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bringen, sie seufzte nur schwer auf. Ihr WuthauSbruch hatte sich gelegt, aber die Nachtdes Wahnsinns breitete sich doch düster schaltend um ihre Stirn.
Der kleine Wenzel stand jetzt plötzlich rath- und hilflos allein.
lV.
Daran ist schuld dein süßer Kuß,
Der schnelle, zündende Funken,
Daran ist schuld dein süßer Kuß,
Den ich hinabgetrunken.
M o s e u.
Es war ein lustiges Treiben vor dem Schlöffe des Briegcr Herzogs. Knappenputzten die Waffen, Reisige zogen heran mit bunten Fähnlein, und die guten Bürgerselbst Probten auf einem nahen Schießstande ihre Armbrust.
Allem Anschein nach sollte ein neuer Strcifzug dcS kampflustigen BoleslauS be-ginnen, der jetzt bald hier, bald dorthin eilte, um zu ordnen, zu schlichten und Alle» indas gehörige Geleis zu bringen.
Drei Jahre waren vergangen, seitdem Bolcslaus von der Erkrankung Margareth'sberichtet worden, und er hätte sogleich seine Ehe durch den Bischof trennen lassen, umbald nachher zu einer Verheirathung mit der Croatin zu schreiten.
später noch kam ihm das Gerücht, Margareth sei todt, daS im ganzen Landeverbreitet, vielleicht von dem Glogauer geflissentlich ausgestreut worden war, um dieUnglückliche jedem verfolgenden Blick desto sicherer zu entziehen.
Jetzt erst, nachdem BoleslauS die Croatin besaß, fühlte er die scharfen Dornenjener Rose, nach der er so verlangend die Hand ausgestreckt.
Sie hatte sich schnell die Herrschaft über das ganze Hcrzogthum angemaßt, undschaltete mit einer Rücksichtslosigkeit und Willkür, die selbst dem an Quälereien und Druckaller Art gewohnten Volke auf die Länge zu hart und unerträglich wurde.
Die Steuern und Zölle mußten erhöht werden, nur um die hohen Summen fürdie wilden Festlichkeiten, die sich förmlich zu jagen schienen, aufzubringen. In nie ge-sättigter, bacchantischer Lust stürzte sie den Herzog aus einem Vergnügen in das andere,so daß ihn selbst ein unbehagliches Gefühl heimsuchte, von einem Weibe in diesem tollenTreiben übertreffen zu werden.
Ost hatte er Stunden, in denen er sich nach seiner sanften Margareth zurücksehnte.Sie war so ganz anders, stets lieb und freundlich gewesen, an ihrem stillen und ruhigenWesen hatte sich die heiße Brandung seiner Leidenschaft am ehesten abgekühlt, und selbstüber den wildesten Mann hat ja ein echtes Fraucngemüth einen gewissen besänftigendenZauber, der gewöhnlich erst dann gewürdigt und geschätzt wird, wenn der gute Engelvon der Seite gewichen,
In solchen Stunden sann er oft gedankenvoll vor sich hin; die Bilder der Vergan-genheit siegen in seiner unruhigen Seele auf, — er gedachte mit bitterer Reue seinesersten Weiches, die er so tief und mannigfach gequält, wie er sie von ihrem ersten gelieb-ten Kinde hinweggerissen, und dann noch mit der Nachricht seines Todes getäuscht. —Sie war dabin gegangen, die arme, zu milde, weiche Frau, aber ihr Sohn konnte nochleben, und jftußte jetzt ein kräftiger Junge sein. Der Kleine war schon damals ganzdas Ebenbild seiner Mutter, vielleicht würde ihm die Nähe dieses Knaben wohlthun, —wenn er so weiter nach der Mutter geartet. Wenigstens hätte er dann ein einzig an-schmiegend Herz, das seiner bedurfte, und nach einem solchen sehnt sich ein kräftig festerCharakter stets, so viel er auch, in Stunden des Unmuths, die zärtlichen Arme dcSschwachen Epheu mit wildem Sinne von sich stößt.
Die Croatin war ihm ähnlich, ja im Hang nach Tollheiten überlegen, und seinenWenzel hatte der Glogauer nicht zurückgegeben, der mit Freuden die Gelegenheit ergriffen,