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Sie richtete jetzt ihre durchdringenden Augen auf den Eintretenden und frug bestimmtund forschend: „Was solltest du bei dem Herzog?"
„Rathpflcgen über den neuen FeldzugSplau," cntgegnete Georg mit ziemlicher Sicher-heit und doch nicht fest genug, um das schlaue Weib zu täuschen.
„Und das hieltet ihr so geheim?" frug sie weiter inguirircud.
„Wir wollen den Münstcrberger überraschen und damit in die Enge treiben!"
„So?! >— und wenn ich jetzt dich selbst in die Enge triebe?" frug die Croatinscharf, und ihr Auge ruhte durchbohrend auf Georg. „Glaubst du mich zu täusche»?Ihr führt etwas ganz Anderes im Schilde!"
„Und wenn es wäre?" — entgegnete Georg, der jetzt seinen kecken Trotz wieder-gefunden hatte, nicht ohne Absicht.
„Dann würdest du mir vertrauen, Georg!" entgegnete die Vorsichtige schmeichelnd,die zu fühlen begann, daß sie ihm auf andere Weise beikommen müsse.
„Und wenn ich es nicht dürfte, Herzogin? Wenn Boleslaus mir strenge Ver-schwiegenheit anbefohlen?"
„Ich bin sein Weib, die früh oder spät jedes Geheimniß von ihm doch erführt,also vertraue mir, ich will nur deine Ergebenheit gegen mich erproben."
„Wie kannst du daran zweifeln? Fordere von mir, was du willst und ich werdees thun, aber mein Wort gegen BoleSlans darf ich nicht brechen!" cntgegnete Georg,der damit nur seine Forderung höher schrauben wollte.
Das schlaue Weib schien ihn durchschaut zu haben und entgegnete freundlich: „Du
willst dir deine Worte gut bezahlen lassen, nun wohl! . 50 Dukaten — machen die
dich sprechend?"
Er schüttelte bedenklich das Haupt.
„Sei kein Thor," drängte die Croatin, „ich weiß, du brauchst fortwährend Geld,verschmähe nicht diese hübsche Quelle! Oder willst du mehr? Hundert Dukaten?"
Georg fühlte, daß er dennoch der Croatin nicht entgehen könne, ja sich dieselbe nichtzum Feinde machen dürfte, — 100 Dukaten waren doch eine schöne Summe, und waslag denn an der ganzen Geschichte? Nichts! — Er hatte schon Viel in seinem Lebengeschwatzt, aber so gut waren ihm die Worte noch nicht bezahlt worden. Er willigteein und trat geheimnißvoll zu ihr heran, um die früheren Begebnisse und seinen jetzigenAuftrag mitzutheilen.
Inmitten des Erzählens war er der Herzogin immer nähe? gerückt, kauerte zuletztzu ihren Füßen, während die Herzogin sich begierig lauschend über ihn bückte, und ihrwarmer Athem seine Stirne berÜHÄe.
Zhr Auge funkelte bei der Berichterstattung unheimlich, — diesen Knaben Mar-garethe durfte sie nimmermehr in Boleslaus Hände lassen, dies mußte eine Theilungseiner Liebe herbeiführen, und sie war viel zu herrschsüchtig, um nur eine Faser seinesHerzens irgend einem anderen Wesen zu überlassen.
Der Sprößling der verhaßten Margaret!) sollte einst den Besitz des Hcrzogthumsantreten, während sie selbst nicht alle Hoffnung aufgegeben, Boleslaus einen Erben zuschenken? Alles das genügte zu dem raschen Entschlüsse, durchkreuzend in die PläneBoleslaus einzugreifen.
Georg war mit seiner Erzählung zu Ende — und blickte jetzt auf in das über ihnruhende, dunkle Auge der Herzogin. Er erschrack fast selbst über die Vertraulichkeit, zuder ihn sein flüsterndes Erzählen veranlaßt, und doch lag in der Erscheinung der vorihm Sitzenden ein Zauber, dem er sich nicht zu entwindeu vermochte.
„Und du gehst jetzt, den Auftrag auszuführen? Wirst du den Knaben finden?"frug die Croatin.
»Ich muß!" — entgegnete dieser — „Boleslaus will es."