen, mißräth eine solche Ernte, sosind Bewohner unk Anwohner des Moores Verhältnissen ausgesetzt, wie denen, die dasMißrathcn der Kartoffel in Irland und im Erzgebirge hervorruft.

Soll ein bis dahin noch wüstes Moor zum Buchweizenbau eingerichtet werden, soist vor allen Dingen auf gute Abwässcrung Bedacht zu nehmen. Man zieht in gewissenEntfernungen Grüben und bringt die gewonnene Erde in Haufen, durch die der Windspielen kann. Dies geschieht im Herbst. Im Monate Mai, wenn die größten Feindedes weiblichen Buchweizen, die Nachtfröste, nicht mehr zu befürchten sind, wird Feuer injene Haufen gebracht und die brennenden Theile werden nun gegen den Wind über denganzen Acker geworfen, wodurch auch alle am Boden liegenden Klöße entzündet werden.Denn darauf eben beruht das Gelingen der Arbeit. Die Erhitzung des Bodens ist dereigentlich befruchtende Faktor, durch das Brennen muß dem Boden die die Vegetationhindernde Säure entzogen werden. Die Asche allein würde wenig nützen.

Mitten in diesem Feuer, in diesem höllischen Rauche, steht nun der Moorbaucr instarken Stiefcl-Holzschuhen und wirft mittelst einer langgestielten, alten, durchlöchertenPfännkuchcnpfanne die brennenden Stücke dahin, wo es Noth thut, lockert das Ganzevon Zeit zu Zeit wieder auf und wirft die glimmenden Stücke stets gegen den Wind.Zugleich hat er darauf zu achten, daß der Boden nirgends in Flammen geräth, sondernnur gelinde brennt und schmaucht. Selten ist das Moor so trocken, daß solches ohnemenschliche Hilfe weiter brennt, und deßhalb verläßt auch der Moorbrenncr gegen Abendschweißtriefend seine saure Arbeit, solche am nächsten Morgen wieder fortzusetzen. Ineinzelnen Fällen kommt ihm aber doch das Feuer aus der Gewalt, und wenn alsdannein starker Wind das Feuer vor sich Peitscht, dann entstehen zuweilen Brände, die mitHilfe einer ordentlichen Dosis Phantasie an die Prairiebrände Amerika's erinnern. Nochvor wenigen Jahren wurde auf diese Weise auf dem großen Fchn eine bedeutende Streckeverwüstet, und sogar sieben Wohnungen wurden eine Beute des Feuers. Daß auf dieseWeise in Ostfricslaud und Umgebung eine ansehnliche Masse Rauch erzeugt wird, bedarfkeines Beweises. Es werden etwa 50,000 Morgen Moor gebrannt und die Asche be-deckt durchschnittlich in einer Höhe von 1^/^ Centimeter den Boden. Über dem 25