Ausgabe 
29 (22.8.1869) 34
 
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Aro. 34.

22. August 1869

Es gibt keine Klöster, die nichtmenschlichen Natur Ehre machen."

bewunderungswürdige Seelen in sich bergen, die derVoltaire. Lssai ,ur le inoours c. 139.

Der Wunder-Doetor.

Drittes Kapitel.

Die Begegnung im Walde.

Als die Schützen wieder unter fröhlicher Musik und in derselben Ordnung, in dersie ausgezogen, !» dem Hause des Richters angekommen waren, fanden sie daselbst einereich besetzte Abend-Tafel.

Die Spielleute hatten ihre Plätze in der Stube eingenommen und musicirten frischdarauf los, während die Schützen den aufgetragenen Speisen und dem Weine tapferzusprachen.

Nach dem Mahle begannen die jüngern Schützen einen Tanz mit den Dirnen, beiwelchem Franzl als Schützenkönig den Vortänzer machen mußte.

Von den Andern dazu aufgefordert, näherte er sich daher der Tochter Silbermüllcrs,und bat sie, den ersten Walzer mit ihm zu tanzen.

Lcni, welche an den Mienen ihres Vaters wohl abnehmen konnte, daß er es liebersähe, wenn sie Franzl eine abschlägige Antwort geben würde, getraute sich doch nicht,dieses zu thun, da sie wußte, daß kein Mädchen demSchützenkönig" den ersten Tanzverweigern dürfe.

Sie reichte daher, obwohl etwas zögernd, dem Bittenden ihre Hand, und Beidebegannen, unter dem Beifallsklatschen der Menge und dem fürchterlichsten Wüthen derSpiellcutc, den Walzer.

Bald aber drehte sich Alles in lustigen Wirbeln, nur die Aeltcren waren bei ihrenKrügen sitzen geblieben, und sahen, mit Ausnahme Silbermüllers, mit Wohlgefallen derLustbarkeit des fröhlichen jungen Volkes zu.

Um's Himmelswillen," flüsterte Leni, als sie sich unbemerkt sah, zu Franzl,sucheden Vater wieder zu besänftigen, er ist schrecklichaufgebracht" gegen Dich. DerWildhaucr "

Da kamen sie wieder in das Gewirre und Lcni mußte abbrechen.

Stach Beendigung des Tanzes führte Franzl seine Tänzerin wieder zu ihrem Vaterzurück, aber Dreißlcr und Wildhaucr hatten daselbst die noch unbesetzten Stühle bereitseingenommen, so daß Franzl gezwungen war, sich Platz an einem anderen Tischezu suchen.

Vergebens versuchte er mehrere Male sich dem Silbcrmüller oder seiner Tochter zunähern, immer wußten Wildhaucr und Dreißler ihn daran zu verhindern, und so geschahes, daß die Stunde zum allgemeinen Aufbruche gekommen war, ohne daß die Feindselig-keit zwischen ihm und Silbermüller beigelegt worden wäre.

Franzl hoffte am nächsten Morgen Gelegenheit zu finden, mit ihm auf dem Wegenach seiner Heimath zusammen zu kommen. Flüchtig nahm er daher mit Anbruch desTages von dem Schützcnmeistcr und den andern Bekannten Abschied, als er hörte, daßsich der Silbcrmüller mit seiner Tochter bereits entfernt habe, und verfolgte die Straßenach dem Unterinnthale, welche sie ebenfalls eingeschlagen haben mußten. Er war noch