Ausgabe 
29 (15.8.1869) 33
 
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Hut von dem Kopfe, und sprach:Ihr werthen Schützen, Bürger und Landleute!Ihr seid allhier abermals versammelt, um einer Volksbelustigung, die seit langer Zeit i«unseren Bergen heimisch und beliebt, wie in keiner andern Gegend ist, bei uwohnen, beiwelcher Jedweder seine Fertigkeit und Geschick im Schießen nach der Scheibe darthun wird.

Demjenigen, welchem von Euch der beste Schuß gelingt, wird der Preis zu Theil,bestehend in zwei Gold- und vier großen Silbcrmünzen, und einem Waidfähnlcin »o«weiß und grüner Farbe, zur Erinnerung an den heutigen Tag.

Ich, als Aeltester von Zell und Vorstand der hiesigen Schützenlade, ermähne Euchdaher, daß Ihr Euch ruhig und bcschcidcntlich verhalten wollet, damit dieses Alles, s»wie es sich geziemt, in Frieden und guter Eintracht vor sich gehe, und somit laßt unSdenn in St. Hubcrtns und des Himmels Namen das Schießen beginnen."

Hierauf ließ sich der Richter wieder auf seinen Stuhl nieder, und dieSchützen*mußten die Loose, welche den Rang bestimmten, nach dem auf Jeden der Schuß kam,aus einem Korbe lesen. Gespannte Aufmerksamkeit herrschte unter den Zuschcrn wieunter den Preiswerbern.

Da trat der Lutzbichl, dm das Loos zum ersten Schuß bestimmte, aus den Reihen.Er nahm seine Armbrust, legte an, maß eine geraume Weile die Entfernung und drückte

ab. Der Bolzen schlug in den dritten Kreis. Ein allgemeiner Jubel erfolgte.

Lutzbichl trat zurück und überließ seine Stelle dem Kohlhammcr aus Zirl , diesereinem Schützen aus Schwatz und so fort. Silbcrmüllcr und Franzl hatten beinahe dieletzten Nummern getroffen.

Keiner ihrer Vorgänger aber vermochte inner den zweiten Kreis zu treffen, ja 'Manche trafen sogar in den ersten, und auch außerhalb desselben, welchem immer ei»schallendes Gelächter folgte.

Jetzt kam die Reihe an Franzl. Mit raschen Schritten trat er aus den Reihe»

der Schützen, faßte, nachdem er seinen Anstand genommen, die Armbrust und drückte

nach kurzem Bemessen ab.

Ein allgemeiner Jubel folgte dem Schliffe. Franzl hatte den vierten Kreis getroffen.

Bescheiden, aber mit glühenden Wangen trat er zurück, mit flüchtigem Blick Lenr»nter den Zuschauern suchend. Noch einige Schützen, worunter auch Wildhauer undDreißlcr, folgten ihm, aber abermals fehlte Jeder von ihnen. Endlich kam der Schaßauf Silbcrmüller.

Du wirst doch dem naseweisen Buben nicht den Preis lassen!" raunte ihmWildhaucr zu.

Sieh' nur, wie er lächelt," flüsterte Dreißlcr,er glaubt schon, des Sieges ganzsicher zu sein."

SilbcrmüllerS Stirne zog sich in finstere Falten, doch faßte er sich schnelle, tratvor und legte an.

Man sah, daß eS seine alte Schützenehre galt. Jetzt drückte er ab. Jubel überJubel er hatte ebenfalls den vierten Kreis getroffen. Mit beinahe stolzer Miene trater wieder unter die Schützen-Versammlung, und blickte lächelnd auf Lern hinüber, dieihm freudig mit dem Tuche zuwinkte.

Die Nachfolgenden trafen nur mehr den zweiten und dritten Kreis.

Als sämmtliche Schützen geschaffen hatten, erhob sich der Richter wieder und sprach:

Wie Ihr gesehen habet, Ihr wackeren Schützen, so sind dieses Mal die Beste»unter Euch: Franzl Pfeiffer anS Kleinboden und der Hans Silbermüllcr aus Sterzingeu.Beiden gebühret für heute die Ehre nnd der Preis als Schützenkönig. Da diese Würdeaber nach altem Herkommen nur Einer dieser beiden Schützen bekleiden, und die mitdieser Würde verbundenen Preise in Empfang nehmen kann und darf, so mache ich denAusspruch: Franzl Pfeiffer hat mit dem HanS Silbermüllernoch Einmal" um denPreis zu schießen."