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Basutoland in Südostafrika noch immer Menschenfresser Hausen. Bowker kam von einige«Eingcbvrnen begleitet — im Dezember 1868 in's innere Gcbirg, an den verlassene»MissionSpostcn Cana. Die Wanderer befanden sich in einer sehr wilden Landschaftplötzlich vor einer ungeheuren Höhle. Sie traten hinein und fanden auf dem Bodenganze Haufen von Menschenknochen und Gebeinen aufeinander geschichtet. Bowker erzählt:„Man kann sich denken, unter welcher Aufregung ich diese düstere Höhle untersuchte. —Der Führer geleitete mich an eine Stelle, wo einige rauhe, unregelmäßige Stufen in einedunkle Gallerte führten; dort wurden die Schlachtopfcr aufbewahrt, bis au sie die Reihekam. An ein Entrinnen von dort war nicht zn denken. Bei Wilden, welche etwa durchHungcrSnoth zum Aeußcrsten getrieben werden, um ihr nacktes Leben zu fristen, findetder Eannibalismus eine Erklärung. Mit dem Volke hier verhält sich aber die Sacheganz anders: Diese Menschen bewohnten ein fruchtbares Land, in welchem auch Wildin Menge vorhanden war. Aber trotzdem machten sie nicht bloß Jagd auf ihre Feinde,um dieselben aufzufressen, sondern sie verzehrten sich unter einander, sie machten Gefan-gene von ihrem eigenen Stamme, und wenn eben keine andere Schlachtopfcr vorhandenwaren, dann kamen ihre eigenen Weiber und Kinder an die Reihe! Eine träge oderzanksüchtige Frau wurde ohne Weiteres abgethan, und gab ein leckeres Mahl; ein Kind,das zu viel schrie, wurde ohne Weiteres, still gemacht und gekocht; Kranke und Schwacheließ man nicht des natürlichen Todes sterben, sie hätten ja dann nicht den MagenAnderer füllen können. So war cS mit diesem Volk beschaffen. Man sagt zwar, daßsie den Eannibalismus schon seit vielen Jahren aufgegeben hätten, ich fand aber in derHöhle ganz untrügliche Beweise dafür, daß die Praxis noch nicht verloren gegangen ist,denn einige Knochen waren sehr frisch; sie hatten augenscheinlich einem starkknochigenManne angehört, dessen Schädel hart wie Erz war; an den Gelenken befand sich nochMark und eine fettige Substanz. Er konnte erst vor einigen Monaten geschlachtetworden sein.
„Diese Höhle gehört zn den größten in der ganzen Gegend und diente, nach denvon mir eingezogenen Erkundigungen, den Cannibalen als eine Art von Hauptquartier.Bor dreißig Jahren war übrigens das gesaimnte Land vom Molutaflusse bis zum Calc-don, dann auch ein Theil der Region an, Putesanaflusse von Menschenfressern bewohnt,welche Schrecken unter den umwohnenden Stämmen verbreiteten. Sie schickten Jagd-partien aus, welche sich in der Nähe betretener Pfade oder Gärten, Triften oder Tränke-plätze» in Hinterhalt legten und cS vorzugsweise auf den Fang von Frauen und Kindernabgesehen hatten.
„Noch heute leben viele alte Eannibalen, und an demselben Tage, an welchem ichjene Höhle besuchte, machte ich mit einem derselben Bekanntschaft. Er ist nun etwascchszig Jahre alt. Als er noch in der Höhle hauLte, sing er einst drei junge Weiber;davon nahm er eins zu seiner Gefährtin, die beiden anderen wurden gekocht. Jene Eheist dann eine recht glückliche gewesen, und die Frau Gemahlin hat sich bald au die neueLebensweise gewöhnt; man zeigte mir den Winkel, welcher dieser glücklichen Familie zumAufenthalte gedient. Ein Sprößlmg derselben, ein hübscher, strammer Junge, brachtemir Milch. Der Mann heißt Nantlutscnt, die Frau Matcgycni. Als ich die Höhleverließ, fand ich einen zerbrochenen Kinderschadcl, welcher gleichsam als Blumentopf füreine Knollcnpflanze, eine Asphodelacec, diente.
„Ich habe mit einigen Freunden auch mehrere Cannibalcnhöhlcn an den QuellendeS Caledon besucht. Masche derselben sind geräumig, aber keine ist so groß, wie dieeben beschriebene in der Nähe von Thaba Bosin. Jene Caledon-Höhlen werden noch jetztbewohnt, aber nicht mehr von Cannibalen. Dort erzählte mir ei» alter Wilder, daß erin der guten, alten Zeit etwa dreißig Menschen gekocht habe; er hielt cS für sehr unge-recht und abgeschmackt, daß daS Mensebenkvchrn in Abgang gekommen sei. Es schein!,als ob für manche Leute ein großer Reiz im Eannibalismus liege Einst wurde ein