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Religion «n- Poesie.
In unsern Tagen findet — ein Gedicht freilich nur schwer Freunde und Hörer;Geld und Politik absorbircn fast alle freien und unfreien Stunden der Meisten.Weil indeßcn doch auch noch Freunde der Dichtkunst gefunden werden, so mag eSgegönnt fein, denselben zu konstatiren, daß sie in k. Gall Morels „Gedichten*(Einficdcln, bei Bcnziger, 2. Bdchcn.) mehr als Gewöhnliches, nämlich erhabene underhebende Gedanken in korrekter, edler Form und Haltung finden werden. Viele dieserGedichte behandeln religiöse Begebenheiten und Lehren, andere sind Naturbetrachtungen,oder Sinngedichte: auch Grabschriftcn u. a. gewiß lescnswcrthe Grabes-Poesien auftheuere und werthe Personen sind hier enthalten.
* (Eine Audienz beim Papst.) Der katholische Bischofvon Bombay, Meu-rin, hatte jüngst die Ehre, außer vom König mtd der Königen von Preußen, auch vomPapst empfangen zu werden, welch' letztere Audienz er in folgender interessanten Weisebeschreibt: „Am 28. Juni ll'/r Uhr Morgens empfing mich der heilige Vater im Vati-kan . Ich kann die Gefühle nicht schildern, welche ich in seiner ehrwürdigen Gegenwartempfand. Da er vor seinem Schreibpulte saß, wurde ich daran verhindert, den Pantof-fel zu küssen, aber er reichte mir seine Hand, die ich — ich konnte mir nicht helfen —>so herzlich drückte und küßte, daß er es noch lange nachher gefühlt haben muß. Ichnahm auf sein Geheiß ihm gegenüber Platz und unterhielt mich mit ihm wohl über 20Minuten. Dann überreichte ich ihm den Peterspfcnnig (2,400 Rupien) in Gold, welchener auf den Tisch legte. Ehe ich mich verabschiedete, zog ich ein schönes polychromischesBildniß der heiligen Jungfrau hervor, und überreichte es dem Papst mit den Worten,daß meine Gemeinde zu Bombay seinen Segen sich schriftlich erbäte. Hierauf ergriff erseine Feder und schrieb unter das Bildniß: vous deneckieat populum Lonckm^onsem,et lidoret eum üb omni malo, ot ckvckuout 6uin in somilss zusliti-ie, ckliritutisolikkiientjgo eijslam 8. 86<lt>m junii 1869. ?iu5 ?. ?. IX. — Das Gemäl-wird eingerahmt und in der Kathedrale in perpelinim roi mnmnriain aufgehangentv erden. Nachdem ich Sr. Heiligkeit in den herzlichsten Worten meinen Dank ausgesprochen,entfernte ich mich.*
* (Dominospieler unterm Wasser.) Eine der interessantesten Abtheilungender letzten Pariser Welt-Ausstellung war die sogenannte Burg, welche, zwischen derJena-Brücke und der Brücke deS Jnvalidcn-Hotels am Ufer der Seine gelegen, alle aufden Sccdienst und die Flußschifffahrt bezüglichen Gegenstände umfaßte. Da die Tauchernamentlich die Aufgabe haben Werthgcgcnstände, die auf gestrandeten Schiffen sich befan-den, aus der Tiefe des Wassers hervorzuholen, so wurden auch die zur Ausstellunggebrachten Taucher-Apparate jener Abtheilung zugewiesen. Ein Vergleich derselben mitden einstigen Taucherglocken weist darauf hin, daß die Technik auch auf diesem Gebieteeinen gewaltigen Schritt nach vorwärts machte, obwohl das Princip, dem unter demWasserspiegel beschäftigten Arbeiter die zur Erhaltung seines Lebens nöthige Lust zuzu-führen, dasselbe geblieben ist. Die schwerfällige Taucherglocke siel aber weg und währenddie minder empfindlichen Theile des Tauchers durch einen Kautschuk-Anzug lediglich gegenden Andrang des Wassers geschützt sind, ist der Kopf des Taucbcrs von einem Apparateumschlossen, bei dessen Herstellung der. Maschinenschlosser, der Metalldreher, der Glaser,der Riemer, der Handschuhmacher und Seiler in gleicher Weise mitwirken. Derselbe bildeteine Maske, welche an ihrem oberen Theile am Kopfe des Tauchers festsitzt und demsel-ben erlaubt, mittelst der an dem Helme angebrachten Fenster nach allen Richtungenumherzuspühcn. Gegen den Mund zu erweitern sich dieselben derart, daß der Taucherdie in der Maske vorhandene unverdorbene Luft aufathmen kann, während er die von