Ausgabe 
29 (26.9.1869) 39
 
Einzelbild herunterladen

310

Schlagende Wetter.

Ein Augenzeuge der Gruben - Explosion im Plauen'schen Grunde bei DreSde«, gibtim Chemnitzer Tageblatt folgende Erläuterungen zu der Explosion:

Die Entstehung und Verbreitung vonschlagenden Wettern" ist ihrer Natur nach,so viel man sich auch nach dieser Richtung hin bemüht hat, noch so wenig erkannt, diezu ihrer Wahrnehmung und gegen ihre Entzündung anzuwendenden Mittel sind im Gan-zen noch so unzuverlässig, daß bei der größten Vorsicht der Gruben-Verwaltung dochleicht einmal alle Maßregeln noch ungenügend sein können, oder daß nur ein Einzigervon den in der Grube Anwesenden ein wenig unvorsichtig zu sein braucht um diese alleder Verbrennung oder dem augenblicklichen Tode auszusetzen.

Das Kohlenwasserstoffgas bildet im Gemenge mit atmosphärischer Luft die schlagen-den Wetter. Es entwickelt sich in vielen Steinkohlengruben aus den Steinkohlen. Daes leichter ist, als die atmosphärische Luft, so steigt es bei ungestörter Ausströmung ausdem Kohlcnflötze in die höher gelegenen Theile der Grubenbaue, ohne sich mit dieser zuvermischen, und in diesem Falle brennt es bei der Entzündung mit blauer Flamme ohneDetonation ruhig weg. Vermischt sich aber das Kohlcnwasscrstoffgas mit der Luft, ent-weder durch die Bewegung der Arbeiter, oder durch die in den Gruben stattfindendeVentilation, so cxplodirt das Gemenge bei der Berührung mit einer Flamme. Bei die-ser Explosion entsteht ein außerordentlich starker Luftstoß und eine für den Augenblick sehrhohe Hitze. Die weiteren Folgen der Explosion bestehen darin, daß an Stelle der vor-herigen schlagenden Wetter der sogenannteNachschwaden" tritt, d. i. ein Gemenge vonKohlensäure und Stickstoff, in dem einen oder anderen Falle noch mit etwas Kohlenwas-serstoff oder etwas Sauerstoff. Dieser Nachschwaden macht das Athmen der Menschenunmöglich, führt sie daher oft noch zur schnellen Erstickung, wenn sie nicht vorher schonverbrannt oder zerschmettert wurden, und zwar verbreitet sich der Nachschwaden in denGruben bedeutend weiter, als vorher die Explosion, so daß oft noch Leute dieser nachträg-lichen Erstickung unterliegen, welche weit von dem Herde der eigentlichen Explosion ent-fernt liegen.

Die gewöhnliche Art der KohlenwasserstoffgaS-Entwickelung in den Kohlengrubenfindet auS den eben in der Kohlengewinnung st-hendcn Flötztheilen, also an den Arbeits-punkten statt. In dieser Art liegt die geringere Gefahr, denn m allen Grubenbauen, wosich Spuren solcher Entwicklung zeigen, läßt man ununterbrochen arbeiten, damit dasausströmende Kohlcnwafferstoffgas durch die Grubenlampen fortlaufend zur ruhigen Ver-brennung gelange und überhaupt sicy nicht in größerer Menge unbeobachtet ansammle.Bleibt dennoch einer oder der andere solcher bcdcnkcncrregendeil Punkte Feiertags ohneArbeiter, so läßt man zur allmählichen Vcrbrcnuung des Kohlenwasserstoffgases in demhöchsten Punkte eine ewige Lampe brennen und läßt jedenfalls den Bau von einem zuver-lässigen Manne zuerst untersuchen, ob auch keine Gefahr vorhanden sei. Es geschieht dießmittels der sogenannten Sicherhcitslampe, d. h. einer besonders construirten Grubenlampe,welche bei richtigem Gebrauche die Anwesenheit von Kohlenstosfwasscrgas durch Vergrößer-ung und blaue Färbung der Flamme verräth, bevor dieses GaS zur Entzündung gelangenkann.

Die Voruntersuchung aller einigermaßen bcdenkencrrcgcnden Baue nach einem Arbcits-stillstande hat auch bei dem freiherrlich v. Burgk'schcn Werke stets gewissenhaft stattge-funden und so auch ohne allen Zweifel am Unglücksmorgcn nach dem vorhergegangenenFeiertage. Zeugcnbcrichte darüber gibt es natürlich in diesem Falle nicht.

Bei vorliegendem Ereignisse mag dagegen die andere, seltenere, aber ungleich gefähr-lichere Art von Verbreitung schlagender Wetter stattgefunden haben. Nämlich in denalten unzugänglichen, weil zusammengebrochenen Kohlenabbauen sammelt sich ebenfallsKohlcnwaffcrstoffgas an, welches, wenn es hier und da einmal durch eine der zahlreichenoffenen Verbindungen in die gangbaren Grubenbaue in geringer Menge übertritt, bei