Nro. 41.
10. Octbr. 1869.
Angsbnrgev
Den lohnt des Himmels Friede, der sein SchwertNur in gerechtem, frommen Kriege zieht.
Die Hand
Historisckc Novelle von Ludwig Habiekt.
(Fortsetzung.) ,
„Du darfst nicht so von uns scheiden," sagte er zärtlich, „ich will nicht, daß dumein Haus als unwirthbar anklagst, bleibe hier und Alles wird sich wieder aussöhnen!"
„Nichts wird sich aussöhnen!" entgegnen die einmal aus ihrer Lethargie aufgerüt-telte Margarcth, „wir sind am Ende! Du hast gewählt, nun denn, so muß ich gehen,und nach solcher Erfahrung gehe ich gern."
Und ehe noch Bolcstaus Zeit zu einer Antwort finden konnte, war sie verschwunden.
Die beiden Zurückgebliebenen sahen sich einander erstaunt an. Bolcslaus war be-stürzt und erschüttert. Diese Entschlossenheit hätte ihm in früherer Zeit imponirt, heuteaber war es bereits zu spät. Der Croatin höhnisches Gelächter, ihre Liebkosungen er-stickten bald die sich regenden Gewissensbisse und Neuegedanken.
Solche Naturen, ivie die Margareth's, lassen bis zu einem gewissen Punkt Allesüber sich ergehe», wenn aber ihre Widerstandskraft aufgestachelt wird, führen sie ohneSchwanken, ohne das mindeste Zögern, mit einer Strenge und Entschlossenheit, die ein-mal erfaßten Gedanken aus, die uns bei den sonst so schüchternen, rücksichtsvollen Cha-rakteren in Erstaunen setzt.
Noch ehe Bvleslaus an die Tiefe des Bruches geglaubt, hatte Margarcth schon ihreBefehle zur Abreise gegeben und in wenigen Stunden war Alles gepackt.
Was hatte sie denn viel mitzunehmen? An Sachen und Kostbarkeiten wenig —nur ihren großen, fürchterlich nagenden Schmerz trug sie mit hinweg, der schwer wogund schwerer drückte, als Alles Ucbrige.
Boleslaus saß noch, das Jüngsterlebte sowie die vorgenommene Jagd vergessend, ander Seite der Croatin, da ritt schon Margarcth, von ihrem Sohne und einem kleinenGefolge begleitet, zum Thore hinaus.
Er blickte erschrocken ausi den kleinen Zug, das kam ihm doch zu plötzlich, über-raschend, und sich den Liebkosungen der Croatin entwindend, die ihn vergeblich zurück-zuhalten suchte, stürzte er hinunter und auf die Abreisenden zu, die noch am Thore durchden kleinen Wenzel aufgehalten worden waren, der durchaus sein Pscrdchen allein führengewollt, und jeden Beistand hartnäckig zurückgewiesen.
„Du gehst, Margarcth?" rief BoleslauS weich und mitd, und das ganze Unrechtseines Thuns schien er in diesen halb vorwurfsvollen, halb herzlichen Worten bekennenzu wollen.
Sie sah ihn ruhig und gelassen an, als habe sie ihn nie gekannt, gab ihm keineAntwort und rief dann ihrem Gefolge zu: „Nur fort!"
„So gehe!" — rief Boleslaus, von dieser kalten Ruhe erbittert, — „aber derWenzel bleibt hier! "
Bei diesen Worten wandte sie ihr Pferd um, richtete sich hoch auf, ein Flammen-