263
hübsches, junges Mädchen geraubt, aber nicht verzehrt, «eil einer der Wilden eS zn«Weibe nahm. Nach Verlauf einiger Zeit kam der Vater in Begleitung eines Missionär -in die Höhle und löste sein Kind auS; der Preis betrug ein halbes Dutzend Ochse».Ein Paar Wochen blieb die Cannibal-Gattin bei ihren Eltern, aber eines schönen TageSentlief sie wieder und blieb dann bei ihren Freunden in der Höhle.
„In früherer Zeit waren in dieser ganzen Gegend Löwen in großer Menge vor-handen. Manche derselben zogen das Fleisch des Menschen allem Anderen vor - - undwurden namentlich auch den Höhlen-Cannibalen lästig und gefährlich. Diese verfertigtenuun, um die thierischen Camubalen zu fangen, steinerne Fallgruben; als Köder warfensie Kinder hinein, welche durch ihr Schreie» und Wimmern die wilden Thiere herbei-lockten! Bei Thaba Bosiu lebt noch jetzt eine alte Frau, die mir selber erzählte, daßsie als Köder in cine-Löwenfallc geworfen worden sei; die Bestien waren jedoch nichterschienen, und so hatte man sie nach Verlauf einiger Zeit wieder herausgenommen.
„Alle diese Höhlenbewohner sind Unterthanen Moschesch's, die aus den Ucbcrrestcnverschiedener Stämme bestehen. Der alte Häuptling gab sich die größte Mühe, denCannibaliSmus unter seinem Volke auszurotten, und am Ende setzte er die Sache durch;fast Alle haben den barbarischen Brauch aufgegeben; sie sind Viehzüchter, Vichdicbe undtreiben auch etwas Ackerbau."
Miscelleu.
Ein merkwürdiges Schauspiel auf dem Gebiete der Ex- undEndoS-Mose gab der berühmte englische Münzmcistcr, Mr. Graham, unlängst denBesuchern seines Laboratoriums. Mctalldrähte wurden lebendig, streckten und dehnten,krümmten und wandten sich wie Schlangen. Die Drähte, bandartig durch s Wasser ge-zogen, bestanden aus dem Metalle Palladium und standen mit den Polen einer elektri-schen Batterie in Verbindung. So wie der Strom auf sie wirkte, wickelten sie sich schnellaus, dehnten sich auS und streckten sich wie lebendig. Jetzt wurde der elektrische Stromumgekehrt und die langgestreckten Schlangen krochen wieder zusammen, — bis sie dieursprüngliche Gestalt und Größe wieder erreicht halten. Dabei zeigte er durch genialeApparate, daß diese Ausdehnung durch Vcrschluigung verhältnißmüßig ungeheurer Massenvon WassersiosfgaS oder Hydrogcn entstanden war, und durch llmkchrung des elektrischenStromes das verschlungene Hydrogcn wieder frei ward. Dieß ist zugleich der natur-wisscnschastlich-unumstößliche Beweis, daß diese leichteste aller Lnftarten ein Metall ist,wie eS denn auch unter dem Namen Hhdrogcnium unter diese Gattung von elementarenKörpern bereits vffieicll angenommen worden ist. Mau kann nun auch schon ohneLeichtsinn behaupten, daß alle anderen Arten unserer atmosphärischen Luft metallischenCharakters sind, und unter Umständen noch als solche gefesselt und dargestellt werdenkönnen. Die alten Alchemisten versuchten auS unedlen Metallen Gold zu machen; werweiß, was künftige naturwissenschaftliche Zauberer noch aus der Luft schassen und schöpfenwerden! Mit etwas Phantasie kann man sich vorstellen, daß mau Wafserstoffgas inForm von Viergroschcn-Stückchcn in luftdichten Taschen bei sich trage, diese nach Bedürf-niß entfessele, so die Taschen in einen Luftballon verwandele, und durch die Lüste fliege,was wenigstens eine bessere Neuerung sein würde, als die jetzt zur Manie werdendenftrampelbcinigen Fahrfoltcrn oder Vctocipedcs. Und besteht nicht unsere Nahrung wesent-lich aus Luflartcn? Diese müssen erst mühsam durch Pflanzen und Thiere in verdaulicheNahrung umgewandelt und verdichtet werden. Warum sollte es einem künftigen Genievon Chemiker nicht gelingen, eine Art von Zauber-Kochapparat zu erfinden, welcher aufder einen Seite die atmosphärische Luft mit den reichen Bestandtheilen von Stickstoff, d. h.wesentlich fleischlichem Nahrungsstvff, einzieht, um sie auf der anderen Seile als Beef-steaks oder gebratenes Geflügel mit Sauce von sich zu geben ulid uns durch eine ander-weitige mechanische Vorrichtung appetitlich aufzutischen?