Ausgabe 
29 (26.9.1869) 39
 
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sich wie folgt: Dieses Jahr wurde wieder eine Abtheilung des 77. Regiments in einLager geschickt, weil sich am 17. September einige Fälle von Cholera gezeigt hatten.Die Regen hatten aufgehört. Lagergrund mit einem guten Wasserabfluß wurde in einemausgedehnten Bestand von Mangobäumen gefunden. Die Leute waren den ganzen Tagin der freien Luft unter dem Schutze der Bäume und die Wirkung sowohl in der Besei-tigung aller Cholerasymptome, wie überhaupt in dem Gesundheitszustände und der Ge-müthsstimmung der Mannschaft war höchst befriedigend.

Williams l>>V. b-ui-Ason iUnjor illuckru8 I.) sagt: Ich kann aus eigener Erfahrungkein Beispiel anführen, daß Bäume der Verbreitung der Cholera Schranken gesetzt, Bei-spiele aber sind bekannt, daß nach dem Abschlagen von Bäumen die Cholera an Ortenerschienen ist, die vorher davon frei gewesen waren.

So sehr ich an die Richtigkeit der angeführten Thatsachen glaube, so wenig kannich die manchmal gegebenen Erklärungen annehmen. Die einen meinen, das Wirksamesei der Schalten, den die Bäume den Menschen gegen die Sonnenhitze gewähren; anderemeinen, es liege in der luftrcinigendeu Kraft der vegetirenden Blätter, und wieder anderesind der Ansicht, daß die Bäume durch Abhaltung gewisser Luftströmungen wirken.Daß das alles nicht das Wesentliche sein kann, geht aus den Beobachtungen von Grif-fith und Dovelon hervor, wonach Jungle-Orte zwar häufiger verschont bleiben als andere,aber viel schwerer leiden, wenn in ihnen die Krankheit doch einmal ausbricht. Interessantist für mich, was Mac Leod (Sur^eon Major, klackras I.) sagt: Da Fieber-Malariafähig ist, vom Winde weiter getragen zu werden, so ist es ganz begreiflich, daß dieselbevon Bäumen aufgehalten werden kann, und es gibt Thatsachen , welche stark dafür sprechen.Von der Cholera aber glaube ich, daß sie tellurischer Entstehung ist, und daß die Erdeselbst ein Hauptmedium für die Fortpflanzung dieser Krankheit bildet. Was immer aberdiese Hypothese sein mag, eins ist sicher, nämlich, daß das Choteragift sich gegenden Wind verbreitet, dem schärfsten Paffatwindc entgegen, und eine solche Fähigkeit scheintmir unvereinbar mit der Annahme, daß dieses Gift in seiner Fortbewegung von Bäumenaufgehalten werden könne. Daß jedoch Bäume wohlthätig wirken, indem sie die Luftreinigen, bin ich überzeugt, und deshalb glaube ich in der That, daß ihre Anpflanzungund Erhaltung anzurathcn ist.

Auch in Europa haben schon einige darauf aufmerksam gemacht, daß in einer sonstgleich beschaffenen Gegend hier und da große Wälder der Ausbreitung der CholeraSchranken setzten. Wilkens führte jüngst einige Beispiele aus Schlesien , aus der Umge-gend von Breslau an, und erklärt den Einfluß der Wälder, übereinstimmend mit mir,unter Beziehung auf das Grnndwasser.

Dieser Einfluß großer Baumpflanzungcn und Wälder erinnert mich lebhaft an dasVerhalten der Moore in Bayern während der Cholera-Epidemie des Jahres 1854, woz. B. die zahlreichen und bevölkerten Ortschaften im Donaumoos, zwischen Pöttmes ,Schrobcnhausen, Jngolstadt und Neuburg , von einem Gürtel von Ortscpidcmicn umge-ben waren, ohne daß sich die Krankheit epidemisch ins Donaumoos hinein fortsetzte, trotzder individuell doch gewiß sehr disponirten armen Bevölkerung derselben. Der Boden desDonaumooscs scheint damals noch zu feucht gewesen zu sein, als die Epidemie in derNähe war und ihr Keim eingeschleppt werden konnte. Wenn die Mango- und Ncem-Wälder in Indien unter gewissen Umständen eine Immunität gegen Cholera verleihen,so hat das unzweifelhaft keinen andern Grund, als die Immunität der niederen Stadt-theile von Lyon , welche durch den Einfluß der Rhone auf die örtlichen Grundwasserver-hältnisse bedingt ist. An einem Orte könnte daher das Niederschlagen eines Waldes die-selben Folgen und aus den nämlichen Ursachen haben, wie anderswo das zeitweise Aus-trocknen eines Moores oder die zeitweise Ableitung eines Flusses.