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der Lunge ausgcstoßenc Luft durch ein Ventil in das Wasser hinausbläst. Selbstver-stündlich wird die gute Luft fortwährend erneuert, da eine auf dem Schiffe befindlicheLuftpumpe, welche mit dem Taucher durch einen wasserdichten Schlauch in Verbindungsteht, dem Apparate fortwährend frische Luft zuführt. Die mit solchen Apparaten ver-sehenen Taucher der Pariser Ausstellung hielten sich stundenlang unter dem Wasserspiegelauf, und das Publikum konnte mittelst eines bis auf den Grund der Seine hinabrcichen-den wasserdichten Baues bis zu ihnen hinabsteigen, alle ihre Bewegungen beobachten undzu seinem Erstauen bemerken, wie diese modernen Flnßgölter, in der Tiefe dcS Wassersin bequemen Lchnstühlcn sitzend, auf einem kleinen Tischchen ihre Partie Domino spielten.
^ (Jeder sein eigener Leuchter.) Ivctot, von Böranger im „König von?)vetot" besungen, wird bald auf eine reellere Weise als durch die Dichtung unsterblichgemacht werden. Ein dortiger Hutmachar hat nämlich unser an Erfindungen so reichesJahrhundert um eine neue bereichert. Er hat einen Leuchthut erfunden, mit welchem erin getreuer Nachahmung des Berangcr'schen Königs, der blos mit einer baumwollenenNachtmütze gekrönt ist, seinen Kunden das Haupt bedecken wird. Dieser Leuchthut ist zurAufnahme einer Laterne eingerichtet und macht es einem Jeden möglich, selbst in dunkelsterMitternacht sein eigener und fremder Leute freundlicher Leitstern zu sein. Natürlich findetdie Erfindung sofort universelle Anerkennung, Jedermann wird Latcrncnträgcr und —man bedenke nur, welche Summen Geldes jährlich allein Herr Hausmann in Paris anStraßen-Beleuchtung ersparen und dem General Leboeuf zur Fabrikation neuer ChassePotSzur Verfügung stellen kann! Ohne Frage, der Hutmacher von Hmtot ^ Wohl-thäter der Menschheit und man würde ihm sofort ein Denkmal errichten, wenn auch nur,um ihn schon bei Lebzeiten in Stein gehauen zu sehen, wenn nicht jede Nacht sein lebens-volles Denkmal wäre. Unsere Straßen und Plätze werden bei Nacht wie frisches Gehölzin Sommernächten aussehen, in welchem sich eine Masse Johanniskäfer und IrrlichterRendezvous geben, und diese fortdauernde Illumination wird so allgemein werden, daßin künftigen Zeiten, wenn zu Ehren eines hohen Gastes illuminirt werden soll, mantiefe Dunkelheit vorschreiben wird, auf daß Jedermann sein eigenes Licht sein müsse. —Unbestreitbar gehen wir erleuchteten Zeiten entgegen.
Auf einer alten Tafel im Dom zu Lübek steht geschrieben:
Ihr nennet mich Meister — und fraget mich nicht,
Ihr nennet mich Licht — und sehet mich nicht,
Ihr nennet mich Weg — und gehet mich nicht,
Ihr nennet mich Leben — und begehret mich nicht,
Ihr heißet mich weise — und folget mir nicht,
Ihr heißet mich schön -- und liebet mich nicht,
Ihr heißet mich reich — und bittet mich nicht,
Ihr heißet mich ewig — und suchet mich nicht,
Ihr heißet mich barmherzig — und trauet mir nicht,
Ihr heißet mich edel — und dienet mir nicht,
Ihr nennet mich allmächtig — und ehret mich nicht,
Ihr nennet mich gerecht — und fürchtet mich nicht.
Werd' ich Euch verdammen — verdenkt mir's nicht.
Vater: Karl, warum hast du nicht geweint, wie man deine Großmutter begrabe»hat? — Sohn: Guck, Vater, ich habe allewcil druckt, aber — ich kann nicht greinen,außer ich krieg' Prügel.
Druck. Vorlag und Redaction des Literarischcn Instituts von Dr. M. Huttler.