Ausgabe 
29 (10.10.1869) 41
 
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einen Schatz des früheren Feindes in Händen und damit die Handhabe zu besitzen, seinerZeit die Feindseligkeit zu erneuern.

Bolcslaus hatte vor ihm auf der Hut zu sein, und wollte doch dem Münstcrbcrgerauf den Leib rücken, welch' so lange vorher entworfenes Unternehmen von der Croatinaber bis jetzt hinausgeschoben worden, die lieber den Herzog auf dem Schlosse zechend,als auf dem Felde kümpfend sah.

Vielleicht konnte sie die Vergnügungen nicht entbehren, vielleicht wollte sie noch ihrevolle Kasse schonen, genug, sie hatte bisher verstanden, den Streifzug aufzuhalten.

Endlich war cS ihm nun gelungen, die Croatin für seine Pläne zugänglicher zustimmen, und alle Vorbereitungen zum li-a>npse wurden getroffen aber jetzt, da ihndie Croatin noch mit keinem Kinde beschenkt, erwachte auch die Sehnsucht nach dem Erst-gebornen um so stärker, und er beschloß, Schritte für dessen Aufsuchung zu thun. Esgalt ja eine schwere Schuld abzubüßen, die er an Margareth, wie an seinem eigenenSohne begangen, und der verklärte Geist Margareth'S niußte freundlich auf ihn nieder-lächeln, wenn sie ihren Sohn wieder bei ihm aufgenommen sah. Indessen war er gegenden herrschsüchtigen Charakter seiner jetzigen Frau mißtrauisch geworden, die gewiß denjungen Eindringling mit scheelen Augen ansehen würde; er wollte die Sache überhauptgeheim halten, und den jungen Ludwig an den Hof ziehen, ohne daS wahre Sach-»erhültniß aufzudecken.

Wer war zu dieser geheimen Sendung geschickter, als sein früherer Page Georgder in die ganze Angelegenheit eingeweiht, jetzt aber Edler von Strahlen, noch immersein Vertrauter geblieben.

Er zog ihn eines TageS heimlich in sein Gemach und machte ihn mit dem Plane,seinen Ludwig aufsuchen zu wollen, vertraut.

Ich habe eine unendliche Sehnsucht nach dem Jungen," fügte BoleSlauS hinzu,und wenn du mir ihn glücklich bringst, dann will ich dich zum Grafen ernennen. Ichweiß, daß dich schon lange darnach gelüstet."

Georg nahm den Auftrag freudig an und entgcgncte:Ich fürchte nur, daß derKleine wirklich todt ist, oder daß sich die Alte ihn vom Halse geschafft."

Nein, das glaub' ich nicht," entgcgncte BoleSlauS,ich habe eine recht starkeHoffnung, ihn wieder zu sehen; ich. verlasse mich auf deine Verschlagenheit, setze Allesdaran, mir den Jungen zu schaffen, und du bist Graf."

Ich werde Alles aufbieten, ihn zu finden," erwiderte Georg,und sollt' ich ganzSchlesien nach allen Himmelsgegenden durchstreifen müssen, wenn er noch lebt, dann bring'ich ihn zurück, denn an dem sonderbaren Maal ist er zu erkennen."

Wohl! aber nur dann, wenn du Jedem den Rock von der Brust reißt,"versetzte Boleslaus lachend,doch noch einmal, tiefes Schweigen über das Ganze, undreise sofort ab!"

Georg, von der winkenden Grafenkrone angelockt, versprach Alles und ging.

Noch ehe Georg sich zur Abreise vorbereitet hatte, wurde er Plötzlich zur Croatingerufen. Sie hatte ihn zum Herzog eintreten sehen, und da sie jeden Schritt desselbenbewachte, so mußte sie wissen, was dieses Hcimlichthun bedeuten solle.

Sie empfing ihn, auf weichen Polstern ruhend, nur nachlässig angekleidet. Ihrevolle üppige Gestalt trat durch die leichte Kleidung nur noch mehr hervor: welch' volle,blühende Arme, welch' schwellende. Brust, welch' sinnlicher Zauber in ihrer ganzenErscheinung!

Die Korallenlippen schienen nur zum Kusse einzuladen, und in den dunklen, tief-liegenden Klugen brodelte ein verzehrend Feuer, das beutelüstern jeden Augenblick hervor-zubrechen drohte. Zu diesem glühenden, leidenschaftlichen Wesen harmonirte vollkommendas dunkle, rothseidene Kleid, das leicht ihre noch immer imponirende Gestalt umschloß.

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