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lcns in der Schule annehmen, als innerhalb der Schuleinrichtungcn vor Allem nach denUrsachen einer so erschreckenden Abnahme in der Vollkräftigkcit des edelsten aller Sinneforschen. Solche Ursachen anzugeben, ist die Wissenschaft denn auch durchaus nicht ver-legen. Sie liegen einestheils in der ungenügenden Lichtversorgung, andcrnthcilö in derzugcbückten Haltung und folglich der zu gewohnheitsmäßigen Abkürzung der Sehweite ver-leitenden Beschaffenheit von Tisch und Sitz. Was den ersten Umstand betrifft, so for-dert Dr Cohn — und Virchow ist ihm darin beigctrctcn — auf den Kopf 300 Qua-dratzoll Fensterglas. Weder Bäume noch Gebäude dürfen dem hereinfallenden Tageslichtden Zugang wehren. Die Nothwendigkeit künstlicher Erleuchtung sollte durch Einschrän-kung der Unterrichtszeit auf die Tagesstunden möglichst enggehalten werden, dann aber soausgiebig sein wie Glas oder Petroleum, die bevorzugten Leuchtstoffe der Zeit, es nurimmer gestatten.
Der Zuschnitt der Schulbänke ist unter allen Gcsundbeitsfragen die der Schule eigen-thümlichste und wird gegenwärtig auch am Eifrigsten mit Theoremen, Projekten und Expe-rimenten ventilirt. Zu einem eigentlichen Abschluß sind die Erörterungen und Versuchenoch nicht gediehen. So viel aber weiß man doch bereits, daß in keiner Klasse mit einer-lei Größe von Tisch und Sitz auszureichen ist, sondern daß es mindestens zweier Grö-ßen bedarf nebst außerordentlichen oder stellbaren Vorrichtungen für Riesen und Zwerge(im Verhältniß zu der normalen Klafscnstatur); daß die Entfernung zwischen Tisch uudSitz jetzt durchwegs zu beträchtlich ist, da sie vielmehr Null ziemlich nahe kommen sollte,und eine Rückenlehne schlechterdings nicht zu entbehren ist. Das zarte kindliche Knochen-gerüst vermag noch weniger als das des ausgewachsenen Menschen ein halb DutzendStunden Tag für Tag ohne Stütze für die Wirbelsäule sich gerade zu erhalten. DerKörper sinkt nach vorn, Brust und Unterleib werden eingeengt, die Nippen verwach'enauf der schwächeren Seite, das Auge gewöhnt sich an die Sehweite der Kurzsichtigkeit,während es noch vollkommen gesund ist. So entstehen Augenschwächc, Schiefheit, dieKeime von Hämorrhoidcn, Tuberkulose u. s. f.
Die Gesundheitspflege innerhalb der Schulen wird, so kann man im Allgemeinenbehaupten, bis jetzt mehr oder weniger dem Zufall überlassen. Jenachdcm eine Anstaltin ein zweckmäßig oder unzweckmäßig eingerichtetes älteres Hans gericlh, oder falls fürsie neugcbaut wird, der Baumeister etwas Hygieine in sich aufgenommen hat — die lei-tenden Persönlichkeiten etwa in England den Segen guter Ventilation kennen gelernt undden Sinn für ihre stete Erzwingung mit zurückgebracht haben — oder unter den bethä-tigten Eltern sich ein Arzt befindet, der nicht blos Kranke heilen, sondern auch Gesundegesund erhalten wissen will, zumal wenn es sich um die eigenen Kinder handelt — jenachdem dringt ein Stück praktischer Gesundheitspflege ein oder nicht. Hicbci darf es indes-sen nicht bleiben. Die öffentliche Meinung, in gewissen Grenzen selbst der Staat, mußeine regelmäßige und erschöpfende Beachtung der in Betracht kommenden, über jeden Zweifelerhabenen Vorschriften der Gesundheitspflege erzwingen. Schulkinder sind Unmündige, diesich nicht selbst helfen können; die öffentliche Vormundschaft muß für sie eintreten. Zumalwo und soweit der Schulbesuch zwangsweise auferlegt wird, ist es offenbar die gegenü-berstehende Verpflichtung des Staates, das Scinige dafür zu thun, daß nicht der Besuchschlecht gelüfteter und mangelhaft beleuchteter Klassenzimmer der heranwachsenden Gener-ation einen Theil der Gesundheit, Kraft und Frische koste, auf denen die Zukunft derNation nicht zum Wenigsten beruht
Ein Mahner sah seinen Schuldner in eine Weinhandlung gehen. Entrüstet rief erihm zu: „Mich bezahlen Sie nicht, aber Wein können Sie trinken!* — „Freund,*eutgcgnetc dieser: „Sie können wohl sehen, daß ich den Wein trinke, aber gewißnicht, daß ich ihn auch bezahle."