Ausgabe 
29 (10.10.1869) 41
 
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brachten ein ansehnliches Päckchen von Banknoten zum Vorschein. Der Inhalt des Käst-chens mußte Millionen von Rubeln werth sein!! Der große Herr stand wie geblendet.Dieselbe Scene wiederholte sich Abend für Abend. Der sinneberückende Anblick solchenReichthums ließ einen teuflischen Gedanken in dem Hirn des Spähers vor der Thür auf-blitzen. Er wollte sich die dreifache Kassette des Juden, oder wenigstens deren InhaltaneignenEin Jude!" sagte er zu sich selbstwas hat das auf sich? Wenner es wagen sollte, zu widerstehen, so werde ich ihn wohl zum Schweigen bringen!"

Der große Herr begab sich zum ersten Polizeibcamtcn der Stadt, der natürlichsowohl ihn selbst als auch seine hohe Mission kannte, und ihn daher mit sklavischerUnterwürfigkeit empfing.Mein Herr" sagte der große Hcrr zum Polizeibeamten,ich bin das Opfer eines Dicbstahls geworden, eines schweren Diebstahls."Sie,mein Herr?"Ich selbst!"Und wer hätte es gewagt..."Ein Jude!Mein Zimmer im Hotel T. . . befindet sich neben dem Scinigen. Meine Werthpapierewaren unter dreifachem Verschlüsse in einem dreifachen Kästchen verschlossen. Mein Nachbarhat durch die unsere Zimmer verbindende Thüre in mein Gemach einzudringen gewußt,und mich meines Geldes beraubt."Oh, oh! Dicbstahl mit Einbruch! Darauf stehtlebenslängliche Deportation nach Sibirien . Wir wollen sogleich die Verhaftung desElenden vornehmen lasten." Und der Polizei-Chef begab sich in Begleitung des angeblichBcstohlenen und mehrerer Agenten nach dem Hotel.

Der Jude war so eben in seine Wohnung zurückgekehrt.Im Namen deS CzarS ,öffnet;" schrie der Polizeibcamte, indem er an die Thüre pochte. Der Jude öffnetesogleich. Sobald er aber den Chef der Polizei und seine Begleiter erblickte, verzerrtesich sein Antlitz, und ein schmerzliches Lächeln trat auf seine erbleichenden Lippen.Ichweiß, was Sie wollen, mein Herr!" sagte erund ich werde in einem Augenblickezu Ihren Diensten stehen. Er trat in den Alkoven. Eine Sekunde später krachte einSchuß. Man stürzt in den Alkoven. Der Jude hatte sich eine Kugel durch den Kopfgejagt.Der Elende!" rief der Polizei-Chef aus.Er hat sich selbst gerichtet!"

Der große Herr, an welchen diese Worte gerichtet waren, stand sprachlos einersolchen Entwicklung gegenüber. Der Polizei-Chef fuhr fort:Nehmen Sie, mein Herr,hier ist Ihre dreifache Kassette, und hier die Schlüssel; untersuchen wir vorerst noch denInhalt, um zu sehen, ob er vollständig ist." Man öffnete das Kästchen und Prüfte dieBanknoten.

Während dieß geschah, runzelte sich die Stirne deS Polizei-Chefs, und sein Gesichtnahm einen finstern Ausdruck an.Sind Sie sicher, mein Herr, daß diese BanknotenIhnen gehören?" fragte er. »Ohne Zweifel."Sie beschwören es?" «Ichbeschwöre es!"Wohlan, mein Hcrr, dann verhafte ich Sie im Namen des Czars .Diese Banknoten sind falsch."

Der große Hcrr war vernichtet. Aber was wollte er antworten? Er wurde ver-haftet, vor Gericht gestellt und zu lebenslänglicher Bergwcrksarbeit in Sibirien verurtheilr.

Die Erklärung dieses Drama's ist einfach; der-Jude war ein Fälscher. Als er diePolizei in sein Zimmer dringen sah, glaubte er sich entdeckt, und gab sich den Tod.

Ein Gerichts-Beamter vernahm eine alte Frau, welche Zeuge von einem thätlichenAngriffe gewesen war, über die Identität des Beklagten War es ein langer Mann?"

>Nicht sehr lang, ungefähr von Ihrer Größe." »Sah er gut aus?"Nichtbesonders, ohngcfähr wie Sie."Schielte er?"Ein wenig, doch nicht sosehr wie Sie!"

Dem Könige Jakob I. von England setzte sich eine Fliege auf die Nase.Ichhabe drei Königreiche," rief er,kannst Du darin keinen anderen Platz finden?"

Druck, Verlag und Redaction des Literarischcn Instituts von Dr. M. Huttler. «