312
in der großen Handelswelt, Nürnberg der größte Hopfenhandels-Platz geworden VonJahr zu Jahr steigt die Zahl der Handelsfirmen daselbst, und erweitern die bestehendenHandlungshäuser ihre Geschäfte so, daß der Nürnberger Exporthandel von allen, selbstvon den entferntesten ProductionS-Ländern, Hopfen bezieht, und hiegcgcn denselben in alleWelttheilc wieder verschleißt. Der Hopfenmarkt Nürnberg's ist daher auch zum Welt-Markte geworden, und was den eigentlichen Markt betrifft, so besteht derselbe ohne alleamtliche Controle und Aufsicht; er wird hauptsächlich in der Karolinenstraße und Brunn-Gasse, in der Nähe der Lorcnzkirche, frcqucnlirt, weil dort viele Commissions-Geschäfteetablirt, zum Lagern des Hopfens eingerichtet und die meisten Hopfen-Handlungen imLorenzcr-Viertel zu finden sind. Die Preise des Nürnberger Hopfenmarktcs gelten füralle Hopfcnländer als Regulator; an allen Handelsplätzen und überall, wo Spcculationfür Hopfenbau und Hopfenhandel erwacht ist, — werden die Course und Berichte desHopfenmarktes mit Spannung erwartet, so daß in Zeiten des bewegteren Geschäftes, inder Saison, — der Telegraph Tag und Nacht beschäftigt und kaum im Stande ist, diezahllosen Depeschen über das Markt-Ergebniß und die Operationen des Handels in alleHimmelsgegenden zu verkünden. Die Hauptmarkttagc sind: Dienstag, Donnerstag undSamstag; am Schluß des Marktes wird die „Allgemeine Hopfen-Zeitung" ausgegeben,welche außer den Resultaten des Marktes, Nachrichten aus allen Hopfcnbau treibendenLändern, sowie von allen anderen bedeutenden Märkten bringt. Der jährliche Umsatz desMarktes beträgt nach zehnjährigem Durchschnitte 200,000 Ballen; einen ähnlichen Betragerhalten die Hopfen-Handlungen direkt aus den Productions-Bezirken. Am Nürnberger Markte betheiligcn sich hauptsächlich die Händler von Fürth und Bambcrg, aber auch dieausländischen von Frankfurt, Mainz, Mannheim, Böhmen und Belgien sind zahlreichvertreten, welche großcnthcils in den Gasthöfcn zum „Strauß," zur „goldenen Eiche"und zur „Himmelsleiter" in der Karolinenstraße Wohnung nehmen. Während derHauptsaison kam es schon oft vor, daß an Einem Tage 2 — 3000 Ballen zu Marktegebracht wurden, und da der Handel sich auf den Straßen bewegt, so wird bei lebhaftemGeschäfts-Verkehre nicht selten die Passage gehemmt, und in den am Markte gelegenenWein-, und Bicrwirlhschaften des :c. Dörner, Jung Weihmann und Adelmann — dasGeschäft zuweilen mit Hilfe eines frischen Glases abgeschlossen. Bei guter Stimmungund Bedarf ist selbst die größte Zufuhr bis Mittags 12 Uhr umgesetzt und etwa eineStunde später sind fremde und einheimische Käufer und Verkäufer im „Cafe Lotter,"wie in einer Hopfen-Börse, zum Cafe versammelt, die Conjuncturen und Situation desGeschäftes zu berathen, überhaupt der Spcculation Rechnung zu tragen. Die Gcschäfrs-Jahre 1867 und 1868 waren für Händler wie für Produzenten keine rentable. DieUebcrprvduktion verursachte sehr niedrige Preise, denn der Hopfcnbau hat mit der Bier-Fabrikatiou nicht gleichen Schritt gehalten, und dieselbe weit überholt. Die Preise desNürnberger Hopfenmarktes gestalteten ^ich seit August 1866 wie folgt: 1866. August64—78 sl., September 85 — 93 fl., Oktober 90—104 fl., November 100—110 fl.,Dezember 115 —123 fl. 1867. Januar 119 —131 fl., Februar 111 —120 fl.,März 111-120 fl., April 112—110 fl., Mai 110—116 fl., August 110—121 fl.,September 64—71 fl., Oktober 47— 59 fl., November 41—51 fl., Dezember 35—45 fl.1868. Januar 29—47 fl., Februar 28 — 42 fl., März 27-35 fl, April 27—35 fl.,Mai 28 — 35 fl., Juni 30 — 40 fl., Juli 50 fl., August 60 — 70 fl., September30—48 fl., Oktober 2l—35 fl., November 14—24 fl., Dezember 17—26 fl.
(Grabschrift.) Auf dem Grabsteine eines amerikanischen Advokaten ist folgendeInschrift zu lesen: „Der Tod folgte nicht dem Beispiele des Advokaten; er machtekurzen Prozeß mit ihm."
Druck, Verlag und Redaction des litterarischen Instituts von Dr. M. Huttler.