Ausgabe 
29 (3.10.1869) 40
 
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Seine Frau wurde ihm immer gleichgültiger, je tiefer er sich in die Netze dr»schlauen Weibes verstrickt, bis er zuletzt mit dem Gedanken vertraut wurde, sich Marga-rcths völlig zu entledigen.

Die Croatin war reich, sehr reich, ein gewichtiger Grund mehr, sie und ihr Ver-mögen zu erobern, aber, um zu diesem Ziele zu gelangen, mußte eine Trennung vonMargareth stattfinden, dies hatte ihm der unheimliche Gast längst zu verstehen gegeben;doch, so oft und vielfach er mit diesem Gedanken sich herumgeschleppt, einer gewissenScheu konnte er sich nicht erwehren, Margareth diesem unglücklichen Geschöpf, einensolch' tödtlichcn Dolchstoß zu versetzen.

Jetzt beschäftigte ihn der Plan eines Feldzuges gegen den Münsterbcrger, und mitdem dringenden Bedürfniß nach Geld tauchte auch dieser oft zurückgedrängte Gedankevon Neuem auf und stärker denn je.Es muß sein," sagte er sich, und damitwaren die Würfel gefallen.

Er begriff eigentlich diese Margareth nicht, die so ruhig-schweigend seinem ver-brecherischen Treiben zusehen konnte. Wie gern Hütte er gesehen, wenn sie ihm selbst denHandschuh hingeworfen undValet" gesagt. Um sie aufzustacheln und zu einem Bruchezu bewegen, hatte er sein Wesen mit der Croatin desto offener und freier getrieben, undsogar zugelassen, daß die Letztere im frechen Ucbermuth, selbst au Margareth ihreDespvtenlaune ausgeübt, und da er die Triebfeder nicht finden konnte, die ihr ruhigfließend Blut in Wallung zu bringen vermöchte, so verachtete er sie wegen einer Schwäche,die Alles duldete und Alles litt. Vielleicht würde sie seine Liebe wieder gewonnen haben,wenn sie den Kampf mit dem schönen Gaste aufgenommen und diesen mit EntschlossenheitauS dem Felde geschlagen hätte.

Wir sagen:vielleicht?"

Bolcslaus sollte bald erfahren, daß sie dennoch so schwach und elend nicht war, alser geglaubt, und daß mehr verletzter Stolz als Schwäche sie abgehalten, mit der Croatinin die Schranken zu treten. Denn oft ist es die Niedrigkeit und Erbärmlichkeit desFeindes, die uns hindert, einen frechen Angriff abzuwehren, und wir schweigen lieber,als uns im Kampfe mit Gcsindel zu beschmutzen.

Während oben BoleslauS noch brütend und gedankenvoll in seinem Zimmer auf-und abging, spielte der kleine Wenzel unten auf dem Schloßplatz Ball.

Die Croatin ruhte nachlässig im Neitanzuge in der Nähe des Knaben auf einerBank, und erwartete den Herzog, um mit ihm auf die Jagd zu reiten.

Ein grünes Sammtkleid umschloß ihre hohe Gestalt, schwarze Locken umwallten dasscharfe, ausdrucksvolle Gesicht, in den Augen blitzte es oft nach Falkenart unheimlichbcutelüstern auf, um dann wieder eine gedankenlose Leere, ein gelangweiltes Nichts zuzeigen. Sie spielte ungeduldig mit der Reitpeitsche, während ihr Hut mit den wogendenFedern am Boden lag und ihr kleines Füßchen ihn bald vor-, bald rückwärts schob.

Die Ungeduld steigerte sich, denn wirklich war BolcSlaus so sehr in seinem Hin-brütcn gefangen, daß er zum ersten Mal die Croatin warten ließ.

Der Knabe schien sich wenig um die Croatin zu kümmern, und blickte nur lächelndzu seiner Mutter hinauf, die von einer Fensternische des Schlosses ihm zusah, und wenner den Ball recht weit geworfen, Beifall zunickte.

Da auf einmal nahm der eine Wurf des Jungen eine unglückliche Richtung, derBall flog gerade der dort ruhenden Croatin in's Auge.

Sie sprang wie eine verwundete Tigerin wüthend auf, und rief den Jungen zu sichheran, der ohne Zögern entschlossen auf sie zuging.

Warte, Bestie, ich will dich werfen lehren;" rief sie aus, und schwang über ihmdrohend die Peitsche.

Schlage mich nicht, ich hab'S nicht gern gethan," vertheidigte sich der Junge.