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Wachte
Wie frisch erquickt, wie frisch erquicktDer munt'rc Wachtelschlag,
Wenn's »uS dem Kornfeld bickberwicklAm heißen Sommcrtag!
Das klingt aus »oller Brust so hellWie sprudelnd »uS dem Fels ein Quell.
„Sei wihlgemuth! Sei wihlgemuth!"Das ist der Wachtel Nath.
Brennt noch so heiß der Sinne GluthNur fröhlich bei der That!
Ein fröhlich Singen spät uud frühVersüßt des TagcS Last und Müh'!
„Vertrau' dem Herrn! — Vertrau' demHerrn!"
DaS ist der Wachtel Ruf.
Der Herr behütet jährlich gernDie Saaten, die er schuf;
And ab eS donnert, blitzt und kracht,Gctrrst, der Herr im Himmel «acht!
l s ch l a g.
„Gott Lob und Preis! — Gott Lob «ndPreis!"
Das ist der Wachtel Lehr'!
Die Felder sind zur Ernte weiß,
Gebt unserm Gott die Ehr'!
Für jede Garbe: „Gott sei Dank!"
Die unter eurer Sichel sank!
„Vergeht nicht mein! Vergeht nicht mein!"Das ist der Wachtel Bitt'.
Und räumt mir auch ein Ncstchcu eiuVon eurem Aehrenschnitt;
Vergesset nicht deS Armen heut,
Wenn euch der gute Tag erfreut!
„Behüt' euch Gott! Behüt' euch Gott !"DaS ist der Wachtel Gruß.
E< naht die biit're WiuterSnoth,
Darum ich scheiden muß;
Der Herr bewahr' euch Alle fromm.
Bis über'S Jahr ich wieder komm'!
Der Gebrauch der Gabeln wurde lange Zeit bei Tafel als überflüssig be-trachtet, so groß auch in anderer Beziehung der gastronomische Luxus früherer Zeitenwar. Uebcrhaupt herrschten im Mittclaltcr eigenthümliche Tafelgebräuche. So hattebeispielsweise bei der Krönung der Königin Anna Bolena eine Dame den beneidens-werlheu Platz zu den Füßen der Königin unter dem Tische, und dabei das Amt, derLetzteren ein Tuch vorzuhalten, wenn sie ausspeie, oder, wie es wörtlich heißt, „anderweitihre B.qucmlichkeit haben wollte." Die stolze, „jungfräuliche Königin" Elisabeth aß mitden Fingern, obwohl damals schon Gabeln bekannt waren; denn das Vorurtheil gegendies Instrument war damals unter den höheren Classen so groß, — wie es in unseremJahrhundert unter deu niedern gegen das Maschinenwesen war. Ein Geistlicher predigteim Jahre 1612 gegen den Gebrauch der Gabeln, — als einer „Schmähung gegen dieVorsehung, seine Nahrung mit den Fingern anzugreifen." Noch vierzig Jahre späterersehen wir aus einer Schrift, die 1652 herauskam: „Der Gebrauch silberner Gabelnist in der jüngsten Zeit von einigen Stutzern aufgebracht worden; er verpflanzte sich vonHolland nach Italien, und von dort nach England ." Noch lauge Zeit nach ihrer Ein-führung wurden sie als ein Zeichen der höchste» Stutzcrhasligkeit angesehen.
(DaS reicht nicht.) Ein Pariser, der dir wenig löbliche Angewohnheit hatte,sich regelmäßig drei Mal die Woche zu betrinkcn, seine lichten Augenblicke aber dazubenutzte, seine Frau zu Prügeln, faßte den Entschluß, sich seiner werthen Ehehälfte ganzzu entziehen. Er verschwand von Paris und schrieb seiner Gattin von Havrc aus, daßer sich auf einem Schisse von 500 Tonnen nach Amerika einschiffe. „Fünfhundert Tonnen,"sprach «achsinnend seine Gattin, „wenn die Uebcrfahrt lange dauert, wird das Quantumkaum reichen."
Ein ziemlich ruinirter Börsenspekulant legte sich auf die Schriftstcllcrei. Jemandsagte von ihm: „Erst hat das Papier ihn ruinirt, jetzt ruinirt er das Papier."
Druck, Lerlog und Redaction des Literarnchen Instituts von llr. M. Huttler.