Ausgabe 
29 (3.10.1869) 40
 
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Gewitter heraufziehen sah, und doch vor dessen Entscheidung bangte.Erklärt mir dochdies unglückselige Ereign."

Es gibt nichts zu erklären, Boleslaus!" entgegnete Margareth,nur z« wählen.Wir Beide dürfen nicht mehr unter einem Dache wohnen. Willst du die Buhlerin be-halten, dann muß ich gehen!"

Weib! mäßige dich," entgegnete Boleslaus heftig,ehrst du das Gastrccht sowenig, dann steht es schlimm mit uns!"

Ja, wohl steht es schlimm mit unS," bemerkte Margareth mit einem so klagendschmerzlichen Tone, daß er hätte tief in sein Herz dringen müssen, wenn dies nicht bereitsallzusehr verblendet und befangen gewesen wäre.Ich fühle, daß du das Gastrccht nurzu hoch ehrst, wär' Alles, wie es sein sollte, dann stände ich jetzt nicht hier, dann hättedie Elende nie gewagt, mein Kind zu schlagen, dann würdest du ihr nicht ein freundlichOhr leihen und dein Weib so tief verletzen!"

Du hörst sie von Neuem lästern," bemerkte die Croatin,und so hat sie eSunten vor den Leuten gethan; das ist ein zu schmählicher Schimpf, den ertrage ichnimmer: Ich will gehen, daß du Frieden erhältst mit deinem kleinen, hübschen Weibchen,die dich so artig unter dem Pantoffel hält. Leb' wohl, Boleslaus sei herzlich füralles Gute bedankt!" Und ihm wie zum Abschied die Hand reichend, ging sie zur Thür.

Das schlaue Weib kannte ihre Macht, daß sie es nun bis zum Aeußersten treibenmüsse, um das Feld zu behaupten. Sie zeigte eine Entschlossenheit in ihrem Wesen, dieBoleslaus keinen Augenblick zweifeln ließ, daß es ihr mit der Abreise Ernst sei.

Und das konnte, das durfte er nicht zulassen. Er hatte, abgesehen von seinerLeidenschaft für die Croatin, jetzt eben bis zur Ueberzeugung gefunden, daß er ganznothwendig Geld brauche, und ihm hätte es Vermcssenhcit gedünkt, sich jetzt die Croatinentgehen zu lassen, die zur einzigen, ergiebigen Quelle für ihn werden konnte. Obfrüh, ob spät, der Bruch mußte geschehen! und nach kurzem Zögern, als sie an derThür zum letzten Mal zurückblickte, stürzte er auf sie zu und hielt sie eifrig undfreundlich zurück.

(Fortsetzung folgt.)

In der Industrie-Ausstellung.

Welch zaubervoller Anblick,Welch feenhafte Pracht!

Jst's Wahrheit, oder MärchenAustausend eine Nacht?"

So fragt' ich, als die SchwelleDes Tempels ich betrat,

Und sah in tausend FormenDes Geistes stolze That.

Wie die geschäfl'ge BieneVon Blum' zu Blume stiegt,Und süßen Honig naschend.

Auf gold'nem Kelch sich wiegt;

So flog ich in den HallenDes Nicscndoms umher;

Und als ich sollte scheiden,

Wie fiel mir das so schwer!

Doch sieh mit einem MaleWar alle Lust dahin;

Was war's doch, was so plötzlichVerändert meinen Sinn?

Es waren Särge, mittenIm Tempel ausgestellt.

Auf daß sie mächtig rufen:

O eitle Pracht der Welt!"

Wie eine TodtenstätteHat mich der Ort gcdäucht;Ich wollte nichts mehr sehen,Das Scheiden war so leicht!

Vsl. llieckkl.