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Ouadratmeilcn großen bourtangcr Moore betrug wissenschaftlichen Untersuchungen zufolgewährend des Brennens die Höhe der Rauchinasse 9 -10,000 Fuß; diese ganze Luftschichtwar alles mit dichtem Rauche angefüllt, und Dr. Fink hat berechnet, daß an 25 Moor-Rauchtagen 73 Millionen Pfund Rauch produzirt werden.
Es hängt eben vom Winde ab, — wer nach uns mit diesem Rauche gesegnetwerden soll.
Im Jahre 1857 begann man bei einem ziemlich starken nordöstlichen Winde hieram 6. Bkai mit dem Brennen. Schon am folgenden Tage zeigte sich der Moorrauchin Utrecht , etwas später, als der Wind mehr östlicher geworden war, schweifte derselbeüber Lccuwardcn nach dem Heller und besuchte bis zum 15tcn das Meer. Nun wurdeder Wind nordwestlich, der Moorrauch kam vom Meere zurück und erreichte am 16tenwieder Utrecht und etwas später auch Nymwcgen. Am 16ten und an den folgendenTagen sah man ihn auch in Hannover, Münster, Köln, Bonn, Frankfurt ; am 17tenwar er schon nach Wien vorgedrungen, erreichte am 18ten Dresden , und am 19tenKrakau .
Nicht selten führt der Wind den Moorrauch über See nach England , seltener gewahrtman ihn in der Schweiz, wo er aber doch mehrfach zu Schaffhausen, Zürich, Basel undGenf wahrgenommen wurde. Wahrscheinlich ist dies seine äußerste südliche Grenze, daihm wohl die Alpen ein „bis hiehcr und nicht weiter" zurufen.
Daß der Moorrauch unangenehm und lästig ist, das unterschreiben wir Ostfriesenaus vollster Seele. Je nach der Windrichtung haben wir außer unserem eigenen, baldden holländischen, bald den oldenburgischen, bald den westphälischcn Moorrauch, — abertrotzdem fällt es hier keinem Menschen ein, das Verbot des Moorbrcnncns zu befür-worten, weil wir Alle wissen, daß ein solches Verbot Tausende von fleißigen Arbeiternan den „Bettelstab" oder „über's Meer" jagen würde. Wir hoffen allerdings, daß esGegnern des Moorbrennens dann gelingen werde, ein darauf bezügliches Verbot zu er-wirken, wenn es der Theorie und Praxis gelungen ist, ein hinreichendes Acquivalent inAnwendung zu bringen. Ob das jetzt in Arembcrg - Meppcn und sonst verwandte Kalisich bewähren wird, ist zur Zeit noch durchaus unentschieden.
Außer dem Besprochenen hat man gegen den Moorrauch ein ganzes Heer Anklagenerhoben, die, wenn sie nur halb wahr wären, ein „Verbot" dringend erheischen würden.Er soll der Gesundheit nachteilig sein, Regen und Gewitter zurückhalten, Wind erzeugen,Nachtfröste befördern, die Haarmücke mit sich führen, nachteilig auf die Weinerntewirken u. s. w. Aber alle diese Anklagen sind nicht zu beweisen.
Wir hoffen, daß das Moorbrenncn ein baldiges Ende haben möge, wünschen aber,daß vorher unseren Moorbaucrn Mittel und Wege gezeigt werden, auf andere Weise sichihren Acker dienstbar zu machen. Versteht die Wissenschaft das, so werden mir Ostfricsenihr auch nach dieser Seite hin zu bedeutendem Danke verpflichtet sein.
*) Der Herr Verfasser sucht alle diese Klagen über den Hecrrauch zu widerlegen. Erbemerkt z. V. über die angebliche Schädlichkeit für den Weinbau: „Berichtet doch ini Jahre1826 die Regierung zu Trier an den König, daß der Moorrauch auf den Weinbau einenganz entschieden nachteiligen Einfluß ausübe, ärger als jede andere Wittcrungs Erscheinung.Die Erfahrung hat diese Belchuloigung in ihr Nichts aufgelöst; denn in keinem Jahre wurdedas Rheinthal stärker vom Movrranche heimgesucht, als 1858, und in diesem Jahre fiel dieWeinlese >o günstig aus, daß alle Hoffnungen überstiegen wurden."
(Im Verhöre.) „Angeklagter, Ihr seid schon sieben Mal verurthcilt worden.Gebt Ihr das zu?" — „Ja wohl, Herr Präsident, allein ich lege kein großes Gewichtdarauf!"
Druck, Verlag und Redaction des Literarischen Instituts von Dr. M. Huttlcr.