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29 (12.9.1869) 37
 
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uud starrte lange vor sich hin, plötzlich rief er aus:Du hast Recht, Alte, ich mußfort, mag daraus werden, was da will. Der Junge wird auch ohne mich leben, undich kann doch nicht seinetwegen hier in diesem verlorenen Winkel zu Grunde gehen."

Die Alte bestärkte ihn nach Kräften in seinem Entschluß, und schon am andernMorgen sagte er schnell entschlossen seinem düstern, und doch so grünen WaldgefängnißAde", um mit jubelnd befreitem Herzen in die Welt hinauszuwandern.

Die Alte bat ihn beim Abschied noch einmal, doch den Namen des jungen GasteSzu sagen. Er bog sich in übermüthiger Laune vsm Pferd, und flüsterte ihr geheimniß»voll einige Worte in's Ohr. Sie verzog ihr Gesicht zu einem ungläubigen Grinsen,daß Georg davon belustigt, laut auflachend entgcgncte:Glaub's nur, alte Hexe!"und davon sprengte.

Schad't nichts, und wenn's auch wahr sein sollt', fort muß der Bankert doch!Das wär' eine schöne Quälerei auf die alten Tage, dann will ich nur d'rauf sehen, daßich ihn gut unterbring' und nicht aus den Augen verlier'. Es wird zwar Niemandnach ihm fragen, aber wenn's ja geschieht, dann müssen sie sich doch wieder an michwenden, und ich verdien' erst recht mein schönes Geld." Mit diesen vor sich hingemur-melten Worten kroch sie zur Hütte zurück. Ihr heimtückischer, nichtswürdiger Entschlußden Kleinen auszusetzen, stand fest und sie suchte nach irgend Etwas, das sie dem Kleine,zur Wiedererkennung mitgeben könne.

Darüber sinnend, schritt sie an den Korb des kleinen Ludwig, der trotz dem Mangelmütterlicher Pflege ziemlich wohl aussah, und rief freudig aus:WaS such' ich lange,trägt doch der Junge das beste Erkennungszeichen an seinem Leibe. Dies große Malauf seiner Brust, das wie eine Hand aussieht, und jeden Finger deutlich zeigt, ist soselten und sonderbar, daß man ihn unter Tausenden wieder erkennen muß."

Und nun will ich für dich sorgen, mein Söhnchen," fügte sie lachend hinzu,meine niedere Hütte verträgt nicht solch' hohen Gast."

(Fortsetzung folgt.)

Ueber die Größe europäischer Kirchen.

Seit einiger Zeit scheint es, daß die Größe der Kirchen besonders in Deutschland die Aufmerksamkeit der Gebildeten auf sich gezogen hat. Wir entnehmen dah-i aus demsiebenten Bande des Wicbeking'schen Werkes (urolntcoturc civil« theoreliguc ct pra-tikzuc nveo un stlus <ls 260 plancdes) folgende merkwürdige Fakta: Unter den Kirchenunsers Erdballs bedeckt die Peterskirchc in Rom einen Flächenraum von 199,926 Pari-ser Quadrat-Fuß. Sie ist also die größte und merkwürdigste Kirche für Katholiken undProtestanten. Wir wollen jedoch hier nur die von deutscher Nation in Deutschland aufihre Kosten ausgeführten oder Kirchen, deren Entwurf von deutschen Baumeistern gemachtwurde, rückstchtlich des Flächcnraumes anführen. Aus der im VII. Baude Seite 179und 180 jenes Werkes gelieferten Uebersicht von dem Flächenraum von 148 Kirchenund seines Verhältnisses zu dem der Pcters-Kirche entnehmen wir also Folgendes: Erstens.Der Dom zu Mailand, dessen Plan von dem deutschen Baumeister Heinrich von Gewun-den, in Jtalian Lnrico cki Osinonäia genannt, entworfen wurde, bedeckt einen Flächen-raum vor 110,508 Q.-F. In Deutschland sollte nach dem Entwurf der Kölner Dom die größte Kirche werden, indem derselbe einen Flächenraum von 69,400 Q.-F. ein-nehmen sollte. Der Dom zu Spcycr bedeckt 69,350 der Münster zu Straßburg istvon der deutschen Nation und von einem deutschen Baumeister angefangen, und ausge-führt, als das Elsaß zu Deutschland gehörte. Man kann ihn daher mit Recht zu denBaudenkmalcn deutscher Nationen zählen, er bedeckt einen Flächenraum von 58,052der Münster zu lllm 57,639 die Stcphanskirche zu Wien 46,866, der Dom zuMagdeburg 43,800 die Marienkirche zu Lübeck 42,120 der Dom zu Augsburg