Ausgabe 
29 (15.8.1869) 33
 
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Alles fand diesen AuSspruch gerecht und billig, und Franz! und Silbermüllertraten vor.

Franz! spannte besonnen die Armbrust und legte an. Aller Augen waren aufdas Ziel gerichtet. Jetzt drückte er ab sein Bolzen hatte mitten in das Schwarzegetroffen.. Die Berge widerhallten von dem Jubelgeschrci der Menge, Mützen undHüte flogen in die Lust, die Musik machte einen fürchterlichen Tusch, während die ZielerBockssprünge machten, wie toll um die Scheibe tanzten, und ein rothes Fähnlein aufdieselbe pflanzten. Nur Lein, welche ihren Vater und seinen Ehrgeiz, der beste Schützezu sein, kannte, zitterte in banger Erwartung.

Jetzt, Silbermüller, nimm Dich zusammen,- flüsterte Wildhaucr.

Mittlerweile war eine neue Scheibe neben der alten aufgerichtet und Silbermüllcrtrat auf seinen Stand.

Silbermüllcr, merklich aufgeregt, legte an, maß bedächtiger als das erste Mal unddrückte ab. Aber unter dem Abdrücken zitterte seine Hand, der Bolzen flog weit überdie Scheibe hinaus.

Während diesem hatte sich Drcißler hinter Franzl geschlichen, und schlug in diesemAugenblicke eine schallende Lache auf, welcher eine zahlreiche Begleitung folgte.

Silbermüllcr wendete sich, fast erstarrt vor Schreck, Wuth und Scham über seinMißgeschick, noch mehr aber über diesen Hohn, nach der Gegend, von welcher jenesGelächter kam, und erblickte Franzl, der ganz unbefangen auf seine Armbrust gelehnt dastand.

Der war's!" flüsterte Wildhauer.

Dem Alten schwindelte, so, daß ihn Wildhaucr am Arme fassen mußte, wollte erihn nicht umsinken lassen. Indessen halten die Schützen Franzl umringt und brachtenihm ihre Glückwünsche. Auch der Richter sammt seiner Umgebung erhob sich und tratzu Franzl, ihm den Preis, welchen schöngeschmückte Mädchen auf Polstern trugen, ein-zuhändigen.

Ebenso kamen die Jungen in den Narrenklcidcrn herbei, und überreichten ihm dasWaidfähnlein und das Centrum, aus einem Nagel bestehend, den sie auf einem Tellertrugen. Jubelnd und lärmend umdrängten die Zuschauer die Gesellschaft.

Nur Lcni, welche die Bewegung ihres Vaters gesehen hatte, war verwirrt undschluchzend zu diesem getreten, und faßte ihn besorgt am Arme.

Als Franzl den Preis erhalten hatte, trat auch Silbermüllcr, den seine Tochtervergebens zu bewegen gesucht hatte, den Schauplatz seines Unheils zu verlassen, zuFranzl. Er war merklich blaß geworden und seine Augen funkelten.

Franzl," sprach er mit einer »or Grimm zitternden Stimme, ,.ich wünsche DirGlück zu Deinem Preise, Du bist ein guter Schütze. Aber" flüsterte er ihm mitgedämpfter Stimme in das Ohr, indem er ihn einige Schritte seitwärts zog,die Leinbekommst Du nicht merk' cS Dir wohl; eS müßte denn," setzte er mit hämischemLächeln hinzu,der Erzherzog Maximilian selbst für Dich um ihre Hand bei mir werben."

Mit diesen Warten drehte er ihm den Rücken zu und entfernte sich mit seinerTochter, welche noch einen wehmüthig klagenden Blick auf den betroffenen Schützenkönigzurückwarf.

Franzl stand wie aus den Wolken gefallen, und wußte nicht, ob er träume oderwache, so unerwartet traf ihn dieser Schlag.

Wildhauer aber drängte sich durch's Gewühl zu Drcißler hin, drückte diesem dieHand und flüsterte:Bravo ! das haben wir gut gemacht. Der Alte ist glücklich indie Falle gegangen."

(Fortsetzung folgt.)