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seine Kosten nicht nach dem wirklichen Werth des Verkaufs-Objekts berechnet, sondernnach dem Betrag des Kaufschillings. Also die 17,476 sl. 15 kr., — dem Hättich thuensie nicht mehr weh, aber dem Habich geht darüber sein ganzes bischen Profit verloren,er kann nichts dagegen thun, — denn der Landrichter versichert, der Notar habe „ganzrichtig gerechnet."
Da hat denn der Hättich jenen Tag wohl ein langes Gesicht gemacht, — aber derHabich noch ein längeres. Die Leute in Dürrensee haben darüber eine große Freudegehabt, und war die Freude nicht recht und nicht christlich, so war sie doch zu entschul-digen. Denn ein Geizhals und ein Betrüger sind wohl Beides keine Leute nach demHerzen Gottes, aber es muß doch so sein: „Wer Wind säet, wird Sturm ärnten."Der Habich soll nachmals noch mehr als einen schlechten und dummen Streich gemachthaben, denn was schlecht ist, ist allewege auch dumm, und was dumm ist, ist schlecht.Nach Amerika ist er nicht ausgewandert, und ein Narrenhaus hat er auch nicht gebaut.Wenn er aber einmal sterben wird, so wird er wohl mit dem Bekenntniß des HansDampf aus der Welt gehen: „Es gibt keine brodlosere Kunst, als die Narrheit; undwer das bei Zeiten bedenkt, wird wohl fahren."
Ueber die Persönlichen Begegnungen dieser in der zeitgenössischen Geschichte jedenfallsmerkwürdigsten Männer erzählt der Wiener-Wanderer nachstehende Einzclnheiten, welcheauch für jetzt noch Interesse haben und auf manche Erscheinungen der Gegenwart, z. B. aufdas Verhältniß der Arbeiterpartei zur (preußisch-gesinnten) Fortschrittspartei erklärendeSchlaglichter werfen. Das Blatt beginnt mit der bekannten Solinger Versammlung, wegenderen Auflösung Lassalle ein über den „fortschrittlichen Bürgermeister" klagendes Tele-gramm an Hrn. v. Bismarck schickte. Die Erzählung fährt dann fort: Die Antwort desHerrn v. Bismarck, die im Sinne Lassalle's war, traf zu spät ein, die Versammlungkonnte nicht fortgesetzt werden, der schlimme Bürgermeister hatte zuvor seinen Zweckereicht, aber auch gleichzeitig eine ministerielle Rüge davon getragen. Als im HerbsteLassalle von seiner Reise, dir er nach der Schweiz ausgedehnt hatte, zurückkam, wares selbstverständlich, daß er dem Minister, an den er damals ohne ihn persönlich zukennen, sich telegraphisch gewendet, seinen Besuch machte. Er traf den Minister einwenig überrascht über seinen plötzlichen Besuch in seinem Arbeitskabinet. In seiner cheva-leresken, ungenirten Weise bot Bismarck seinem Gaste Stuhl und Cigarre, Lassalle sojeder Formalität enthebend. Die Solinger Angelegenheit war mit wenigen Worten erle-digt. „Unsere Polizei ist sehr eiferig, mir könnte es selbst ergehen, daß irgend einBürgermeister mich arrctiren läßt," scherzte Bismarck . „Sie haben es aber auch einBischen stark getrieben," fuhr er fort,, „unsere Fortschrittspartei liebt es nicht, wennman ihr den Spiegel so nahe vors Gesicht hält." Und wie absichtslos zog er dabeiaus einem Stoß Papiere Lassalles Solinger Rede, die inzwischen im Druck erschienen warund die jedenfalls das stärkste ist, was jemals gegen die preußische Fortschrittspartei gesagtwurde, hervor. Damit war die Unterhaltung auf das politische Gebiet gebracht, und Las-salle war überrascht, wie genau Bismarck alle seine Schriften und Fugblätter gelesen,selbst das neueste, ein kleines Flugblatt,an die Berliner Arbeiter, welches bereits poli-zeilich konfiszirt war, befand sich in Bismarcks Besitz. „Aber sagen Sie dem HerrnUntersuchungsrichter nichts davon, sonst läßt er mir es wegnehmen," äußerte Bismarck launig. — „Wird die Arbeiterpartei bei den nächsten Wahlen mit derFortschrittspartei stimmen?" frug im Laufe des Gespräches Bismarck . — „Anallen den Orten, wo sie nicht selbstständig auftreten kann aus numeri-scher Schwäche gewiß, es sei denn da, wo Kandidaten auftreten, die persönlich imKampfe gegen uns zu feindselig vorgegangen, wie z. B. Schulze-Delitzsch , Reichenheim,