Ausgabe 
29 (3.10.1869) 40
 
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^1-0. 40.

3. Octbr. 1869.

Was wir gebrauchen, baden, macht uns reich

Wir haben das nicht, was w'r nicht gebrauchen.

So wären denn die meisten Menschen reich,

Wenn sie nicht wünschten, was sie nicht gebrauchen,lind was der nicht besitzet, der es hat.

L Scheser-

Die Hand.

Historische Novelle von Ludwig Habicht .

IN.

Sie haben mich geleitet, als ich mich fortgemacht,

Sie haben krank zum Sterben mich wieder heimgebracht.

Ch amis so.

Fünfzehn Jahre waren seit den im ersten Kapitel geschilderten Ereignisse» verstrichen.Wir finden den damals noch jungen Mann der Hütte, merklich gealtert, in dem weilenSaale eines Schlosses wieder, in finstern Gedanken auf- und niedergehend.

Eine wilde, geräuschvolle Vergangenheit mußte an seine hcißklopfendc Schläfegepocht, finstere Leidenschaften verheerend in seiner Brust gehämmert haben, denn dasdamals so frische, jugendliche Gesicht trug den Stempel frühen Alters. Sein früherkohlschwarzes Haar halte schon einige Silbcrstreifen, die in solchen Jahren nicht auf einausgelebt," sondernausgebrannt" sein schließen ließen.

Nur seine Gestalt war stärker, kräftiger geworden, die früher etwas zu schmalenSchultern schienen jetzt besser jedem Unglück trotzen zu können, denn sie hatten sich zuvoller Maunesweite ausgedehnt.

§ Und nach all' diesen Veränderungen würde man schwerlich in dem jetzigen Herzog

l Boleslaus von Brieg jenen Eindringling der Waldhülte wieder erkannt haben. Nur dasj früher schon dunkel aufflammende Auge hatte jetzt etwas noch düsteres, unheilvcrkünden-! deres, und der entschlossene Zug seines Gesichtes war bis zum Starrsinn verhärtet.

Die junge, unglückliche Mutter, die damals sich schmerzlich von ihrem Kinde trennenmußte, war die Tochter des Königs Wenzel von Böhmen , jetzt Boleölaus Weib. Da

> sein Vater früh verstorben, war er vom Böhmenkönig an den Hof genommen und dort

erzogen worden, denn die Väter hatten schon ihre Kinder in der Wiege mit einander

verlobt.

Aus dem Brcslaucr Kloster hatte sie die Furcht vor Entdeckung bald hinweg, undzu einer in Sagan rcsidirendcn Tante getrieben, die alt und halb blind, den Zustand

> ihres Gastes nicht gewahrte. Ihr Kammermädchen wurde bestochen, die klebrigen bekamen

! das junge Weib nicht zu Gesicht. Endlich aber fühlten sich die Flüchtigen auch dort

nicht mehr sicher, und Boleslaus halte die Hütte im Walde aufgesucht, seinen Pagen

> aber, wie wir wissen, noch in Sagan zurückgelassen, um etwaige Briefe von seinemSchwiegervater in Empfang zu nehmen, und so gelang cS, sich vor Entdeckung zu schützen

! und ohne den geringsten Argwohn nach Prag zurück zu kommen.

Eine Königstochter, eine künftige Herzogin durfte nicht der Schande allgemeinerVerachtung anheimfallen, dies war Boleslaus treibender Gedanke, und daher seine anGrausamkeit grenzende Härte.