Ausgabe 
29 (26.9.1869) 39
 
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Ueber den Einfluß des Baumwuchses auf die Verbreitung der

Cholera.

Die Süddeutsche Presse erhält über diesen Gegenstand die folgende sehr interessanteMittheilung des Herrn Dr. v. Pettenkofer :

München , 14. August. Die Süddeutsche Presse hat vor einigen Tagen einenArtikel über den Einfluß der Bäume auf den Wassergehalt des Bodens und damit auchauf den Stand des Grundwassers enthalten, der mich veranlaßt, Ihnen einige mit die-sem Gegenstand in Verbindung stehende Notizen aus dem auf Befehl der indischen Regier-ung gedruckten, zu Ende Juni dieses Jahres erschienen und mir vom Verfasser zuge-schickten neuesten Berichte über die Cholera in Indien, vom General-Inspektor der Hospi-täler im Bengalischen Medizinal-Dcpartement, l>r. John Murray, mitzutheilen.

Dieser Bericht, welcher in den medizinischen Zeitschriften einläßlich besprochen werdenwird, ist wesentlich auf die Beantwortungen der von der indischen Regierung an sämmtlicheAerzte Indiens gerichteten Fragen gegründet. Eine dieser Fragen (I 8) betrifft denEinfluß der Bäume auf die Einschränkung der Cholera und beweist, daß man auch inIndien auf einen gewissen Einfluß von Baumpflanzungen aufmerksam geworden ist. Unterden auf diese Frage eingelaufenen Antworten sind einige sehr schlagend.

So werden von Beatson (1- k. Otkioisting vsput^ Inspuotor Kvnoral, Lsn-§sl I.) folgende Thatsachen angeführt: In der sehr weit verbreiteten Cholera-Epidemievon Allahabad im Jahre 1859, sind unbezweifelt jene Truppenabthcilungen, derenWohnungen den Vortheil nahestehender Bäume hatten, verschont geblieben, und zwargenau im Verhältniß der Dichtigkeit und Nähe dieses Schutzes. Die europäische Kavalleriein den Wellington Barracks, die zwischen vier Reihen stattlicher Mango-Bäume, obschonimmer noch etwas offen liegen, litt viel weniger als das vierte europäische Regiment,dessen Quartiere auf einem der ganzen Kraft der Winde ausgesetzten Hügel lagen; währendin der bengalischen reitenden Artillerie, die ihren Wohnsitz in einem Mangowäldchen hatte,nicht ein einziger Krankheitsfall vorkam. Und diese Ausnahme kann nicht als zufälligbetrachtet werden, da im folgenden Jahre das Verhältniß sich genau ebenso wiederholte.

Griffith (U. ^ssistunt Lur^son, ülackras I) äußert sich in folgender Weise:Die Gegenwart von Bäumen wirkt wohlthätig, und ich glaube, daß einige Baumartenvorthcilhafter wirken als andere. Von einem Dorfe Namens Bhudrogaum in diesemDistrikte wird behauptet, daß es noch niemals von der Cholera heimgesucht worden sei.Es ist von Nccmbäumen umgeben. Vor einigen Monaten bat ich den Kapitän Dovcton,welcher Forstmeister ist, um Auskunft über diesen Ort. In 1865, so sagte er, wo dieCholera im Hoshuugabad-Distrikte wüthete, besuchte ich Bhudrogaum, wo ich zu meinemErstaunen erfuhr, daß daselbst nicht ein einziger Cholerafall vorgekommen war, währendin den umliegenden Dörfern die Menschen in großer Zahl starben. Dieses Dorf, welchesnach allen Angaben niemals von der Cholera besucht worden ist, liegt auf einer hohenUferstelle des Sungul-Flusses und ist im Osten und Westen von nordwärts und südwärtslaufenden Waldstrichen eingeschlossen. Diese Junglcstrecken liegen aber tiefer als das Dorf,und in dieser Beziehung sind alle benachbarten Dörfer ebenso günstig gelegen. Abereinen bcmerkenswerthen Umstand hat der Ort für sich: er ist von einer außerordentlichenZahl von Neembäumen umgeben; und auf diesen Umstand wurde meine Aufmerksamkeitgleich bei meiner Ankunft gelenkt. Nach den Beobachtungen, die ich in den vergangenenneun Jahren zu machen Gelegenheit gehabt, bin ich zu dem Schluß gekommen, daß einvon Wald umgebenes Dorf (a jun^lo villn^e) der Gefahr der Cholera weniger aus-gesetzt ist, als ein Dorf ohne Bäume in seiner Umgebung, daß aber, wenn in einemWalddorfe einmal die Krankheit ausbricht, die Wirkungen viel schlimmer sind, indem einegrößere Verhältnißzahl der Bevölkerung von derselben befallen wird.

Ein anderer Beobachter, Guisc, 0- /O Usput^ lnspr. 6enl, LönZal I.) erklärt