^ro. 30.
Augsburger
25. Juli 186g
onntags-BIatt.
Eine liebevolle Aufmerksamkeit auf das, was der Mensch besitzt, macht ihn reich, indemer sich einen Schatz der Erinnerung au gleichgültigen Dingen dadurch anhäuft.
Der Habich und der Hättich als Geschäftsfreunde
Fünftes Kapitel.
Eine theure Zeche und was für Verdienste dabei der berühmte Nechtsgelchrtc
Wachsnastus gehabt.
In allen Häusern von Dürrcnsee war an jenem Morgen böses Wetter, nur beimHabich nicht. So in's Große hatte der seine einfältigen Streiche doch noch nicht getrieben.Der Hättich war freilich ein Geizkragen, das konnte ihm in ganz Dürrensee und UmgegendJedermann bezeugen, obwohl die guten Dürrensee'r darin meist im gleichen Spital mitihm lagen. Aber sonst war er doch eine ehrliche Haut, Niemand hatte ihm etwas Bösesnachzusagen. War's nicht schändlich von dem Nichtsnutz, dem Habich, — ihn mit demeinfältigen Rechen-Exempel so hinter's Licht zu führen? Ueber dem Handel konnte derHättich ja um sein Vermögen kommen, und was sollte daraus werden, wenn der Habicheinmal so viel Glück mit seiner Büberei machte, so viel Geld in die Hände bekam?
Also berief der Schultheiß, es war ein tapferer, wackerer Dorfsmonarch, den ganzenGemeinderath. Bald war ein Beschluß gefaßt; die Männer wollten den Habich vor-sortiern, ihm seine Schlechtigkeit mit einem guten Scheuerlappen einreiben, ihm erklären:„Euern dummen Handel leiden wir von Gemeinde wegen nicht! "
Aber man muß den Spatz nicht eher würgen, als bis man ihn beim Schwanzerwischt hat. Der Gemeinde-Diener war sogleich ausgesandt worden, den Delinquentenbeizuschaffen, aber siehe da, das Nest war leer. Sonst hielt es der Habich mit einemgründlichen Morgenschlaf, dicßmal hatte er Lunten gerochen, die Nachbarn hatten ihn inaller Frühe vom Haus gehen sehen; Niemand wußte, wohin er gerathen war. Erstam späten Abend war es thunlich, ihm in des Schulzen Haus einen Zwangspaß auszu-stellen. Gefangen war der Vogel darum noch nicht; Schultheiß und Beisitzer im Dorfs-Gericht hatten einen schweren Stand mit dem Habich. Anfänglich versucht er die Männerdurch allerlei Grimassen und andere Albernheiten in's Lachen zu bringen. Wie sie aber
keinen Spaß verstehen wollten, im Gegentheil, ihn um die Wette abkanzelten, und für
seine Schlechtigkeit salbten, wie er's verdiente: er hätte sein Lebtag nichts getaugt und es
wär' ein Unglück für ihn gewesen, daß er nicht vom ersten Tag seiner Mündigkeit an
einen Vormund gehabt hätte, — da stellt sich der Bursch auf die Hinterfüße, machtMännchen und thut der Gemeinde-Obrigkeit eine Predigt, die ihre Zuhörerschaft wenigbefriedigt haben muß, denn der Schultheiß drohte ihm nicht bloß mit einer Geldstrafe,sondern auch mit dem Loch im Landgericht, dessen Fenster hinten auf den Hof hinaus-geht. Komparent blieb indeß dabei, es träfe in der Sache ihn kein Vorwarf, sie solltenlieber den Hättich in's Gebet nehmen: der wäre doch Manns genug, um einen Kaufabzuschließen; sollte aber der Handel, der doch vor'm Notariat abgeschlossen wäre, demhohen Rath zu Ehren wieder rückwärts gehen, so brauchte der Hättich einen Vormundund nicht der Habich, er wollte auch im Landgericht darauf antragen, und es wär' eineschöne Wirthschaft in Dürrensee, daß sie einen zum Pfleger setzten, der erst bei seiner