Ausgabe 
29 (17.10.1869) 42
 
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Nno. 42.

17. Octbr. 1869.

O Gvtt der Schlachten! stähle meine Krieger,

Erfüll sie nicht mit Furcht, nimm ihnen nunDen Sinn des Rechnens, wenn der Gegner ZahlSie um ihr Herz bringt. ^

Shakespeare , Hernrrch 4. Mt, 1. Scene.

Die Hand

Historische Novelle von Ludwig Habicht .

(Fortsetzung.)

V.

Ha . hämmere, Meister, ruhig fort,

Dein Feuer blinke licht und loh!

Wohl dir, o Freund, ein einfach Streben,Genügt dir durch dies Menschenleben.

K. Mayer.

Georg wandte seine Schritte natürlich zur Alten, bei der ihm allein über den SohnMargarelh's Aufschluß werden konnte.

Er crschrack die Hütte war zerfallen und zerstört, keine Spur eines menschlichenWesens war darin.

Die Alte mußte todt sein, denn sonst würde sie sich schwerlich von ihrem L-cblingssitzgetrennt haben. Wie schade, die Alte in ihrem zähen, verknöcherten Wesen hatte einlanges, gar nicht zu Ende bringendes Leben versprochen, und ihm mit ihrem unverant-wortlich schnellen Sterben einen schlechten Streich gespielt, denn damit war ihm jedeSpur des WeiterforschcnS abgeschnitten.

Unmuthig ritt er hinweg, um wenigstens noch in der Gegend hcrumzuschweifen undden Schein zu retten. ,

Kurz vor Sprottau verlor zu seinem neuen Acrgcr sein Pferd ein Eisen, und erwar froh, gleich am Thore eine Schmiede-Werkstatt zu erblicken.

Ein junges Mädchen stand an der Thür des stattlichen Hauses; die liebliche Er-scheinung übte auf das für solche Eindrücke ganz besonders empfängliche Herz Georg'ssogleich ihren Zauber aus und er frug höflich:Mein Kind, kannst du mir nicht einenArzt verschaffen für mein Pferd?"

Nein, Herr!- wir find nur ehrliche Schmiedclcutc!"

Eben recht," cntgcgnete Georg,mein Pferd hat ein Hufeisen verloren," und er-schwang sich herunter, band das Pferd an einen der am Schmicdcsländcr hängendenRinge und trat mit dem Mädchen, das ihn freundlich au zwei am Feuer stehende Gestaltenwies, in die Werkstatt.

Der Eine, in dem wir Meister Baltzcr wieder erkennen, war noch derselbe geblieben,kaum merklich gealtert, obwohl er jetzt beinahe ein tiefer Scchszigcr sein mochte, nur hatteer jetzt eine stolzere, selbstbewußtere Haltung, seitdem ihn die chrcnwcrthc Bürgerschaftseines männlichen, thatkräftigen Wesens und seiner tüchtigen Erfahrung wegen zumRathsherrn ernannt.

In dem ihm zur Seite stehenden Gehülfen erkennen wir Ludwig, der hochaufge-schössen, ein kräftiger, hell um sich schauender Bursche geworden. In seiner ganzen Er-scheinung lag etwas EdlcS, etwas über seine niedrige Stellung Hinausragendes, das selbstdurch die unscheinbare Schmicdejacke hindurchschimmerte.